Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 26 (26.12.1913)
- Date
- 1913-12-26
- Page
- Seite 208 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben emporblühte, ist sicherlich vorüber. Und „der Bund der Väter", er besteht noch fort. Dürfen wir ihn lockern? Was ist ein Judentum, das mit leeren Redensarten arbeitet, von den Fremden Schlagworte entlehnte, bald im hohlen Ohauvini'sm'us sich 'bläht, bald wieder zu einem salbadernden Wohltäti&keitsgefasel ausartet, und vom „Bunde der Väter" nichts wissen will? Die große Vergangenheit nicht sehen will, 'die in unserem Volke mehr als bei allen anderen Völkern die feste, unverrückbare Grundlage der Gegenwart bildet? „Gedenkt der Taten unserer Väter", sagt Matthatias weiter, und, wahrlich damit hat er das Wort ausgesprochen, das uns die Zukunft sichert. Um das Judentum zu schätzen, müssen wir es kennen, in den Geist unserer heiligen Bücher einzudringen versuchen! Dieser Geist beseele uns bei unseren Taten und wir werden „großen Ruhm und ewigen Namen" erlangen. Das Judentum beruht auf der Kenntnis unserer Vergangenheit und der Schätze seiner Literatur. Diese Kenntnis schwindet immer mehr, und wie einstens die Frage, freilich in anderem Sinne, aufgeworfen wurde: „Was bedeutet Chanuka?", so mögen gar manche, die so gerne den Ehrennamen der Makkabäer für sich in Anspruch nehmen, ratlos, voll von Zweifein, nach dem fragen, was sie n i e gelernt haben, sich aber auch nicht zu lernen bemühen. Schon Matthatias weist auf die großen Männer unserer Geschichte hin. Groß ist das Judentum und erhaben und ewig. Was nützt aber der köstlichste Schatz, wenn man ihn nicht kennt, von ihm nichts weiß, sich demnach auch seiner nicht zu bedienen vermag? Die Kinder unserer Zeit erfüllt die Angst vor den Menschen und doch sagt Matthatias: „Und vor den Reden eines sündhaften Mannes fürchtet euch nicht, denn seine Herrlichkeit wird zu Moder und zu 'Würmern. Heute erhebt er sich, und morgen wird er nicht gefunden, denn er wird verwandelt in den Staub, von dem er ist. und seine Anschläge gehen unter." Wir wissen wohl, auf wen der greise Priester angespielt. Es ist der gewaltige Antiochus von, dem das Buch Daniel im IL Kapitel, Vers 45, in erschütternden Worten vermeldet: „Er kommt zu seinem Ende und niemand wird ihm helfen." Wir Juden haben schon das Ende gar manches Gewalttätigen erlebt, der weniger war als der Syrer. Darum scheuchen wir die Furcht aus unseren Herzen und blicken wir mutig in die Zukunft. „Mut und Freiheit hat geraubt Mir dereinst Aegyptens Haft," singt der alte Pijutdichter. „Doch der Herr mit starker Macht Hat des heü'gen Schwurs gedacht, Der Tyrann mit Roß und Mann, Sank hinab iin Graus und Nacht." Was uns fehlt, das 'ist die starke Zuversicht, die ja doch nur der Idealismus der Religion gewährt. So bildet die schönste, die herrlichste Frucht, die unsere Nation hervorgebracht, in ihr liegt unsere wahrhaftige nationale Kraft und Stärke. DajÄ^ea kommt man nicht heraus, um mit den Wortw^H Dichters von „Judith und Holofernes" zu sp&Ääi Und so gedenke ich denn mit stiller ^J|i|| des bescheidenen Lichtlekis, das am Chanuka^n^l in meinem Elternhause aufflammte. Mögen sie jetzt glänzender die Makkaibäerfeier begehen, an das Lichtlein der Vergangenheit reicht das strahlende licht der Gegenwart nicht heran. Was nützen die schönsten Reden', was der stete Hinweis auf das, was uns nottut, wenn das Judentum aus den Herzen immer mehr entschwindet? „Ihr Kinder seid stark und fest im Gesetz, damit ihr in ihm Ruhm erlanget." Noch immer und heute mehr denn je gilt dieses Wort des Matthatias. „Seid stark", ein modernes Wort, das ein Denker der Gegenwart geprägt haben könnte. Ernst ist unsere Zeit und bedarf eines starken Geschlechtes. 'Man stärkt es aber nicht, wenn man ihm die stärkste aller Grundlagen entzieht. „Dränger scharten sich zu Häuf" gegen uns. Doch Hainaus Tücke und' Jawans Schliche, sie zerschellten an unserem Heiligtum. Wollen wir dies Heiligtum zerstören? Und, was geben wir unserem Geschlechte an Stelle des alten Heiligtums? Haltlos sehen wir es irren, wie die Herde, die den Hirten verlor. Darum gelte auch für uns noch das Wort des alten Sängers: „Aber mit des Oeles Rest Du Dein Haus erhellen läßt, Und zum Ruhm dem Heiligtum, Ewig währt <das Weihefest." Liste der Ausgetretenen. Vom 10. bis 17. Dezember 1913. (Nr. 463—467.) Kohn Karl, geb. 20. September 1887 in Wien, VI, Brückengasse 16. Käs Malonie, Schneiidergehilfe, geb. 23. Februar 1878 in Wien, VIII, Blindengasse 38. Krott Julius, Schauspieler, geb. 16. Februar 1892 in Wien, IV, Margaretenstraße 7. Löbl Katharina, Private, geb. 31. März 1887 in Malitzka, IX, Rothe Löwengasse 2. Weiß Margarethe, Gesangschülerin, geb. 3. Juiili 1890 in Neupest, IX, Währingerstraße 24. Notizen. 42. k. k. Staatslotterie für Zivilwohltätigkeitszwecke der im Reichsrate vertretenen Köngreiiche und Länder. Diese Geldlotterie enthält 21.146 Gewinste in barem Gelde jrn Gesamtbetrage von 265.000 K. Der Haupttreffer beträgt 200.000 K. Die Ziehung erfolgt öffentlich in Wien am 22. Jänner 1914. Ein Los kostet 4 K. Lose slind bei der Abteilung für Wohltätigkeitslotterien in Wien, III, Vordere Zollamtsstraße Nr. 5, in Lottokollekturen, Tabaktrafiken, bei Steuer-, Post-, Telegraphen- und Eisenbahnämtern, in Wechselstuben usw. zu bekommen. ^■■■■»^■■■■■■■■■■■■MBBHHBBH^ Mit Rücksicht auf die bekannten Lohnstreitigkeiten im . Budidruckergewerbe ist es möglich, daß die nächste Nummer BjibnLs verspätet erscheinen wird. JpUL^vVir bitten daher um Nachsicht. Die Redaktion.