Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 4 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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öeite 32 ______________ ....... „Neue National-Zeitung"_________ ________________.....__________________Nr. 4 erst, wo die Wiener Allianz durch ihren in Oalizien Wochen und Monate lang arbeitenden Delegierten in unmittelbare Berührung mit der jüdischen Bevölkerung dieses Landes kam und mit Entsetzen die hier herrschende physische und geistige Verkümmerung wahrnahm, da fing man sich an zu fragen: wozu in die Ferne schweifen, wo das Schlechte so nahe liegt?--Und als die Massenemigration sich allmählich zurückztistauen und die durch die russischen Judenverfolgungen hervorgerufene Aufregung sich einigermaßen zu beruhigen anfing, ging man auch schon an ein eifriges Studium der galizischen Landesverhältnisse und beschloß bald darauf, durch Hebung des tiefen Kulturniveaus der dortigen Glaubensgenossen, das, wie man glaubte, in erster Linie die beklagenswerten Zustände verschuldet, ihre materielle, soziale und politische Lage zu verbessern. Die Losung war: Volksschulen errichten in den arg zurückgebliebenen, von Juden überfüllten galizischen Ortschaften, wo das Chederwesen üppig wucherte! Wer sich nun am meisten für diese Idee entflammte, war W. v. Qutmann, der, obgleich draußenstehend, dennoch über alle einschlägigen Beratungen und Beschlüsse der Allianz wohl unterrichtet war., da er stets Fühlung mit derselben zu unterhalten bemüht war. Ich war damals, so oft ich von einer galizischen Studienreise zurückkehrte, ein viel geplagter Mann. Wollte ich ein wenig frei aufatmen, W. v. Gutmann gestattete es nicht. Entweder kam er in mein Bureau, oder er ließ mich zu sich bitten und preßte meinen galizienreisenden Menschen bis auf den letzten Tropfen aus. Es dauerte nicht lange, da äußerte er den Wunsch, sich als Outsider an der von der Allianz geplanten Aktion der galizischen Schulgründungen beteiligen zu wollen; es müßte jedoch ihr Umfang genau umgrenzt und die Kosten präzise berechnet werden, und da sei es angezeigt, einen verläßlichen, bei Zahlen aufgewachsenen Geschäftsmann den Beratungen zuzuziehen. Die Wahl fiel auf den sehr fähigen und äußerst rührigen Schriftführer der Allianz, Herrn Bernhard Singer. Und so arbeiteten wir selbdritt wochenlang an der Festlegung eines Planes, und als dieser endlich bis in die kleinsten Details ausgeführt vorlag, lud er mich eines Tages zu einem Abendbrot, bei welcher Gelegenheit er mir zu meiner freudigen Genugtuung die Mitteilung machte, daß er bereit sei, für die von der Allianz in Aussicht genommenen galizischen Schulgrtmdungen einen Betrag von 100.000 Gulden zu widmen. Er wünsche daher zu einer Vorstandssitzung der Allianz geladen zu werden, um derselben diese seine Absicht bekannt zu geben. Selbstverständlich wurde die Sitzung unverzüglich einberufen, und sie gestaltete sich zu einer wahrhaft festlichen. Kein Wunder. Die Allianz, die zagend daran dachte, bei ganz unzulänglichen materiellen Mitteln sich an ein so großes Werk wagen zu wollen, wurde jetzt miteins aus jedem bänglichen Schwanken gerissen und zu frischer Tätigkeit angespornt. In freudig gehobener Stimmung verließ man die Sitzung, die nur einer nicht teilte: und das war der Freudenspender selbst. Herr W. v. Gutmann hatte nämlich damals keine frohen Tage. Er war Jude durch und durch, ein „Bar Jisroel", wie er sich gern nannte. Er wollte aber auch als solcher angesehen und anerkannt sein. Dieser Ruf sollte im Augenblicke eine Trübung erleiden. Seine Tochter aus erster Ehe war nämlich daran, sich in Paris mit einem Grafen, dessen Adel man von Maria Stuart herleitete, zu verehelichen. Und das verletzte und beunruhigte sein jüdisches Empfinden und brachte es aus dem Gleichgewichte, das er vergeblich wieder herzustellen sich anstrengte. (Schluß folgt.) Liste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 23. Februar 1914. (Nr. 33—58.) Blum Flora, Private, geb. 9. Jänner 1890, XIII, La Rochegasse 16. Czaczka Flschel, Kontorist, geb. 4. Jänner 1888 in Starckonstantinow, XVI, Lerchenfeldergürtel 23. Gefäll Anton, Privatbeamter, geb 2. Juli 18P3 in Wien, XIII, Hietzinger Hauptstraße 123. Qeiäll Hermine, Private, geb. 28. Oktober 1876 in Wien, XIII, Hietzinger Hauptstraße 123. Holzer Israel, geb. 1861 in Oczkow, X, Laxenburgerstraße 7. Kaiser Eugenie, geb. 7. April 1879 in Wien, II, Czerninplatz 1. Klein Irene, Kontoristin geb. 27. Februar 1890 in Wien, II, Rothensterngasse 31. Mias Isak, Schlossergchilfe, geb. 13. August 1889 in Trawnik, XX, Pasettistraße 24. Herzberg Jacques, Privatbeamter, geb. 18. Juni 1882 in Wien, III, Lorbeergasse 10. Hirschl Paula, Kleiderhändlerin, geb. 21. Mai 1891 in Sulz Stanzuky, Mödling, VI, Esterhazygasse 29. Opperer Hilda, geb. 17. Dezember 1891 in Wien. Popper Ignaz, Magazineur, geb. 1. Juli 1888 in Wien, VIII, Josefstädterstraße 64. Prochnlk Sidonie, Barikbcamtin, geb. 9. Januar 1887 in Wien. Silberstein Angela, geb. Schäfer, geb. 6. März 1877 in Neutitschein, XVII, Weidmanngasse 26. Tauber Emil. Handlungsgehilfe, geb. 4. August 1882 in Brünn, VIII, Lerclienfelderstraße 48. Bobkoii David, Kaufmann, geb. 11. Oktober 1891 in Ekatheriendar, 11, Hotel de l'Kurope. Weisz Felix, Beamter, geb. 1. August 1889 in Wien, III, Hetzgasse 34. Stern Heinrich, Disponent, geb. 29. April 1878 in Koritschow, XX, Leystraße 134. Stromek Josef, Reisender, geb. 24. Juni 1888 in Wien, V, Hofgasse 5. Haas Valerie, geb. 2. März 1879 in Wien, XII, Tivoligasse 70. Mandel Charlotte, geb. 11. Februar 1891 in Wien, I, Schottengasse 10. Sigal Ida, geb. 23. Juni 1899 in Wien, XII, Fabriksgasse 12. Fischer Paul, geb. 22. Februar 1891 in Wien, IX, Berggasse 30. Schwarzinger Franziska, geb. 12. Februar 1878 in Wien, XII. Meidlinger Hauptstraße 32. Treu Otty, Keb. 29. Jänner 1876 in Wien, Linz a. D. Katz Aibert, Ingenieur, geb. 12. Mai 1873 in Wien, Prag. Notizen. Sehr wichtige Mitteilung: Zu der ganzen heutigen Auflage ist wiederum ein vorteilhafter Prospekt des Geldinstitutes „Glücksrad" in Brünn, beigelegt, welchen wir allen zur sorgfältigsten Durchsicht anempfehlen. Sollte jemand zufällig unsere Beilage nicht erhalten haben, der schreibe um dieselbe an die Adresse: „G 1 ii c k s r a d", Brünn, Rudolfsgasse Nr. 12, wohin auch sämtliche Bestellungen, Anfragen usw. zu richten sind. Jeder ist seines Glückes Schmied!