Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 6 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 „Neue National-Zeitung" Nr. 6 diese Komiteesitzungen, dann hatte ich genug. Die folgenden, noch so urgierenden Einladungen berücksichtigte ich nicht mehr. Merkwürdigerweise gingen diese Beratungen flott vonstatten und das in Wien bei solcher Gelegenheit übliche, oft wie eine Erlösung wirkende Wörtchen: „Vertagen!" -wurde hier niemals vernommen. Wie ging das zu? Sämtliche Arbeiten, das Klopfen und Blasen, hatte im Komite'e der Universitätsprofessor, welcher in dem neuen Seminar einen Lehrstuhl innehaben sollte, auszuführen bereitwilligst übernommen und er führte sie mit einer bewunderungswürdigen Energie und Raschheit durch. Im Handumdrehen hatte er aus den Programmen der bereits bestehenden Rabbinerseminare von Breslau, Berlin, Budapest ein neues, angeblich den österreichischen Verhältnissen angepaßtes, zusammengestellt, welches sich von jenen nur durch seinen konservativeren, schulfuchsmäßigeren und mehr bevormundenden Charakter unterschied und daher dem Milieu, welchem das Vorb'eratungskomitee angehörte, zweifellos entsprechen konnte. Mit seiner begeisterten Eilfertigkeit riß er es zum Jasagen hin, bemühte er sich um eine ungesäumte, ministerielle Erledigung und, ehe man sich's versah, stand das Seminar in seiner Lebensgröße da. Das Verdienst nun» den kräftigsten Impuls zur Gründung des Wiener Rabbinerseminars durch Opferwilligkeit gegeben zu haben, gebührt dem sei. Wilh. v. Gutmann; das Verdienst, die Idee einer schleunigen Verwirklichung entgegengeführt und das Seminar so hergestellt zu haben, wie es vor uns steht, dem sei. Universitätsprofessor. M. Fr. . Ein Purimspiel der Rabbiner, (Wie die jüdische Mittelschuljugend über unser Kultuspräsidium und dessen publizistisches Organ denkt.) Nach alter Sitte haben Rabbiner in Wien am zweiten Purimtage vor einem geladenen Publikum ein Hamanstück aufführen lassen, welches durchwegs von Schülern und Schülerinnen der Mittelschule gespielt wurde. Das Publikum war ganz entzückt von der Trefflichkeit des Spiels und voll Lobes über das reife Verständnis, das die jugendlichen Darsteller an den Tag legten. Aus den aufreizenden Pointen dieses Stückes werden am meisten die folgenden zitiert und kolportiert: König Ahasver hat eine schlaflose Nacht. Er erhebt sich vom Lager und verlangt zur Zerstreuung nach der Chronik. Man bringt ihm Zeitungen. — Er aber schreit entrüstet auf: „Am Ende gar auch die „Oesterreichische Wochenschrift!" und fährt im Zorne fort: „Reißt sie in Stücke „Und tragt sie — Ihr wißt schon, wohin — zurücke!" Welche Blasphemie! Das Organ des löblichen Kultusvorstandes und...... Es ist schwer zu entscheiden, wer hier mehr getroffen. — Der König will, daß man ihm mit Erzählung kurzweiliger Geschichten die Zeit vertreibe. — Man will ihm von Tempel und Tempelbau erzählen. Davon aber will er nichts hören: „Ueber den Tempel" — sagt er unwillig abwehrend — „waltet ein--- besonderer Stern!" Aber auch die Predigt findet vor den Augen dieser hoffnungsvollen jüdischen Jugend keine Qnade, wenn sie auch nicht so unsanft als der Kultusvorstand und sein Organ angerempelt wird. Der König wünscht ein Schlafmittel. Aber er kennt nur ein einziges, das sich vielfach bewährt hat und untrüglich wirkt. Dieses jedoch ist im ausschließlichen Besitze der Juden, den Heiden unzugänglich. Es ist: die P r e d i g t. Beim Anhören einer Predigt, meint er, verklären sich die Züge des Schlaflosesten: „Sanft schlummernd senkt sich da das Haupt herunter, Und ist sie aus, dann ist man wieder munter." „Purini ist alles frei", sagt das alte jüdische Sprichwort. — Aber nach Purim weiß man doch, wo in der unter dem Schutze der Immunität der Purimfreiheit heraussprudelnden Ausgelassenheit Dichtung und wo Wahrheit ist. Man sieht, daß sich endlich nicht bloß in der „Neuen National-Zeitung", sondern auch schon in den lammfrommsten Gemütern die Galle regt. Allerdings zeigt sich hier vorerst die Faust noch in der Tasche. Aber die Faust ist da. „Wehe, wenn sie losgelassen!" Liste der Ausgetretenen. Vom 11. bis 24. März 1914. (Nr. 71—94.) Burger Helene, Schauspielerin, geb. 29. September 1878 in Wien, I, Kolowratring 9. Deutsch Ernst, geb. 1. Jänner 1895 in Wien, XII, Längenfeldergasse 6. Deutsch Jakob, Gefangenaufseher, geb. 29. Juli 1885 in Preßbürg, VII, Hermanngasse 38. Eliakim Salomon, Prokurist des Wiener Bankvereines, geb. 2. Juli 1882 in Adrianopel, IX, Müllnergasse 5. Hirsch recte Holy, Beamtensgattin, XIX, Oolzgasse 5. Holtmann Emil, Handelsagent, geb. 24. Dezember 1860 in Ober-Döbling, IX, Berggasse 27. Klein Alfred, Betriebsleiter, geb. 28. Mai 1893 in Wien, XX, Klosterneuburgerstraße 40. Klein Josef, Reisender, geb. 5. November 1885 in Karolinenthal, XVIII, Qersthofcrstraße 95. Mieslo Irene, Verkäuferin, geb. 28. April 1879 in Wien, II, Große Sperlgasse 26. Podselwer Hermine, geb. 21. November 1879 in Kowno (Rußland), XVIII, Bastiengasse 73. Popper Adolf, Kaufmann, geb. 4. Dezember 1889 in Wien, VIII, Josefstädterstraße 64. Rosinger Irma, Private, geb. 22. April 1883 in Wien, III, Radetzkystraße 3. Schmidl Siegmund, Handelsagent, geb. 13. März 1871 in Wien, XIII, Satzberggasse 6. Spielvogel Heinrich, Musiker, geb. 4. April 1879 in Wien, II, Mayergasse 8. Wagner Stefanie, Private, geb. 30. April 1888, III, Schützg. 5. Jacobovlts Olga Franz., geb. 4. April 1894 in Wien, I, Esslinggasse 15. FInsches Julius, Uhrmacher, geb. 18. Juli 1881 in Wien, XIII, Blindengasse la. Kohn Hugo Josef, Beamter, geb. 31. Mai 1875 in Wien, III, Marxergasse 18. Spitzer Ida, geb. 28. September 1875 in Blansko, VI, Kaunitzgasse 2. Szegal Rosa Eveline, geb. 12. Jänner 1889 in Paris, IV, Mayerhofergasse 18. Ernst Emma, Beamtin, geb. 29 September 1892 in Wien, V, Schönbrunnerstraße 110. Stein Karailla, geb. 26. März 1866 in Schatzlar, XIII, Wattmanngasse 7. Harmelin Marie, Hilfarbeitcrin, geb. 5. Juni 1894 in Wien, XVI, Sautergasse 33. Puhl Rosalie, geb. 4. Februar 1887 in Wien, Olmütz.