Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 5 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 40 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 40 .Neue ^ational-Zeitungü Nr. 5 dermalen, wo sie an den öffentlichen Schulen nur nur sehr schwer ankommen, noch wenige gebe, zu bemühen, sowie die Lokalfragen zu erledigen ... „Das ist sehr löblich", fiel er mir ins Wort, „und seien Sie überzeugt, daß sich niemand über das Gedeihen des Werkes mehr freuen wird als ich". Und nun entspann sich folgender Dialog zwischen uns: Ich: „Wir warteten nur Ihre Rückkehr ab, um den ersten Versuch zu machen." Er: „Meine Rückkehr? Was hat diese damit zu schaffen?" Ich: „Gar viel. Es fehlen die nötigen Fonds." Er: „Wie, nicht einmal für den ersten Anfang hat die Allianz die erforderlichen Mittel? Und was versprachen andere jüdische Kapitalisten, dem Kulturwerk beizusteuern?" Ich: „Bisher war man an diese noch nicht herangetreten. Man gab sich eben der Erwartung hin, daß Ihr opferwilliges Beispiel, wenn es sich zur Tat verdichtet, weithin anregend wirken werde/' Er: „Ich bin nicht der Narr von Chol Jisroel!" Ich: „Aber Herr v. G., Sie haben doch uns den Betrag von ..." Er (einfallend): „Nur unter der Bedingung in Aussicht gestellt, wenn andere begüterte Glaubensgenossen sich mit verhältnismäßig ähnlichen Beträgen an der Aktion beteiligen werden." Ich: „Das höre ich jetzt zum erstenmal." Er: „Wollen Sie vielleicht besser als ich wissen, was ich wollte und was ich will?" Ich: „Wir dürfen also nicht auf Ihre vielverheißende Mitwirkung rechnen?" Er: „Ich bin nicht der Narr von Chol Jisroel!" — Bitter enttäuscht verließ ich ihn, nicht bloß um eine große, lang gehegte und anregend wirkende Hoffnung, sondern auch um seine Gunst ärmer, mit d'er er mich bis dahin so ostentativ überschüttete. Ich hatte sie unwiederbringlich verloren. Und wenn er sich auch in der Folge mir zeitweilig wieder näherte, so hatte dies seine Gründe. Zu inneren Beziehungen kam es nicht wieder. Man würde ihm aber schweres Unrecht tun, woilte man annehmen, er habe aus Engherzigkeit seine Absicht aufgegeben. Solcher Handlungsweise war er nicht fähig. Er hatte nur die 100.000 Gulden nicht dem galizischen Kulturwerke, dem er ursprünglich so viel Begeisterung entgegenbrachte, zugeführt, sie aber zehn Jahre später einem anderen Zwecke, der ihm vermutlich höher dünkte, gewidmet: der Gründung eines Rabbinerseminars in Wien. (Schluß folgt.) Literatur- Dr. Leo Bardowicz, „Die Abfassungszeit >d!er Baraita der 32 Normen iür die Auslegung der hl. Schrift". (Berlin, 1913, M. Poppelauer.) „Eine Untersuchung" nennt bescheiden der gelehrte Verfasser der vorliegenden Schrift, der als Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Mödling wirkt, die ausgezeichnete Arbeit, id'ie, auf 107 Seiten, eine Fülle von Gelehrsamkeit darbietet. Sfe zerfällt in zwei Teile. Im I. Teile (Seite 1—49) werden die bisherigen Ansichten über die Abfassungszeit dieser „Middot" angeführt, die dem Tannaiten, R. Elieser ben R. Jose ha-OeHli, von den höchsten Autoritäten zugeschrieben wurden. Diese MeintUiigen werden vom Verfaser eingehend geprüft und das Ergebnis ist, die 32 Middot gehörten der g a o n äi s c h e n Zeit, und zwar dem 10. Jahrhundert an. Der II. Teil (Seite 49—101) führt den Nachweis, die Baraita stammen aus der Schule Saadias Alfajumis an. (892 bis 941.) Dies alles wird mit bewunderungswürdigem Scharfsinn und umfassender Kenntnis der Quellen behandelt. Weht Talmudisten, sondern auch jeder, der sich für unsere wissenschaftliche Literatur interessiert, wird diese vortrefflich geschriebene Arbeit mit Freude und Nutzen lesen und manches aus ihr, auch wenn er nicht immer der Ansicht des Verfassers ist, lernen. So sei denn eindringlich auf sie hingewiesen. dr. M. O. * Chad Gadia, das Pessach-Buch. In einigen Tagen erscheint im Jüdischen Verlage, Berlin, das von Hugo Herrmann herausgegebene Pessach-Buch. Es enthält Erzählungen, Novellen, Sagen, Legenden und Schilderungen, die sich auf das Fest des Auszugs aus Mizrajim und des Frühlings beziehen, oder die Festgebräuche in verschiedenen Zeiten und verschiedenen Ländern darstellen. Unter den Autoren der Beiträge sind Heine, Levinsky, Agnon, Mendele Mocher Sforim, Ben Zion, Peretz, Bialik, Buber, Kompert. Wengeroff; der größere Teil der Beiträge ist für dieses Buch neu aus dem Hebräischen übersetzt worden. Das Buch wir mit sehr vielen Illustrationen geschmückt, die alten Drucken der Pessach-Hagadah entnommen sind. Es ist ein Jugend- und Hausbuch im besten Sinne des Wortes und bietet eine Fülle des Anregenden für die Jugend und für die Erwachsenen. * Sensationelles m der jüdischen Geschichtswissenschaft. In einer der nächsten Ni mmein unseres Blattes gelangt eine sensationelle Studie „Der jüdische Geschichtsschreiber .1 o s e p h u s und Jesus C h r is t u s" von M. Fr. zur Veröffentlichung. Der gelehrte Verfasser beschäftigt sich mit einer unter diesem Titel von Adolf Harnack in der ungemein verbreiteten „Internationalen Monatsschrift'' veröffentlichten Abhandlung, worin Prof. Harnack unter Berufung auf eine längst als gefälscht anerkannte Stelle im Josephus die Verurteilung Jesus durch die Juden nachzuweisen versucht —-. und hängt die Abhandlung mit glänzenden wissenschaftlichen Argumenten recht tief. Liste der Ausgetretenen. Vom 24. Februar bis 10. März 1914. (Nr. 59—70.) Neumann Georg, Ingenieur, geb. 1. Oktober 1883 in Wien, II, Kronprinz Rudolfstraße 23. Rosenzweig Esther, Hilfsarbeiterin, geb. 15. April 1885 in Czecz (Ungarn). Russo geb. Politzer Sidonie, Beamtin, geb. 16. Juni 1885 in Kagran, IV. Wiedncr Gürtel 42. Schneider Gisela, Näherin, geb. 5. Oktober 1882 in Wien, II, Stuwerstraße 31. Tarnay Julius Eugen, Handlungsgehilfe, I, Zelinkagasse 13. Tasch Aranka geb. Ungar, geb. 2. September 1882 in Selmeczbanya, XX, Brünnerstraße 44. Benisch Max, Schüler, geb. 20. Februar 1900 in Wien, XVII, Hernalser Hauptstraße 172. Krall Hoiiora, Hausbesitzerin, geb. 20. September 1861 in Wien, I, Börsegasse 9. Haber Josef, Zimmerputzer, geb. 13. IVUirz 1878 in Wien, II, Ausstellungsstraße 37. Schapringer de Csepeg Jennie Elise, geb. 21. September 1889 in Wien, XIX, Gebhardtgasse 5. Kunitz-Albertynski Ignaz Zilkow, Journalist, geb. 25. Juli 1871 in Eischischky, III, Stanislausgasse 4. Ferenczi Katharina, geb. 12. Dezember 1880 in Budapest, IX, Eisengassc 13.