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Neue Nationalzeitung · 1913-10-03 · Heft 20 (3.10.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 20 (3.10.1913)
Date
1913-10-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NK15 NßCim-ZBGUNG XV. Jahrgang. Wien, 3. Oktober 1913. Nr. 20. Rosch-Haschanah-Betrachtungen. Von Prof. Dr. M. Grünfeld. In einem der trefflichsten Bücher, das wir in diesen schönen Stunden der Ferienzeit zu lesen bekamen, das uns Belehrung und Freude zugleich spendete, denn mit tiefer psychologischer Erkenntnis vereinigt es den von allen Grillen des Alltags befreienden, erlösenden Humor, der bewirkt, „daß man trotzdem lacht," wie ihn der Verfasser humoristisch definiert, in O. J. B i e r b a u m s „Yankeedoodlefahrt", fanden wir über den „Zionismus" folgende prächtige Worte: „Zionist sein heißt, einen schrankenlosen Glauben an die Kraft des jüdischen Blutes haben. Schon der Gedanke des Zionismus, die Tatsache der Existenz eines solchen Glaubens beweist, daß dieses Blut von unzerstörlicher Eigenheit ist. Die Römer müssen diese Kraft geahnt haben. Die fürchterliche Grausamkeit, mit der sie bei der Zerstörung des Judenstaates vorgegangen sind, weist darauf hin ..." Mehr als 18 Jahrhunderte sind seit den Tagen verflossen, da der römische Machthaber das Land Judäa an seine Veteranen verteilte, den Juden verbot, den Boden des alten Jerusalem zu betreten, die heilige Stadt selbst dem Erdboden gleich machte, ungeheuerliche Verwüstungen anrichtete, die nur von den späteren der Mongolen und Türken überboten wurden. Und nun, da das Jahr 5673 seinem Ende entgegeneilt, wir Juden daran gehen, ein neues Jahr zu begrüßen, versammeln sich in Oesterreichs Reichshäupt- und Residenzstadt, in dem Wien, das „iDenn so wie der Himmel, der neue, und die Erde, die neue, die Ich schaffe, vor Mir bestehen, ist der Spruch des Herrn, so wird bestehen Eure Nachkommenschaft und Euer Name." Jesaias, 66, 22.—. seinem vergötterten, ehemaligen Bürgermeister Dr. Lueger ein prächtiges Denkmal setzen will, Juden aus allen Weltteilen, von den vier Enden der Erde kommen sie, um über die Zukunft des Judentums zu beraten, ihm das heilige Land der Väter, das Römer und andere Feinde verheerten, wiederzugeben, blühend, prächtig, mit allen Geschenken moderner Kultur gesegnet. „Kann ein Volk wirklich mit einem Male geboren werden?" rufen wir mit dem gewaltigen Propheten aus, dem Helden des Heiles und des Trostes. Die Laute der Sprache der Propheten und Psalmisten hört man wieder, der Sprache, deren Töne Hebbel erschütterte, als er sie bei einem jüdischen Leichenbegängnisse vernahm. Aber die Laute dieser wiederauflebenden Sprache sind diesmal nicht dem Tode, dem Jammer, der Klage geweiht. Sie verkünden Wiedergeburt, Leben. „Wir Juden wollen leben," das ist der Inhalt des Zionismus. Ein neues Jahr begrüßen wir und dieses neue Jahr steht im Zeichen der Renaissance des jüdischen Volkes. Das erfüllt unser Herz und unseren Mund mit Jauchzen. „Großes hat der Herr mit uns getan." Ein neues Jahr wendet unseren Blick zunächst nach rückwärts. Furchtbares Elend gibt es hier zu erschauen. Blutige Schlachtfelder, Tod und Verderben, Mord, Hunger, Pest schleichen, von unsäglichem Jammer begleitet, über weite, weite

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