Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 1 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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NQQS TONAL-ZEiOlNG RERISÜSQ5BSR: OfS.R.LNNÖftü "W-ns XVI. Jahrgang. Wien, 9. Jänner 1914. Nr. 1. An unsere Leser! Indem wir auf die am Umschlag veröffentlichte Abonnements-Einladung, in welcher die Tendenzen unseres Blattes dargestellt sind, verweisen, glauben wir anläßlich des Beginnes unseres 16. Jahrganges daran noch einige Bemerkungen knüpfen zu sollen. Wir können unseren Mißmut darüber nicht verhehlen, daß unser Blatt mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und daher nur unter großen materiellen Opfern seines Herausgebers erscheinen kann. Es ist nicht nur die Apathie weiterer Kreise, die allen jüdischen Angelegenheiten aus dem Wege gehen, einerseits, und der zionistische Partei-Zelotismus, der alle Vorgänge und Strömungen innerhalb des lebenden und pulsierenden Judentums auf einen Leisten zuspitzen möchte, anderseits, die unsere Arbeit erschweren, sondern überdies auch das Strebertum und die Herrschsucht von Parteikliquen, die Hand in Hand mit ihrer korrupten und bestochenen Presse eine selbstsüchtige Mandatspolitik betreiben und sich innerhalb der jüdischen Gemeinden breitmachen. Gegen diese drei inneren Feinde des Judentums müssen wir ankämpfen, wenn wir unserem Programme treu bleiben wollen, nämlich das Judentum geistig zu heben und die jüdische Bevölkerung politisch und sozial zu erziehen. Die Erfolge, die wir durch unsere langjährige Tätigkeit erzielt haben, sind — wir müssen es leider zugeben — sehr minimal, und es gibt Momente, wo wir hart daran sind, unser publizistisches Unternehmen einzustellen. Allein der Gedanke, daß doch eine ziemlich fspektable Schar von langjährigen Abonnenten, denen wir Freunde und Anhänger unserer Richtung sehen, hinter uns steht, der Gedanke, daß wir durch unser Verschwinden das öffentliche jüdische Leben jenen journalistischen Prostituierten preisgeben, die alle öffentlichen Ereignisse . nur vom Standpunkte ihrer persönlichen Vorteile beurteilen, bei denen das Reden Silber, aber das Schweigen Gold ist, und das Bewußtsein, daß wir so oft in die Lage gekommen sind und noch kommen könnten, mit unserer Feder gegen das Unrecht, gegen die Korruption, gegen die Kliquenwirtschaft und den Nepotismus, die sogar die Predigt-Känzel und die jüdische Wissenschaft mit ihren Klauen umfangen haben, ein freies Wort zu sprechen, den Verfolgten und Zurückgesetzten eine Stütze und Wehr zu bieten — dieses Bewußsein stärkt wieder unsere Zuversicht und macht es uns zur Pflicht, auf der bisherigen Bahn trotz alledem zu verharren und den Kampf weiter zu führen im Interesse des jüdischen Volkes und seiner Ideale. Wir werden daher nach wie vor über die wichtigsten Vorgänge innerhalb . der Judenschaft der ganzen Welt in der Form von Artikeln oder Korrespondenzen oder auch kleinerer Nachrichten unseren Lesern berichten. Auf Grund unseres Zeitungsaustausclies mit den jüdischen Zeitungen der ganzen Welt von Kanada bis Australien und von Südamerika bis Rußland sind wir über die Vorgänge der beiden Hemisphären auf das genaueste informiert und können darüber unsere Leser informieren wie kein anderes jüdisches Blatt. Aber auch über rein lokale Vorgänge sind wir, so sorgfältig dieselben auch in den vier Wänden der betreffenden Korporationen behütet sein mögen, durch unsere weit reichenden Verbindungen und die uns aus den weitesten Schichten zukommenden Mitteilungen stets sehr wohl unterrichtet. Wir werden nichts verschweigen und nichts unterdrücken!