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Neue Nationalzeitung · 1913-09-05 · Heft 18 (5.9.1913) · p. Seite 144

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 18 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
Seite 144 (sequence 13)
Language
German
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öeite 144 Nr. 18 Lösung der tiefsten Probleme, der letzten Lebensfragen wagt, -das den höchsten Gipfel menschlicher Ethik ersteigt und „alles dasohneGesetzgebung, ohne kulturelle Vorschriften, ohne bestimmte religiöse Normen", kein Israelite, sondern ein — Idumäer: Hiob, ein Mann aus dem Lande Uz in Idumäa! Ebenso ist der in diesem selben Buche „als Verkünder der höchsten Weltweisheit" auftretende Eliphas aus Teman. ein Idumäer. Es waren Propagatoren des erhabensten Monotheismus ohne Gesetzesoffenbarung, anomistische Volkslehrer, „Gcttesanbeter ohne Thora, ohne die sinaitische Gesetzgebung". Daß die in Judäa zurückgebliebenen, religiös ganz verwahrlosten Massen, die selbst zur Zeit, als der Tempel noch stand, ohne Kenntnis der Thora blieben und ohne religiöse Grundlage vegetierten, zur gesetzlosen Lebensführung der Idumäer, die ja keine Heiden, keine Götzendiener, sondern Monotheisten waren, sich hinüberleiten ließen, ist einleuchtend. So verschwand denn durch das Zusammenleben mit den Idumäern der letzte Rest gesetzlichen Lebens aus den Reihen der Judäer. welchen Niedergang die letzten Propheten mit aller Macht aufzuhalten suchten, ihre mahnende und drohende Stimme erhebend, geißelnd die heuchlerische Verführungskunst der Idumäer, die einen Monotheismus ohne sinaitische Gesetzgebung in Judäa so erfolgreich propagierten. Da kamen die babylonischen Exulanten, von Cyrus mit großen Vollmachten ausgestattet, wieder heim, ihre Priester, Leviten, Propheten und die Thora mit sich führend. Allein die mit so viel Energie und Strenge eingeleitete Gesetzesherrschaft Esras und Nehemias geriet bald nach deren Tode wieder ins Wanken. Die idumäische Gesetzesfreiheit hatte zu tiefe Wurzel gefaßt und nicht bloß das Landvolk, auch die Aristokraten, Latifundienbesitzer und höheren Stände empfanden vielfach das Gesetz als eine schwer drückende, jede freie Bewegung hemmende Last, der sie übrigens jede Berechtigung aberkannten, behauptend: der Bund, den Gott mit Israel geschlossen, sei gelöst, da es nicht mehr die Herrschaft in seinem Lande besitze, was ja die Voraussetzung und die Vorbedingung dieses Bundes gewesen. Der Bund sei von beiden Seiten gelöst, das Gesetz aufge: hoben. — Es zog eine scharfe antin omistische Strömung durch das Land, welche sich auch in der Danielapokalypse mit markanten Strichen gezeichnet vorfindet. Gegen diesen weithin vernehmbaren Antinomismus erhoben die Propheten ihre gewaltige Stimme für die unzerstörbare Gattung des Gesetzes und traten mit Macht für den Pannenismus ein, der jetzt mit elementarer Gewalt wieder aufzuleben begann, die kategorische Forderung erhebend, daß sogar in der weiten Diaspora, wo jetzt das Gros des jüdischen Volkes im intimen Verkehr mit der Kulturwelt lebte und heilsam wirkte, das ganze Zeremonialgesetz streng beobachtet werde. Das aber war unter den obwaltenden Verhältnissen schier undurchführbar, sollte nicht die eben durch ihre geistige Auffassung des Gesetzes zu großem Ansehen gelangte und werbekräftig im Heidentum gewordene Diaspora zum Schemen herabsinken und auf ihre Mission, zu deren Bewußtsein sie erwacht war, verzichten wollen. In diesem Wirrsal von Bewegungen und Gegenbewegungen läßt unser Verfasser — freilich mit unsicherer Hand die Zeichnung entwerfend — dem Pannonismus, dem er auch die Diaspora erobern will, in einer vierten Bewegung: der „symbolistischen" einen neuen Helfer erstehen. Das aber war ein Scheinhelfer, wie es der Verfasser selbst erkennt, ein Auskunftsmittel, von der Verlegenheit ersonnen. Denn die geistige Auffassung des 'Gesetzes, seine Durchdringung vermittelst der Allegorie bedeutet zugleich, wie hoch es dasselbe auch erhebt, dessen Zersetzung. Man hat es in seiner Tiefe erfaßt, oder glaubt es so erfaßt zu haben, und dabei sinken seine Formen, das Zeremonialgesetz, zu sekundärer und tertiärer Bedeutung herab und verschwinden nach und nach aus der Uebung, wie wir es tatsächlich bei dem jüdischen zur Weltreligion hinaussteuernden Hellenismus erlebt haben. Dem Pannonismus aber war es gerade um dieses, das Judentum als geschlossene und abgeschlossene Nation auch nach außenhin dokumentierende Zeremonialgesetz zu tun! (Schluß folgt.) Liste der Ausgetretenen. Vom 19. August bis 2. September 1913. (Nr. 284—298.) * Bruckner Rudolf, geb. 18. August 1899 in Wien, XIX, Heiligenstädterstraße 8. Geiger Wilhelm, Fabriksbeamter, geb. 10. April 1861 in Wien, VII, Lerchemelderstraße 191. Glaser Rosalie, Kleidermacherin, geb. 31. Mai 1892 in Wien, XVII, Theresiengasse 47. Katscher Berta, Private, geb. 15. Juli 1886 in Wien, VI, Stumpergasse Ai. Kohn Julie, Beamtin, geb. 1. April 1887 in Wien XV, II, Patzmanitengasse 28. Lederer Gisela, geb. 15. November 1888 in Nachod (Böhmen), IX, Rothe Löweugasse 5. Lichtenstein Johanna, geb. 22. Juli 1892 in Stockerau, XV, Löhrgasse 11. Lukasz geb. Szecsi Sarolta, Studentin, geb. 31. Mai 1892 in Wien, VII, Mariahilferstraße 47. Wertheimer Isidor, Pnivatbeamter, geb. 3. Juni 1857 in Wien, II, Darwingasse 11. Salzer Antonie, geb. 7. Mai 1889 in Wien, I, Maria Theresiengasse 10. Aigner Arthur, geb. 6. November 1889 in Wien, II, Liliienbrunngasse 7. Weiß Dores geb. Salter, geb. 6. Juli 1880 in Wien, II, Förstergasse 10. Anscheles Leib, geb. 14. November 1890 in Kiew, XV, Hotel Westbahn. Trepper Leopold, Kolporteur, geb. 8. Oktober 1883 in Ungar.- Hradisch, XX, Leystraße 69. König Eduard, Beamter, geb. 22. April 1S8S in Preßburg. VII, Burggasse 27. Notizen. Theaternachricht. Freitag, den 12. September 1913 Eröffnungs-Vorstellung der Jüdischen Bühne, Direktor M. Siegler, Hotel Stefanie, Taborstraße 12. Engagierte Kunstkräfte: Frau Henriette O p a 11, Primadonna aus dem Lemberger Polnischen Theater, Frau Rosa S ii e g 1 e r, Frau R. K a 1 i s c h, Frau Jungwirth, Fräulein Körner, Frau Fanico, Fräulein G r ü n s t e i n, Frau R u b i n s t e i n, Frau B e r s o n, Frau Kantor, Herr M. S i e g 1 e r, Herr M. Streng, Herr L. K a 1 i s c h, Herr J. Reismann, Herr M. Podsamtsche, Herr A. Rosenstein, Herr L. Jungwirth, Herr T. Fall i c o, Herr J. Kantor, Herr A. R u b i n s t e i n. Auch ist es der Direktion gelungen, die berühmte dramatische Schauspielerin Frau Daina Fe in mann für ein längeres Gastspiel zu gewinnen. Näheres bringen die Tagesplakate und.alle jüdischen Zeitungen.

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