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Neue Nationalzeitung · 1913-09-19 · Heft 19 (19.9.1913) · p. Seite 152

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 19 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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Sfeite 152 „Neue ■ National-Zeitung" Nr. 19 So einem antiquierten Rabbiner nun überkommt eine Idee und sie erfüllt ihn ganz. Er setzt sich hin und verarbeitet sie in einem Atem, schreibt eine vier Druckbogen starke Abhandlung und vergißt im Eifer sich drängender und stoßender Gedanken, sie in kleine, leicht zu durchfliegende Kapitel einzuteilen; er will sie, wie er sie geschrieben, auch in einem Zuge gelesen wissen. Und in solcher Form bietet er sie zur Lektüre einem heutigen Publikum an, das, wie die sinnlichen, auch die geistigen Genüsse im Fluge erhaschen will, bei dem „die Quantität und nicht die Qualität den Ausschlag gibt, den Mann er; höht". Er ist überhaupt ganz unmodern, dieser Rabbiner G. und will, was das Schlimmste ist, nicht von seinen Kollegen lernen, die mit mehr Glück produzieren. — In früherer Zeit hat ein jüdischer Gelehrter darnach gestrebt, für sein Geisteskind eine empfehlende Einführung (fiaskama) von einer anerkannten ] abbinischen Autorität zu erlangen. Der moderne Rabbiner ist gescheiter, sein Ehrgeiz geht höher: er läßt sich von einer christlichen Autorität sein Buch empfehlen und versteht es, auf diese christliche Anerkennung die Aufmerksamkeit des jüdischen Publikums zu lenken.*) Dieses stutzt. Denn wenn ein christlicher Professor die Schrift eines Rabbiners empfiehlt — so urteilt es — da muß sie doch wirklich vorzüglich sein! Und das Buch wird — wenn auch nicht gelesen— wenigstens gekauft! Warum Jernt Herr Dr. G. nicht von seinen Kollegen? — Er lernt auch sonst nichts von seiner Umgebung, nichts von denen, die heute in der jüdischen 'Wissenschaft als. fjochmögende gelten, so schreiend diese auch die Wege zeigen, welche die moderne Rabbinergeneration in der Wissenschaft wandeln sollen. . Der Idealismus ist außer Kurs gekommen, die materialistische Weltanschauung hat ihn kaltgestellt. Da finden auch schon die Hochmögenden unter den modernen Rabbinern, daß diese materialistische Weltanschauung nirgends so herrlich und großartig zur Darstellung gelangt als — schon in der uralten heiligen Schrift! Mit staunender Begeisterung verbreitet man sich über die unbedingte Lobpreisung der D i e s s e i t i g k e i t, rühmt sie als die Offenbarerin des diesseitigen Lebens, das sie erst in seiner ganzen Tiefe dem Menschen enthüllt hat, mit keinem störenden Worte auf ein künftiges Leben hinweisend, um den Genuß des Daseins nicht zu trüben! Dr. Gelbhaus bleibt solchen eindringlich auftretenden Belehrungen unzugänglich, verharrend in seiner antiquierten Weise. Hätte er aber diese Winke mit dem Zaunpfahl ein wenig beachtet, er hätte es bei 'seiner Gelehrsamkeit und seinem Scharfsinn in dieser modernen Auslegungskunst bald seinen Meistern Zuvorgetan, er wäre in die vorderste Reihe der Rabbinerwelt getreten, hätte Schule gemacht und seine Schriften würden nicht bloß allenthalben rezensiert, sondern sogar nach bewährtem Muster in extenso ausgezogen worden. Doch, was in dem Menschen nicht ist, das kommt nicht aus ihm. W. *) Der gefährlichste wissenschaftliche Gegner des Judentums ist der f re i s i n n i g e protest. Professor Adolf Harnack, der eine ganze Generalion moderner christlicher Theologen in seinem Geiste heranzieht. Ein bekannter Rabbiner aber, der freilich von einem beträchtlichen Teile seiner aus dem Osten stammenden konservativen Gemeindemilglieder als solcher nicht anerkannt wird, findet seine Befriedigung darin, eine auf falmudischen Quellen aufgebaute Schrift demselben Professor Harnack, dem überdies der Talmud völlig unzugänglich, widmen zu dürfen! Warum? Er ist eben ein Moderner! Anm. d. Red. Eine Jüdin als Wachtmeister in den Freiheitskriegeft 1813-14. Man weiß, 'daß auch einige Mädchen im Jahre 1813 dem Ruf des Vaterlandes folgten umd m iMännerkleidem in den Krieg zagen, von 'dem Theodor Körner sang, er sei ein „Kreiling, ein heiliger Knieig" gewesen. Aber es ist wenig bekiannr, daß auch eine Jüdin darunter gewesen ist, die Wachtmeister geworden vvi dlas Eiserne Kreuz;für ihre Tapferkeit erhallten. Die „Vossisc'he Zeitung" vom 9. Dezember 1815 schreibt darüber: „Ln'se Grafeirras (eigentlich Esther Manuel aus Hanau seibiirtig, 30 Jahre alt, jüdischer Aibkuinlft und Religion) Witwe ■des Wachtmeisters Grtaifemais dm Regiment Konstantin Gande- Uhlanen, wollte ihrem Manne, der sie und zwei Kinder (ein Mädchen, jetzt 10 Jahre und einen Knaben, 8 Jahre alt) verlassen hatte, im Jahre 1813 naeih Schlesien nachziehen, entschloß sich aber, in der Hilflosigkeit, worin sie sioh befand, als sie Bertl'hi erreicht hatte, selbst Kriegsdienste zu nehmen, welches ihr um so leichter wird, als sie in Manneskleidern reiste. Sie trat daher in idas Königtsfoerger 'Zweite Landwehr-Uhlianen- Regiiment, unter dam Major von Hermann, machte die Feldzüge 1813 und 1814, erst ails 'Freiwilliger, zuletzt als Wachtmeister mit, wurde zweimal verwundet, (bei Jüterbog am Fuße und in der Gegend :von Mete, erhielt aurr dem Mansche durch Holland 1814 im Armeelkorps des Generalis Grafen Bülow von Dennewitz das Eiserne Krau«, traf unvermutet asm 29. März 1814 mit' ihrem Manne, der noeih immer in russischen Diensten st,and> hei Montimatre 'zusiammeni, verlor ihm 'aber schon am folgenden Tage durch eine Kanonenkugel. Mit ehrenvollen Wanden und Auszeichnungen bedeckt, mit den ehrenvollsten Zeugnissen des Wohlvenhalltens entlassen, ist sie seitdem vom Regöment abgegangen, und kehrt nun, nach einigem Aufenthalte in Berlin, naclh Erfurt und Hanau, ihrer Heiimat, zu ihren Kindern zurück. Möge sie dort ihre Mutter pflichten mit eben der Treue erfüllen, die ihr als Krieger den Beifall Sr. Majestät des Königs und des preußischen Heeres erwarb. Möge ihr aber auch allgemeine Teilnahme werden- und Unterstützung von vielen Wohlwollenden und Edlen, damit sie, ihrer vorigen Lebensbahn zurückgegeben, imstande sei, sie izai ihrem und ihrer Kinder Glück heiter und sorgenfrei ®u idoiireMaulfen! Dieser Artikel war ausgesetzt umd der mündlichen kunstlosen Erzähl iwig ider Kriegerin treu nachgeschrieben, ails uns das Petersburger Blatt: „Der russische Invalide" am 25. Jänner (6. Februar) äu Augen kam, welches den weiblichen Uhlanen, Luise Manuel, mit vieler Auszeichnung erwähnt. Sie ist Mutter (heißt es darin) izweier lebender Kinder; der Mann verließ sie vor mehreren Jahren und ging nach Petersiburg, wo er sich anwerben ließ .und einige Zeit diente. Als seine Frau en'rhr, daß die russische Armee in Deutschland einrückte, entschloß sie sich, .ihr Geschlecht au venheiimliehen und den Vater ihrer Kinder aufzusuchen. Da ihr Zartgefühl ihr nicht erlaubte, mit den Soldaten mach Schlesien izu gehen, so wurde sie selbst Soldat und ließ sioh im ßülawsohen Korps als Uhlanen anstellen. Niemand wußte von ihrem Geschlecht und sie focht in alpsn Schlachten ider denkwürdigen .Feldizüge von 1813 und 1814 mit, erhielt 'bei Jüterbog eine schwere Wunde am Fuß und wurde in anderen Gelechten venwaimdet ilhr Mainn, den sie wiedergefunden-hatte, .blieb in einem Gefechte bei Paris. Sie hat durch ihre Tapferkeit umd Geistesgegenwart sich die Bewunderung umd den Beifall aller erworben."

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