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Neue Nationalzeitung · 1913-09-05 · Heft 18 (5.9.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 18 (5.9.1913)
Date
1913-09-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NKI0NM.-ZBCUNG RERAUSG5B2R: OrS.R.LNNÖ^U.' XV. Jahrgang. Wien, 5. September 1913. Zionisten-Kongresse. Nr. 18. Was noch vor einigen Jahren für unmöglich gehalten wurde, ist doch eingetreten: Wien hat seinen Zionisten-Kongreß. Er übertrifft sogar, was die Zahl der Delegierten und die Größe des Auditoriums betrifft, viele seiner Vorgänger. Die allerneueste Einrichtung, daß für den Besuch der einzelnen Sitzungen und sonstigen Veranstaltungen separate Entrees eingehoben werden, hat seine Zugkraft nicht geschmälert. Der äußere Eindruck der Eröffnungssitzung ist ein grandioser und wer ihr zum ersten Male beiwohnt, kann sich schwer dem überwältigenden Eindruck dieser Manifestation jüdischer Solidarität entziehen. Die Referenten der in den vordersten Reihen stehenden zionistischen Kämpfer, die mit besonderem Eifer geführte Debatte und die Resolutionen, in denen der Leitung entsprechende Direktiven erteilt werden, geben der Oeffentlichkeit Gelegenheit, den ganzen Umfang, die erzielten Fortschritte und die nächsten Pläne der zionistischen Bewegung genau kennen zu lernen. Die Presse aller Parteien, in erster Linie die Tagespresse, wird gezwungen, nicht nur zu berichten, sondern auch selbst Stellung zu nehmen. Speziell die zahlreichen Delegierten aus Rußland finden die Möglichkeit, mit Brüdern aus der ganzen Welt in Kontakt zu treten und sich mit ihnen öffentlich auszusprechen, eine Möglichkeit, von der sie reichlich und leidenschaftlich Gebrauch machen. So wäre denn der äußere Eindruck des Kongresses auf den oberflächlichen Zuschauer gewiß ein starker und es ist begreiflich, wenn das Wiener jüdische Publikum mehr aus Neugierde als aus Interesse neben dem Entree auch oft ein kleines Agio gern erlegte, um dem Schauspiel im Katharinensaal beiwohnen zu können. Allein, sobald der erste Eindruck verwischt ist, erkennt man mit Wehmut, wie sehr sich dieser Kongreß von seinen Vorgängern, namentlich von den ersten Kongressen unterscheidet. Eine Reihe von Männern, deren Namen mit der Entstehung und Entwicklung des Zionismus unlösbar verknüpft sind, leben nicht mehr; andere, für die nicht minder der Zionismus den Lebensinhalt bedeutete, haben sich zurückgezogen, weil sie von einer ihr persönliches Prestige sorgfältig überwachenden Leitung unter Zuhilfenahme von Leuten, für die der Zionismus eine Einkommensquelle bedeutet, brüskiert und verdrängt wurden. Es ist nur eine historische Nemesis, wenn Dr. Nordau und Dr. Marmorek, die dieses System mitverschuldet haben, ihm auch selbst zum Opfer fallen mußten. Der elfte Zionisten-Kongreß weist daher eine Fülle von begabten und opferwilligen Männern auf; wir vermissen aber eine jüdische Elite, Männer von rhetorischer Kraft, wissenschaftlichem Ruf und politischer Erfahrung, die der europäischen Oeffentlichkeit und all den maßgebenden Faktoren, mit denen die zionistische Bewegung rechnen muß, imponieren könnten. Der Holzhändler David Wolffsohn ist trotz seines langen Bartes und der Herzlichen Allüren als Präsident eines Zionisten-Kongresses etwas seltsam. Die zionistische Bewegung, die als die jüdische Bewegung gelten will, die das jüdische Volkstum territorial und kulturell zu regenerieren beabsichtigt, darf nicht bloß von braven Bürgern durchschnittlichen Kalibers geleitet werden. Für Herzl, Zangwill, Lazare, Mandelstamm, Schapira u. a. sind die paar Berliner Rechtsanwälte, die mit den russischen Zionisten nun auch auf die Finanzinstitute der Partei ihre Hand legen möchten, kaum ein richtiger Ersatz. Das Aktionskomitee bemüht sich gar nicht, selbst

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