Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 20 (3.10.1913)
- Date
- 1913-10-03
- Page
- Seite 160 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 160 tJ4eue, National-Zeitiing; Nr. 20 Nun, versteht ihr's? Ich habe ein gutes Geschäft gemacht und die Menschen hören auf, einander wie Vieh für nichts und wieder nichts abzuschlachten. Und dann — wozu noch Waffen und Heere und den ganzen Lärm; und wenn der Krieg, aufhört, ist es aus mit dem Neid und dem Hasse. Was Türke, Engländer, Franzose. Zigeuner und Jude! —Die ganze Welt sieht dann anders aus, wie es im Propheten heißt: „An jenem Tage, wenn der Messias kommt .... Und vielleicht, ha! .... wenn ich 'Rothschild wäre, möglich daß ich das Geld überhaupt abschaffe! Weg mit dem Gelde! Was ist denn eigentlich Geld? Geld ist & bloß eine konventionelle Einrichtung, ein fingiertes Ding, eine Leidenschaft, die größte, von der all besessen sind .... Wenn es aber kein Geld gäbe, so gäbe es auch keine Leidenschaft mehr . . . Begreift ihr es nun oder nicht? Nun? Fragfs sich nur: Wo nähme man dann „auf Schabbes"? (Reb Eü-Meier vertieft sich in Gedanken, reibt sich die Stirn und untersucht alle Taschen.) Ja! Wo nehme ich denn jetzt „auf Schabbes"? (Autorisierte Uebersetzung von M. <B.) Zeitschriften-Rundschau. Araber und Juden. Bekanntlich tagte vor kurzem in Paris der Araber-Kongreß, der sich mit der Lage der Araber!in Syrien und Palästina befaßte. Dieser Kongreß sollte bloß als Demonstration dienen, daß die Araber fest entschlossen sind, die von ihnen geforderten Reformen in Syrien und Palästina auf jede Weise durchzusetzen. In einer Unterredung über die Verhandlungen und Beschlüsse auf dem Kongresse fragte ein Korrespondent der französischen Zeitung „Union", warum man auf dem Kongresse die Interessen der Juden gar nicht berücksichtigt hatte, während anderseits viel von gemeinsamen Interessen der Mohammedaner und Christen gesprochen wurde. „Glauben Sie nicht," fragte der Korrespondent, „daß die Juden das als Zejichen der Feindschaft ansehen werden?" Darauf erwiderte der Präsident des Kongresses S u Ii - raviEffendi: „Es wäre eine Ungerechtigkeit, so zu denken. Wir alle, Mohammedaner und Christen, hegen die besten Sympathien für die Juden. Wehn wir in den Resolutionen von Pflichten und Rechten der Syrier sprechen, so meinen wir auch selbstverständlich die Juden, /die ja unsere Brüder derselben Rasse sind. Vielmehr, wir betrachten alle Juden als Syrier, die leider einst gezwungen waren, das Land zu verlassen, deren Herz aber noch immer im selben Tempo schlägt wie unser. Wir rechnen sogar bestimmt darauf, daß alle unsere jüdischen Brüder uns in unseren Bestrebungen tatkräftigst unterstützen werden, damit unsere gemeinsame Sache gelinge und unser Land wirtschaftlich amd kulturell gedeihe. Und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß alle aufgeklärten Araber jetzt so denken wie ich." * Ob diese schönen Worte wirklich aus dem Herzen ge-. sprochen sind, wird die allernächste Zukunft zeigen. Vorderhand nehmen die Araber in Syrien und Palästina den Juden gegenüber eine sehr feindliche Stellung ein. Nach deni unglücklichen Balkankrieg mußte die Türkei den Arabern weitgehende Konzessionen einräumen und man kann fast von einer arabischen Autonomie in Syrien, Mesopotamien und Palästina sprechen. . .. ^. Daß die Araber den Juden in jeder Hinsicht Schwierigkeiten -machen,-' beweist folgender Fäll: - Vor kurzem wollte Baron Rothschild zum Zwecke einer archäologischen Forschung ein Stück Boden in Palästina kaufen; dfe Regierung mußte aber die bereits erteilte Erlaubnis zurücknehmen, da die Araber gegen das Rothschildsche ProjektProtesterhaben haben. Auch der „iRote Zettel" für jüdische Einwanderer wird noch" immer nicht abgeschafft dank der Gegenägitation der Araber. Einige jungtürkische Minister hätten gerne den Juden Konzessionen eingeräumt; aber sie trauen sich nicht wegen der Araber, deren Einfluß auf die türkische innere Politik seit dem Balkankrieg kolossal wächst. Es ist daher anzunehmen,;daß die schönen Worte des Präsidenten des Araber-Kongresses nur den Zweck verfolgten, die Juden für die arabische Sache zu gewinnen. Das beweist am besten die Nachricht des „Journal de Caire", daß die Führer der syrischenAraber beschlossen hätten, in nächster Zeit einen Kongreß einzuberufen, dessen Hauptzweck wäre, gegen den Zionismus iund seine Tätigkeit in Syrien und Palästina Stellung zu nehmen. Der Korrespondent des genannten Blattes hat mit einer Persönlichkeit, welche die Verhältnisse in Palästina genau kennt, über die Bedeutung dieser Nachricht Rücksprache genommen. Der Herr erklärte: „Es ist jedenfalls etwas zu gewagt, so wie es die Zionisten gerne tun, zu behaupten, daß die Beziehungen der Juden zu den Arabern im großen und ganzen* gute seien. Aber ein geradezu katastrophaler Fehler ist es, daß Zionisten, die in der Partei nicht ohne Einfluß sind, die Araberfrage außeracht lassen. Gerade die in der letzten Zeit erfolgte Annäherung zwischen den Arabern und der türkischen Regierung sollte für alle, die sich für Palästina interessieren, ein Wink sein, daß der Einfluß der Araber in Palästina jetzt iund wahrscheinlich auch für lange Zeit noch ausschlaggebend ist und sein wird. Die .zionistische Parteileitung hat den allergrößten Fehler begangen, als sie die große Bedeutung eines Zusammengehens mit den Arabern verkennend, mit diesen ibezw. mit deren Führern bisher eigentlich keine direkte Fühlung genommen hat. Dies wird sich leider sehr bald iiihlbar machen; vielleicht ist es auch jetzt noch nicht zu spät, daß jüdische Kreise, den Arabern die Uebenzeugung beibringen, daß eine jüdische Kolonisation in Palästina durchaus nicht gegen die gerechten Interessen der Araber gerichtet sei." Als Ort des Araber-Kongresses ist Sichern, Jerusalem, Damaskus oder Beyruth in Aussicht genommen. Notizen. Der Wechsel- und Scheckverkehr in Oesterreich. Ein Lehr- und Nachschlagebuch für Kaufleute und Gewerbetreibende von Dr. jur. Leopold PIaschic e s. Zweite, vollständig umgearbeitete Auflage von Josef Odenthal, der Wechsel als kaufmännischer Unterrichtsgegenstand. Klein 8°, VIII und 173 Seiten. Gebunden Mk. 2,50 (3Kronen). Verlag von Wilhelm Violet in Stuttgart. Dieses Werk, die Arbeit eines tüchtigen Juristen, enthält in außerordentlicher und leichtverständlicher Darstellung die Vorschriften und Vorsichtsmaßregeln, die beim Verkehr mit Wechseln und Schecken zu beobachten sind, wenn der damit Umgehende sich vor Verlusten oder Strafen schützen will. Das Buch wird vielen Kauf leuten, Gewerbetreibenden und Handlungsgehilfen als brauchbares Lehr- und Nachschlagemittel willkommen sein. iilfac