Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 3 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 24 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 24 »Neue_Na^i^al-Zejtungu Nr. 3 man so viel von der Philosophie des Unbewußten und nicht von jener des Bewußten spreche. - - Und was sei das Bewu ß t e, das Bewußte par excellence, wenn nicht das Geld? Das Oeld, das das Selbstbewußtsein wecke, zielbewußt und siegesbewußt mache? Warum also schreibe man nicht Bücher über die Philosophie des Oeides? Der vortragende Professor konnte sich vor Erstaunen kaum fassen über die divinatorische Begabung des Laien, der ahnungslos und unbewußt an ein Problem gerührt, das in jüngster Zeit die feinsten philosophischen Köpfe beschäftigte. — „Wissen Sie", sagte er, „daß Sie da eine große Itlee ausgesprochen? Es hat tatsächlich erst kürzlich ein hervorragender Professor der Philosophie ein Buch „über die Philosophie des Oeldes" verfaßt. Noch besitze ich es nicht, denn es ist eben erst im Buchhandel erschienen, doch hoffe ich, es ihnen in den nächsten Tagen bringen zu können." Hohenstamms Ruf als feiner philosophischer Kopt war begründet. Die Schriftsteller fingen an, ihm ihre Werke zu widmen und die wissenschaftlichen Vereine, ihn zu ihrem Mitgliede zu machen. Und als er eines Tages über Anregung seines Lehrers der Astronomie auf seinem in der Nähe der Stadt gelegenen Besitz eine Sternwarte aufbauen ließ, ernannte ihn die astronomische Gesellschaft zu ihrem Ehrenpräsidenten. Da erschien eines Tages, als er gerade im Begriff war, mit seiner Gattin zur Oper zu fahren, ein « akai des Nabobs bei ihm mi teine mSchreiben seines Herrn. Herr von Hohenstamm schmunzelte, überzeugt, daß Nabob nunmehr Annäherung suche und sich mit ihm wieder auf freundschaftlichen Fuß stellen wolle. Er öffnete den Brief und las: „Ich fordere den ungetreuen Diener auf, ungesäumt alle Ehrenstellen niederzulegen, sonst . . Weiter vermochte er nicht zu lesen. Das Papier entfiel seiner Hand und lautlos sank er zu Boden. Zu Tod erschreckt, allarmierte Frau von Hohenstamm das ganze Palais. Man brachte den Ohnmächtigen zu Bett und der herbeigeeilte Hausarzt konstatierte einen leichten Schlaganfall, der die Folge geistiger Ueberanstrengung sei. Der Kranke werde bald zu sich kommen und in wenigen Tagen wieder hergestellt sein; dann aber werde er für längere Zeit völlig ausspannen müssen. Herr von Hohenstamm erwachte tatsächlich bald aus seiner Ohnmacht, aber von dem Schlage erholte er sich nicht wieder. Er siechte noch einige Wochen auf dem Krankenlager hin und schloß dann die Augen für immer. Am andern Morgen flatterten von verschiederen öffentlichen Häusern Trauerfahnen auf. Die Tagesjournale beklagten in ellenlangen Spalten den Hingang des ausgezeichneten Mannes, der auf allen Gebieten des materiellen und geistigen Lebens segensreich gewirkt hatte und die Tagespoeten dichteten im Schweiße ihres Angesichtes Nekrologe, die das biblische Wort variierten: „Ein Fürst, ein Großer ist in Israel gefallen". Literatur. Line Geschichte der Juden von Kolomea. Daß die Geschichte einer Judcngemeinde über Anregung eines kaiserlichen Prinzen erscheint, gehört wohl zu den Krönten Seltenheiten. Wenn die von einer Zeitungskorrespondenz verbreitete Nachricht richtig ist, dürfte die Stadt Kolomea eine solche Seltenheit darstellen. Es wird uns berichtet: Der Rabbiner von Kolomea hatte noch während der dortigen einjährigen Dienstzeit des zukünftigen Thronfolgers, Erzherzog Karl Franz Josef Gelegenheit gehabt, mit dem Erzherzog und dessen Gemahlin, der Erzherzogin Zita, zusammenzukommen, wobei der Erzherzog gerne und lang mit dem Rabbiner über verschiedene, hauptsächlich aber jüdische geschichtliche Ereignisse in der leutseligsten Weise konversierte. Bei einem solchen Anlasse gab Erzherzog Karl Franz Josef dem Rabinner die Anregung, die sehr interessante Geschichte der Kolomeaer .luden in einem Buche niederzulegen. Diesem Rate kam auch der Gelehrte nach und es gelang ihm, das Werk fertigzustellen. Das Buch ist soeben erschienen; es führt den Titel: „Geschichte der Juden Koloineas" und enthält die vollständige Geschichte dieser Judengemeinde vom Jahre 1271 bis auf die Gegenwart. Dieses Werk ist mit Erlaubnis des Erzherzogs dem „Erzherzogspaare Karl Franz Josef und Zita gewidmet". Das erste Exemplar hievon erhielt der Erzherzog vorgestern in dem Hetzendorfer Schlosse, wofür er dem Rabbiner von Kolomea in einer längeren Depesche sofort und sehr huldvoll dankte. Liste der Ausgetretenen. Vom 21. bis 31. Jänner 1914. (Nr. 17-32.) Bach Hedwig, geb. 29. Jänner 1880 in Nagy-Becskerek, VIII, Pfeilgassc 23. Beck Josef, Schauspieler, geb. I. Februar 1883 in Wien, II, Novaragasse 7. Elkan Sigurd, Schneider, geb. 16. Oktober 1859 in Wien, IX, Seeegasse 13. Keppel Knight Edle von Sau-Siro Anna geb. Weiß, VIII, Schottenfeldgasse 58. Kuh Anna, Studentin, geb. 29. Mai 1889 in Wien, VI, Scheliiuggasse 6. Liblsch Berta geb. Stolper, geb. 2. August 1882 in Wien, Görz. Renner Ernst, Opernsänger, geb. 22. Mai 1886 in Wien, Graz. Sametz Helene, Private, geb. 2. Februar 1884 in Budweis, XVIII, Vinzenzgasse 30. Hlrschenliausen Rudolf, akademischer Maler, geb. 19. März 1882 in Mokrin, II, Praterstraße 76. Bloch Rosa, geb. 28. April 1883 in Wostredek, II, Wehlistraßc Nr. 220. Frankl Theodor, Dr., geb. 19. September 1883, 11, Praterstraße 11. Grünwald Therese, geb. 3. Februar 1889 in Boskowitz, IV, Köstlergasse 6/8. Grosner Richard, Privatier, geb. 8. Oktober 1882 in Wien, XI, Leberstraße 64. Löwenstein Hermine, geb. 27. August 1885 in Wien, VIII, Pfeilgasse 10. Hubert Moriz, Schriftsteller, geb. 10. März 1884, 11, Praterstraße 17. Hammer Jacob, Advokaturskandidat, geb. 1. Oktober 1887 in Kuty, IX, Mosergassc 3. Aus technischen Gründen kann die nächste Nummer unseres Blattes erst am 27. d. M. erscheinen.