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Neue Nationalzeitung · 1913-08-22 · Heft 17 (22.8.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 17 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NKiONßL-ZBCUNG XV. Jahrgang. Wien, 22. August 1913. Nr. 17. Dr. Nordau gegen die zionistische Parteileitung- Wenn man sich vergegenwärtigt, wie brutal 'Dr. Nordau bei Lebzeiten und auch nach dem Tode Dr. Herzls jede Opposition, auch die sachlichste, behandelt, und sogar vor persönlichen 'Beschimpfungen nicht zurückgeschreckt hat, so kann man schwerlich ein Gefühl der Schadenfreude unterdrücken, daß auch Dr. Nordau selbst sich in die Reihen der Opposition gedrängt fühlt. Allein dieselben Leute, denen, nicht zuletzt von Dr. Nordau selbst, durch Intriguen und Unduldsamkeit die Zugehörigkeit zur zionistischen Partei verleidet wurde, werden sich angesichts seiner letzten Rede fragen müssen, ob sie sich auf dieselbe Plattform stellen können und ob ihnen, den Sympathikern der zionistischen Bewegung, Dr. Nordau durch seine letzte Rede näher gekommen ist. Die Entscheidung dieser Frage ist jedoch von einer Vorfrage abhängig: „Ist Dr. Nordau aus sachlichen Gründen nicht nach Wien gekommen und hat er diese sachliche Ueberzeugung in seiner Rede zum Ausdrucke bringen wollen, oder ist seine Abwesenheit auf rein persönliche Gründe zurückzuführen, die durch sachlich sein sollende Argumente bemäntelt werden sollten?" Ich muß gestehen, daß mich die Frage, ob Nordau am Wiener Kongresse erscheinen wird, seit längerer Zeit besonders aus einem Grunde sehr interessierte: Weil Dr. Nordau Pariser Korrespondent der „Neuen Freien Presse" ist. Ich weiß aus jenen ersten Kampfjahren, da ich noch an der Seite Dr. Herzls für den Zionismus tätig war, welche Mühe sich dieser Mann in der „Neuen Freien Presse" gegeben hatte, um den Herausgeber. und Hauptaktionär dieses Blattes, Moriz 'Benedikt, für den Zionismus zu gewinnen. Einmal kam er sogar glückstrahlend zu mir und erzählte mir freudig: „Benedikt ist gewonnen." Es war aber nur Selbsttäuschung. Benedikt hielt die Spalten seines Blattes hermetisch verschlossen gegen jeden zionistischen Windhauch: Weder Dr. Herzl noch Dr. Nordau durften auch nur mit einer Zeile oberhalb oder unterhalb des Striches ihrer zionistischen Weltanschauung Ausdruck geben. Sechzehn Jahre sind seit dem ersten Kongresse in Basel verstrichen und Dr. Nordau, einer der Hauptmitarbeiter der „Neuen Freien Presse", hat in diesem vom jüdischen Großkapital in Oesterreich nach Art des von seinen Ahnen angebeteten goldenen Kalbes verehrten Blatte mit keinem Worte seine zionistische Gesinnung verraten. Die „Neue Freie Presse", für die ein Nachtwächterstreit in einem deutschböhmischen Nest viel wichtiger ist, als die Schicksale des Judentums, aus dem ihre meisten Redakteure ausgetreten sind, hütet sich auch, ihren deutschnationalen Anstrich durch einen jüdischen Einschlag zu „entweihen". Und Dr. Nordau, der zionistische Kämpfer, der zionistische Führer, hat sich damit abgefunden. Nun kam der Wiener Kongreß. Dr. Nordau mußte damit rechnen, daß seine Abwesenheit von Wien begreiflicherweise mit seiner Korrespondentenstellung leicht in Zusammenhang gebracht und daraus der Schluß gezogen werden könnte, Herr Benedikt wünsche seinen Pariser Korrespondenten nicht an der Spitze des Zionisten-Kongresses zu sehen. Für einen Mann von Charakter und eiserner Konsequenz, als den sich Dr. Nordau gerne gibt, war damit der Entschluß gegeben. Dr. Nordau erscheint aber nicht. Eine Deputation, die ihn in Paris aufsucht, kann ihn nicht umstimmen. Dafür hielt er am 24. v. M. in einer Pariser Volksversammlung eine der großen Oeffentlichkeit mitgeteilte Rede, in der die zionistische Parteileitung als unfähig, leichtfertig, gerieben, hinterhältig und unehrlich („unklare Abrechnungen" und „falsche Zahlen") hingestellt wird. Er bemängelt die bisherige Unfruchtbarkeit und Erfolglosigkeit des politischen Zionismus; er verlangt dafür, daß der praktische Zionismus, die Palästina-Kolonisationsarbeit, ein-

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