Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 25 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- Seite 200 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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öeite 200 „Neue National-Zeitung" Nr. 25 etwas wissen, nur vom Judentum nicht. Das ist unser großes Uebel. Es hat eine Zeit gegeben, da waren die Juden schlicht und einfach, und alle wirtschaftlichen Depressionen der Welt hätten ihnen nichts anhaben können. Und jetzt? Muß der Herr Sohn ein Reitpferd oder noch was anderes zu seinem Vergnügen haben. Der Vater wird's schon bezahlen. Mit den steigenden Bedürfnissen steigt auch die Frechheit und Anmaßung. Da kann es kaum besser werden." Der Sohn: „Lieber Onkel, als laudator temporis acti gefällst du mir schon gar nicht. Ein solcher Nekrolog auf verstorbene Zeiten ist ja doch nur eine Nekrolüge. (Er lacht unbändig über seinen „Witz".) Der Vater: „Deine lateinischen Ausdrücke, mein Sohn, verstehe ich nicht. Aber die Nekrolüge gefällt mir, den Witz merke ich mir. Stammt er aus deinem Kopfe oder aus dem eines Witzblattes?" D e r S o h n (in überlegenem Tone): „Das kann dir gleichgiltig sein, Vater. Was mir nicht gefällt, das ist das Lob vergangener Zeiten. Waren auch nicht besser als die unsrigen, trotzdem Schiller und mein lieber Onkel das Gegenteil behaupten. Die gesteigerten Bedürfnisse und der Fortschritt auf allen Gebieten gehen Hand in Hand. Hat man vor 100 Jahren über das Mittelmeer fliegen können oder den Panama-Kanal durchstochen? Ich freue mich meines Jahrhunderts und bin stolz darauf." Der Onkel: „Auch auf den Beilis-Prozeß? Die Menschen können heute fliegen, besser sind sie nicht geworden. Bessere Mordwerkzeuge haben sie, das wird niemand leugnen, stecken aber noch bis zum Halse im Mittelalter, wenn man ihre Vorurteile betrachtet." Die Mutter: „Man muß sagen, ihr habt euch aber ziemlich weit von unserem Ausgangspunkte, der wirtschaftlichen Depression, entfernt." Der Vater: Ist auch meine Meinung. Aufheben können wir sie nicht, einschränken w o I- 1 e n wir uns nicht, da ist doch die Frage, wohin sie führen wird." Der Sohn: „Sich einschränken, das heißt in der kulturellen Bewegung zurückbleiben. Andere Zeiten, andere Sitten, andere Anforderungen." Der Onkel: Schön gesagt, wenn uns aber die Anforderungen über den Kopf wachsen, wie ihnen genügen? Ihr Jungen seid gar zu schnell mit dem Wort____" Der Sohn (einfallend): „Das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide." Die Tochter (naseweis): „Jetzt habt ihr beide zitiert." Der Onkel: „Wen, wenn ich fragen darf?" Die Tochter (überlegen): „Lessing." Der Sohn (belehrend): „Du meinst, der muß als vierter in den Bund der Klassiker eintreten. Da irrst du, Pensionatsfräulein, es ist Schiller, der also von der Jugend spricht." Der Vater: „Recht hat er, ob er nun Schiller oder Lessing heißt." D i e M u 11 e r: „Die neue Toilette muß ich doch haben, trotz eurer Klassiker und der ganzen Depression. Ich wahre das Prestige." Der Sohn: „Vater, was hältst du von einem Automobil?" Die Tochter: „Wann bekomme ich mein neues Kostüm? Dann bitte ich dich, Papa, dich wegen der Loge im Burgtheater zu sorgen, der Harry Waiden tritt schon wieder in einer neuen Rolle auf." Der Onkel: „Unberufen bezieht der Mann eine Gage." Der Sohn: „Er ist aber auch ein Künstler." Der Onkel: „Früher ging die Kunst nach Brot." Der Sohn: „Das ist endlich aus Lessing." Der Onkel: „Lessing hin, Schiller her, jetzt geht sie nach Austern und Pommery." Die Mutter: „Muß also doch nicht so weit her sein mit der Depression. Nicht wahr, Papachen?" Der Onkel: „Ihr möget ruhig sein. Die Toiletten, Kostüme, Automobils und Logen sind gesichert. — Die wirtschaftliche Depression besteht und das Prestige muß gewahrt werden. Es wird weiter gewurstelt. Von wem ist doch dieses Zitat? Das weißt du auch nicht, mein Sohn. Ich wills dir sagen: Taaffe hieß er und war österreichischer Ministerpräsident. — Oute Nacht." _Dr. Moses Alironsohn. Liste der Ausgetretenen. Vom 25. November bis 9. Dezember 1913. (Nr. 435—462.) Agai Saiom, Kaufmann, geb. 9. Mai! 1862 in Preßburg, VII, Burggasse 46 Bader Rosa, Kontoristin, geb. 28. März 1891 in Wien, XVII, Haslingerstraße 14. Bauml Ida geb. Braun, geb. 26. August 1875 in Wien, N.-Oe. Pasing, München. Bernstein Lucie, Artistin, geb. 24. April 1895 in Wien, II, Schrottgießergasse 3. Ellbogen Lilli Agathe, Private, geb. 30. Oktober 1891 in Wien, III, Neulinggasse 28. Goidschneider Emma, geb. 1. März 1876 in Wien, V, Margaretenstraße 136. Grünberger Viktor Dr., Arzt, geb. S. März 1878 in Wien, VIII, Albertgasse 47. JokI Ernst, Privatbeamter, geb. 19. April 1981 in Wien, XIV, Mariahjlferstraße 187. Lindauer Richard Jakob, Hochschüler, geb. 31. Oktober 1892 in Wien, IV, Große Neugasse 4. Lipinann Grete geb. Schweinsburg, Kauimannsgattin, geb. 8. September 1886 in Wien, Lemberg. Lipmann Konrad, Kaufmann, geb. 28. Juli 1872 ,in Wien, Lemberg. Maretzek Ella, Privatbeamtin, geb. 19. März 1891 in Semlin, II, Pillersdorfgasse 2. Mühlhofer Alexander, Privatbeamter, geb. 26. September 1887 in Arad, XV, Sperrgasse 12. Neusnann Erich, geb. 9. Jänner 1889 in Raab, V, Margaretenstraße 136. Schönmann Dagobert, Ingenieur, geb. 4. April 1878 in Budapest, XX, Karl-Meiselstraße 5. Skarda Marie Anna verwtw. Kreilsheim, geb. 5. Dezember 1876 in Wien, II Cirkusgasse 33. Schwarz Armin, Taschner, geb. 27. Juli 1893 in Temesvar, VI, Stumpergasse 34. Steiner Frida, geb. 29. Februar 1888 in Wien, II, Cirkusgasse 5. Redlich Alexander, Ingenieur, geb. 17. Juli 1870 in Göding, II, Kaiser-Josefstraße 4. Fried Josefine, geb. 7. Februar 1891 in Trencsen-Teplitz, XVI, Hippgasse 34. Pollak Michel, Kaufmann, geb. 27. Dezember 1882 in Wigstadl, I, Wipplingerstraße 24. Heller Adolf, Angestellter, geb. 17. März 1893 in Karolinenthal, III, Rennweg 17. Grünwald Erna, geb. 14. Februar 1891 in Wien, VI, Gumpendorferstraße 81. Zelenka Philipp, Agent, geb. 25. März 1843 in Unterkralowitz, XVII, Gschwandtnergasse 8. Brauer Käthe, geb. 22. April 1.894 in Wien, III, Untere Weißgärberlände 49. Frankfurt Rosa, laut Zuschrift des österr.-ungar. Konsulates in Paris. , Klein Emil, laut Zuschrift der Bezirkshauptmannschaft in Aussig. Rücktritt zum Judentum. Herr Dr. Oskar Wittner, Leoben, ist zum Judentum« zurückgetreten.