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Neue Nationalzeitung · 1914-02-06 · Heft 3 (6.2.1914) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 3 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N5U5 mOttöL-ZBCUNG RBRAUSGgBBR: OfS.R.LNNDlSü: XVI. Jahrgang. Wien, 6. Februar 1914. Nr. 3. Der polnisch-ruthenische Ausgleich — gegen die Juden. Die galizischen Juden sind von Qott und aller Welt verlassen. Was dem Lande und seinen beiden Hauptnationen zum Segen gereichen soll, was als Heil gepriesen und als Vorbild allen anderen Nationen dieses polyglotten Staates vorgeführt wird — droht den Juden zur K a t a s t r o p h e zu werden. Der polnisch-ruthenische Ausgleich kann als abgeschlossen angesehen werden. Die höchsten Machtfaktoren des Staates haben sich für ihn eingesetzt; wie durch eine Zauberformel wurden die revoltierenden Bischöfe in einen Winkel gewiesen; die Ruthenen werden durch die Anzahl und die Bedeutung der ihnen zugewiesenen Landtagsmandate zu einem mächtigen Faktor im Lande und im Landtage, wodurch ihnen ermöglicht wird, auch ihre sonstigen Ansprüche mit um so größerem Nachdrucke zu vertreten. Nur die Juden gehen leer aus. Von den vielen Gaben, die verteilt wurden, erhalten sie nichts. Und je reicher die Nachbarn, um so krasser tritt ihre eigene Armut und Nacktheit zutage. Neben der wirtschaftlichen Not, in der sich seit jeher die jüdischen Volksmassen ohne Aussicht auf Besserung befinden, tritt gegenwärtig ihre politische Pariasstellung noch krasser hervor. Ihre geringe politische Habe wird noch dürftiger. Selbst so schwache Bundesgenossen, wie es bisher die Ruthenen waren, rücken von ihnen ab. In der Politik gibt es keine Dankbarkeit. Die Juden bleiben sich selbst überlassen. Der Ausgleich kann für die galizische Judenschaft aus mehrfachen Gründen verhängnisvoll werden. Dadurch, daß die Juden keine Erweiterung ihres minimalen politischen Besitzstandes erhalten, werden sie in den Augen der Bevölkerung zu rechttlosen Subjekten degradiert, anderseits aber ist die Fülle der Rechte, die den anderen Nationen durch den Vergleich zuwächst, geeignet, die Juden zu erdrücken. Die Juden bilden in Galizien mindestens 11 Prozent der Bevölkerung, trotzdem haben sie derzeit kaum 4 Vertreter im Landtag. In zahlreichen Städten mit jüdischen Majoritäten (Kolomea, StaniskuwPrzemyshTarnopol etc.) mußten die Juden bisher trotzdem auf Geheiß des Bezirkshauptmannes christliche Vertreter wählen. In den zwei größten Städten, Krakau und Lemberg, waren sie infolge des Listenskrutiniums bei den letzten Wahlen trotz relativ hoher Anzahl nicht imstande, auch nur ein Mandat zu erobern. Allein da dies eine Folge der Schlachzizenherrschaft in Galizien war, so gab es noch immer einen Trost, daß bei einer breiteren Basis des Wahlrechtes und Heranziehung der weitesten Volksschichten auch die jüdischen Wähler mehr in den Vordergrund treten werden. Nun da Polen und Rutlienen gleichsam leicht zu verschenken haben, sind sie beide darin einig, das den Juden zugefügte Unrecht beizubehalten. Die Polen bilden ein Konglomerat von Parteien, deren jede nur an ihre eigenen Interessen und Vorteile denkt; die Ruthenen huldigen der Maxime: Selbst essen macht fett. Und so ist vorläufig nicht viel Aussicht vorhanden, daß die Juden von den 220 proponierten Landtagsmandaten künftighin mehr als vier haben werden. Die Kunststückcheu, welcher sich der Wahlreformausschuß und dessen Helfershelfer für obige Enteignung der Juden bedienten, machen ihrer Unehrlichkeit alle Ehre. Die einen wollten in Städten mit jüdischen Majoritäten nur ein Listenskrutinium, das nach wie vor unter dem Kommando des Bezirkspaschas stünde, die anderen wollten ein Proportionalwahlrecht, um den jüdischen Majoritäten wenigstens je ein Mandat wegzunehmen. Nachdem beides erreicht wurde, sollen jetzt den Städten noch Bauerngemeinden angeschlossen werden, um die Juden zu

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