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Neue Nationalzeitung · 1913-10-31 · Heft 22 (31.10.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 22 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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! XV. Jahrgang, Wien, 31. Oktober 1913. Nr. 22. Die Maßregelung „jüdischer Religionslehrer" in Wien. (Das Martyrium eines Anstaltsdirektors. — Aus dem Paschalik Kuranda.) es die genannte Publizistik die Welt glauben machen will, hat sich die Sache nicht abgespielt. Es ist nicht unsere Art, bloß einen Fall oberflächlich zu registrieren; wir haben den ganzen Fall genau geprüft und können der jüdischen Oeffentlichkeit nunmehr etwas mehr erzählen. Wir sind zur Ueberzeugung gelangt, daß wir, so seltsam es auch klingen mag, in diesem Falle dem Kultusvorstande Recht geben müssen. Wir glauben, daß sich gerade die gemaßregelten Lehrer selbst über die ihnen zuteil gewordene Behandlung nicht beklagen dürfen, da sie mit gleichem Maße gemessen wurden, das sie ihrem — eigenen Direktor gegenüber angewandt haben. Vorerst werde festgestellt daß die gemaßregelten fünf Lehrer keine eigentlichen Lehrer im Dienste des Kultsvorstandes, sondern ihrer Lebensstellung nach Lehrer an der israelitischen Taubstummenanstalt in Wien sind. Diese Stellung hat ihnen niemand genommen. Aber diese Herren waren gleichzeitig in ihren freien Stunden aushilfsweise als Religionslehrer vom Kultusvorstande angestellt und haben für diese Nebenbeschäftigung Stundengelder bezogen. Von dieser Nebenbeschäftigung wurden sie enthoben, und zwar infolge ihres unwürdigen Benehmens, das sie dem seit zwei Jahren an der israelitischen Taubstummenanstalt als Direktor fungierenden Herrn Dr. Friedeberger gegenüber an den Tag gelegt haben. Dr. Friedeberger wurde vor zwei Jahren vom Kuratorium der genannten Anstalt, als dessen Präsident Herr Dr. Artur Kuranda fungiert, aus London bezogen. Die jüdische Presse des In- und Auslandes konnte damals diese Wahl nicht genug loben, da Dr. Friedeberger gewiß der hervorragendste jüdische Fachmann auf diesem Gebiete ist. Seitdem jedoch Dr. Friedeberger den Direktor- Posten bezogen hat, hat er seitens der Lehrer ein Martyrium zu ertragen, welches aller Beschreibung spottet. Physische Qualen sind nichts gegen diese Wir haben erst, jüngst die Verhältnisse im Wie- | ner Rothschild-Spital dargelegt. Die Oeffentlichkeit kam in die Lage, in dieses Schoßkind der israelitischen Kültusverwaltung Einblick zu erhalten und so manche Aerzte, die an diesem Institut wirken, nicht gerade von der menschenfreundlichsten Seite kennen zu lernen. Es stellte sjch^heraais, daß selbst die Herren vom Präsidium des Kültttsvorstandes den Aerztem gegen über ohnmächtig sind. j Mit der Desorganisation und Paschawirtschaft an einer öffentlichen jüdischen Anstalt müssen wir; uns wieder heute beschäftigen. Nur besteht der Unterschied darin, daß der Kultusvorstand offiziell gar; kein Recht hat einzugreifen, da" diese Anstalt seiner Verwaltung nicht unterliegt; es sei denn, daß er von seinem Oberaufsichts-Rechte Gebrauch macht, wo- | zu ihm wieder der Mut fehlt- Einige jüdische Blätter haben jüngst von der plötzlichen Entlassung jüdischer R e- | Iigionsl ehrer durch den Kultusvorstand zu er- | zählen gewußt. Im Zusammenhange damit hat der Vorstand des „Oesterr.-israelit. Religionslehrerbundes" an den Kultusvorstand im Wege einer Resolution die Aufforderung gerichtet, „diese Lehrer sogleich in ihr Amt einzusetzen und eine gründliche Untersuchung in dieser Angelegenheit ehestens einzuleiten". Auch das zionistische Organ hat sich in sehr schneidiger Weise dieser Angelegenheit bemächtigt I und in geharnischter Form die Oeffentlichkeit aufge- I fordert, vom Kultusvorstande Rechenschaft zu ver- [ langen. Das Verfahren des' Kultusvorstandes wird als nicht gesetzmäßig und nicht würdig hingestellt. Mit einem Worte: die genannten Organe wollen der Oeffentlichkeit erzählen, daß der Kultusvorstand fünf jüdische Lehrer ohne jeden Grund plötzlich entlassen hat. Allein, gär so einfach und ganz so ungerecht, wie

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