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Neue Nationalzeitung · 1913-06-06 · Heft 12 (6.6.1913) · p. [Seite]

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 12 (6.6.1913)
Date
1913-06-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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NSU5 MCiONQL-ZBGUNG XV. Jahrgang, Wien, 6. Juni 1913. Nr. 12. Der arische Landesverrat. Bei einem der höchsten Zentralämter in Wien ist ein Jude als Hilfsämter-Direktor angestellt. Er ist der einzige Jude in diesem Amte, dem ein Jude als Konzeptsbeamter bis heute nicht angehört hat. Wie kam er denn hieher? Diese auffallende Tatsache hat mein besonderes Interesse erregt und es gelang mir, die (iriinde dieser Anstellung zu erfahren. Sie sind ebenfalls sehr merkwürdig und für heute ungemein aktuell. Der jüdische Hilfsämter-Direktor war als Unteroffizier dem General sta-be zugeteilt. Durch seinen Eifer und Fleiß, durch seine besondere Vertrauenswürdigkeit, erwarb er sich die Gunst des Generalstabschefs Graf Beck. Als er dann nach Absolvierung der zwölfjährigen Dienstzeit daran ging, einen Staatsbeamtenposten anzusprechen, wurde er vom Grafen Beck dem Präsidenten des erwähnten Zentralamtes wärmstens empfohlen und auch angestellt. Das war die einzige Erfahrung, die der Generalstab und sein Chef mit einem Juden gemacht haben. Es war nur ein Unteroffizier, ein Zufallssoldat, der keinen militärischen Drill in einer Offiziersschule durchgemacht hat, ein Mann von ungemein bescheidenen Verhältnissen, an den sich daher Versuchungen leichter heranwagen konnten. Und dennoch hat er auf einem exponierten Posten das Vertrauen seines obersten Chefs glänzend gerechtfertigt. Trotz alledem, trotzdem England, Italien und Frankreich mit ihren jüdischen Generalstabsoffizieren die besten Erfahrungen machen — gerade der Fall Dreifuß hat dies in Frankreich bewiesen und es wurde bald darauf ein Jude zum Korpskommandanten ernannt — gilt es in Oesterreich-Ungarn als Axiom, daß jüdische Offiziere prinzipiell vom Generalstab ausgeschlossen bleiben. Unser Generalstab ist a r i s c h. Nur äußerst selten gelingt es einem Täufling als Entlohnung für die Charakterlosigkeit den grünen Hut zu bekommen. Die antisemitischen Preßschlangen, die überall das Gespenst der V e rj u d u n g an die Wand malen, betrachten den Generalstab als ihr Schoßkind. Hier ist ihr Ideal der „Judenreinheit" versinnbildlicht. Und nun der Fall Redl. Ein Oberst im Generalsiab, der Chef des Generalstabes eines Armeekorps, hat für eine auswärtige Macht, für den Erbfeind unserer Monarchie, Spionagedienste geleistet und hat für Geld unsere Militärmacht verraten. Welchen unermeßlichen Schaden er angestiftet hat und welchem Unheil durch seine Entlarvung vorgebeugt wurde, ist nicht zu ermessen. Er war ein Arier. Er entstammte einer nach Galizien verschlagenen deutschen Familie, die sich dort polonisiert hat. Ein Jude ist einer solchen Niedertracht gar nicht fähig. Das sehen sie alle, die Verkünder der arischen Moral und Unbestechlichkeit, in deren Reihen der Obligat ionen-Vergani und der Zucker- Wolf die Hauptrolle spielen, sehr gut ein; daß in der judenreinsten Branche, im Generalstab, das niederträchtigste Verbrechen an dem Staate begangen wurde, das empfinden diese Geschäftsantisemiten als den schwersten Schlag auf ihre eiserne Stirne. Und da haben sie einen verzweifelten Ausweg gesucht und ,zu finden geglaubt. Sie erklären den Redl als Judenstämmling. Natürlich ohne die mindeste Begründung. Er hat die Fabel von der arischen Treue ad absurdum geführt und auf dem Gebiete des arischen Landesverrates den Rekord geschlagen. Das paßt ihnen nicht in den Kram, auf den die Tat Redls wie ätzende Lauge wirkt. Aber es bleibt vergeblich: Redl ist ein Arier. Und die jüdischen Offiziere, denen man jetzt neben der Generalstabs-Karriere auch schon die Stabsoffiziers- Posten versagt, werden weiterhin ihre Pflicht dem Staate gegenüber, der sie zurücksetzt und demütigt, trotzdem ehrlich und treu erfüllen. L.

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