Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 17 (22.8.1913)
- Date
- 1913-08-22
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425679-2425884-2425902--2739-2429222- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 136 ,Neue National-Zeitung" Mr. 17 mengefundeji hat. Wir leben im Zeitalter des Kindes und alles tun Eltern für die Kinder, auch, wenn es manchmal über ihre Kräfte geht. Das gilt namentlich für jüdische Eltern und ich weiß nicht, ob nach dieser Richtung nicht manchmal des guten zu viel getan wird. Es ist eben eine andere Zeit angebrochen. Da auch für die Kinder der weniger Bemittelten geschieht jetzt viel. Und das Versöhnt uns mit der sozial zerklüfteten Gegenwart. So besteht hier ein wahrhaft prächtig eingerichtetes, jüdisches Kur-Hospital, in dem viele Kinder aus allen Teilen Deutschlands Erholung finden. Dieses Haus der Menschenliebe ist eine wahre Sehenswürdigkeit in seiner praktischen Anlage und peinlichen, sorgsamen Reinlichkeit. Dort befindet sich auch die „Sommer-Synagoge", wenn ich sie so nennen darf. Diese unterscheidet sich von den anderen Bethäusern darin, daß sie auch an Sabbaten besonders stark besucht wird. Kein Plätzchen ist frei. Beim Gottesdienste herrscht größte Ordnung und Ruhe. Die Versammelten singen die alten Lieder alle im harmonischen Chore. Eine Stunde wahrer Andacht ists, die man hier verbringt. Es gibt viele Kurorte in Oesterreich, die eine ebensogroße, wenn nicht größere Zahl von jüdischen Glaubensgenossen aufweisen, und in denen für die religiösen Bedürfnisse gar nicht oder schlecht gesorgt ist. Ich will hier nicht auf bestimmte Sommerfrischen und Kurorte hinweisen. Ueberhaupt findet man in deutschen 'Bädern mehr Rücksichtnahme auf die Anforderungen unserer Religion. So ist, wenn ich nicht sehr irre, der Sernmering, auf dem gewiß mehr als 50 Prozent der Besucher Juden sind, dem rituell lebenden Juden gänzlich verschlossen. Etwas ähnliches ist von Tirol und den anderen Alpenländern zu sagen. Und mit welchen Beschwerlichkeiten muß sich oft der jüdische Besucher dieser Länder des Leibes Nahrung verschaffen! Ganz anders hier und in den meisten deutschen Seebädern. In Kolberg sorgen nicht weniger als vier jüdische Restaurants für des Körpers Wohlfahrt, die man sich in allen Preislagen verschaffen kann. Da gibt es kein Monopol, keine Ausnützung, wie man dies anderwärts beobachten kann.Ueberdieses Kapitel wäre manches zu sagen und zu schreiben. Und die Frage würde sich da aufdrängen: Warum sind Juden, die nach den Geboten ihrer Religion leben wollen, schlechter daran, als andere Menschenkinder? Die Frage gilt namentlich für unser Oesterreich; der Jude in Deutschland hat es nach dieser Richtung besser. Wenn ich meine Beobachtungen zum Ausdruck bringen soll, muß ich sagen: Es herrscht in Deutschland mehr jüdisches Gefühl und auch mehr jüdisches Selbstbewußtsein, als bei uns. Wir könnten in diesem Betracht manches von unseren deutschen Brüdern lernen .... Die bei uns so oft vorkommende „Schlamperei" sollte der Ordnungsliebe, peinlichen Genauigkeit und Sauberkeit weichen, deren man sich hier befleißigt. Ich will mit diesen Worten niemand einen Vorwurf machen. Es gibt auch hier manches, was uns eigentümlich und fremd vorkommt. Aber was uns sehr wohtuend in den Städten und auch Badeorten Deutschlands anmutet, das ist die Verbindung von Intelligenz, allgemeiner Bildung und wahrem Judentum. Daher wird für die Befriedigung des religiösen Lebens und der rituellen Forderungen auch, an verhältnismäßig kleinen Orten, genügend Sorge getragen. Und. nach dieser Richtung, wenn nicht auch in anderer Beziehung, möge der Jude Deutschlands unser Schulmeister sein. Lernen soll man, nach dem Worte der Alten, von jedermann. Dr. Max Grünfeld. Liste der Ausgetretenen. Vom 30. Juli bis 18. August 1913. (Nr. 258—283.) Manhard, iur. Dr., Rudolf, Hof- und G e r i c h t s a d v o k a t. geb. 27. Februar 1843 in Kosteletz, IX, Währingerstraße Nr. 26. Beck Emil, Geschüftsdiener, geb. 26. Jänner 1888 in Ekyn. Xm, Goldschlagstraße 132. Beer Wilhelm, Privatbeamter, geb. 23. Jänner 1877 in Wien, VIII, Josefstädterstraße 66. Bocher Bertha, geb. 22. Dezember 1877 in Malaczka, V, Ziegelofengasse 23. Feldscharek Heinrich Max, Privatbeamter, geb. 11. April 1868 in Wien, IX, Gninetorgasse 14. Feldscharek Jeanette geb. Englisch, Beamtensgattin, IX Gninetorgasse 14. Glück Gisela, Private, geb. 1. November 1879 in Wien, XIII, Feldkellerstraße 16. Lustig, Dr. Hermann, Beamter, geb. 8. November 1879 in Czernowitz, VII, Döblergasse 4. Oblath Rosa geb. Lindauer, geb. 23. August 1851 in Schlau, XVI, Thaliastraße 9. Pollatschek Friederike, geb. 30. Jänner 1889 in Wien, VII. Bernhardgasse 37. Silberstein Elisabeth, geb. 6. Juli 1899 in Wien, wohnhaft in Hartberg. Spitz Rosa, geb. 2. Mai 1890 in Wien, III Hauptstraße 9. Stern Marie, Private, geb. 2. Mai 1890, XIX, Billrothstraße 38. Friedl Hugo, Buchhalter, geb. 16. Mai 1883 in Wien, V, Margaretenstraße 5. Hellman Paul, Dr., Großindustrieller, geb. 12. April 1876 in Wien, IX, Grünetorgasse 1. Herrnfeld Max, geb. 16. September 1876 in Preßburg, Wien, XII, Tivoligasse 76. Ranzenhofer Friedrich, Ledergalanteriearbeiter, Wien IV, Petzvalgasse 76. Weinstein Clotilde. Modistin, Wien IX, Pfluggasse 5. Findler Olga Katharina, geb. 26. März 1895 in Wien, IX, Clusiusgasse 6. Grünwald Karoline, Näherin, geb. 4. Juni 1882 in Popudin, II, Nordbahnstraße 22. Fuchs Moriz, Kassier, geb. 2. Oktober 1858 in Wien, XVI, Degengasse 16. Ballner Frida, Verkäuferin, geb. 14. März 1S88 in Wien, XX, Wallensteinstraße 23. Fleischmann Adolf, geb. 2. Dezember 1889 in Zizkow, III, Hetzgasse 22. Hirsch Malwine, geb. 9. Dezember 1869 in Neusatz, I, Wallfischgasse 15. Kaiman Frida, geb. 16. März 1892 in Wien, II. Arnezhoferstraße 7. Bunzel Emma, geb. 12. Juni 1877 in Wien, I, Opernring 1. Wir bitten unsere Freunde, die „Neue National-Zeitung" überall in .Lokalen und auf den Bahnhöfen, in Lesehallen, Cafes, Hotels, Restaurants und Vereinen zu verlangen.