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Neue Nationalzeitung · 1913-04-21 · Heft 9 (21.4.1913) · p. Seite 72

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 9 (21.4.1913)
Date
1913-04-21
Page
Seite 72 (sequence 13)
Language
German
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Seite 72 .Neue National-Zeitung" hr. 9 Der Jude schaute sich im Kreise um. Die Versammlung war starr. Der Oberamtmann in seiner Weisheit ebenso wie der lange Rosch-Hakohol. Der letztere brummte vor sich hin: „Das hat er gut gemacht. Geld hat er kein's, aber Verstand." Und nun, nach längerem Besinnen, lösten sich von den Lippen des Richters folgende salomonische Worte: „Jude, ich muß dir schon glauben, wenn du sagst, der Heilige habe ein Wunder an dir getan und dir seinen Schmuck gegeben. Die Heiligen sind eben stark und haben Mitleid mit den Armen. Aber ein's rate ich dir, während ich dich für diesmal laufen lasse, weil ich nicht weniger mitleidig sein will wie der Heilige. Wenn du wieder in Not kommst und Du gehst bei einem Heiligen vorüber, es muß nicht gerade der heilige Wendelin sein, und der trägt einen Schmuck und will dir ihn geben — dann wirst du unbarmherzig eingesperrt. Denn du als Jude hast von Heiligen nichts anzunehmen. Ich habe gesprochen." Der Oberamtmann erhob sich in seiner vollen Würde und schritt zwischen den Bücklingen des Rosch Hakohol und der Vorstandsmitglieder aus dem Saale. Die atmeten auf. Der arme Freigesprochene auch. Rasch begab er sich nach Hause zu Weib und Kindern. Der rote Baal-Milchome ging seufzend in seine Kaserne. „Die verfluchten Juden, man wird mit ihnen nicht fertig." Diese Sentenz leistete er sich noch. An den Ostern des nächsten Jahres entbehrte Sankt Wendelin seines Schmuckes. Der arme Jude aber hatte Mazzot und Wein in Hülle und Fülle. Pessah, 5673. Statistik und Sozialpolitik. Die jüdische Nase. In einem kürzlich erschienenen Buche über „Die Rassenmerkmale der Juden" (bei E. Reinhardt, München) teilt Dt. F i s h b e r g u. a. die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Nase der Juden in Amerika, Europa, Afrika und Asien mit. Sein Befund unterstützt keineswegs die volkstümliche Ansicht, daß die krumme Nase die jüdische sei. Unter 2836 Juden und 1284 Jüdinnen (lauter Erwachsenen) in der Stadt New York betrug z. B. der Prozentsatz der verschiedenen Nasen: Juden Jüdinnen krumme, Habichtnase und Adlernase 1425 12.70 gerade oder „griechische" Nase 57.56 59.42 Stumpfnase 22.07 12.86 Platt- und Bredtnase 6.42 14.02 Der vorwiegende Typus der jüdischen Nase wäre also demnach der gerade. Man nennt diesen Typ die griechische Nase, weil die antiken griechischen Bildhauer dem Gesichte ihrer Statuten gewöhnlich eine gerade Nase gaben. Allerdings ist eine der auf griechischen Monumenten zu sehenden Nebenform genau entsprechende heute sehr selten. Denn der in die Stirn übergehende Teil der Nasenwurzel ist auf den griechischen Denkmälern beinahe (ganz gerade, fast ohne jede Einbiegung, während die geraden Nasen in der modernen Bevölkerung Amerikas und Europas eine mehr oder weniger starke Vertiefung an der Wurzel haben, obwohl der Nasenrücken gerade, ohne erhebliche Erhöhung oder Vertiefung in seinem Verlaufe ist. Beinahe drei Fünftel der Juden halben diese Form; allerdings ist es, aus den erwähnten Umständen, nicht die kJassäsch-griechische, da viele dieser Nasen etwas konvex sind; man kann daher die Judermase sehr wohl als die römische bezeichnen, ein unter heutigen Europäern vorwiegender Typus. Nervöse Entartung der Juden? Im Frankfurter Verein sprach unlängst der bekannte Nervenarzt Dr. Max Sichel über die höchst aktuelle Frage: „Gibt es eine nervöse Entartung bei den Juden?" Folgen wir seinen Gedankengängen! Ernste Forscher prophezeiten den Untergang der Juden. Wir Juden würden degenerieren. Es ist merkwürdig, daß ein Fragenkomplex, bezüglich dessen noch so wenig Klarheit herrscht, für uns Juden gelöst sein soll. Ein Studium des in Frage kommenden Gebietes zeigt, daß man kein Recht hat, von einer Degenerierung der Juden zu reden. Wenn wir Juden in den Sanatorien einen höheren Prozentsatz einnehmen, so ist das der höheren Wertung der Persönlichkeit bei uns und der daraus entsprechenden Sorgfalt für die Gesundheit sowie auch der Tatsache zuzuschreiben, daß wir meist Städtebewohner sind und meist dem kämpfenden Mittelstand angehören. Epilepsie, die dem Alkoholismus entspringt, und Gehirnerweichung, die meist aus Syphilis entsteht, kommen bei uns Juden kaum vor, und zwar infolge unserer auch trotz des Schwindens der jüdischen Tradition noch sittlichen Familienslebens. Dagegen Hysterie und Neurasthenie — und diese nervösen Entartungen sind erblich nicht übertragbar. Und daß die Inzucht degeneriert, ist durchaus nicht bewiesen, eher das Gegenteil. Wohl sind Selbstmorde und Rückkgang der Geburten Erscheinungen, die uns zu denken geben. Vom Standpunkte des Arztes kann man also alles in allem nicht von einem Untergang der Juden infolge Degenerierung reden. Notizen, Fahrtbegünstigungen für die Besucher der Adria-Ausstellung. Eisenbahnminister Freiherr v. Forster hat angeordnet, daß für die Besucher der Adria-Ausstellung verschiedene Fahrtbegünstigungen gewährt werden. Die Staatseisenbahn Verwaltung hat bisher folgende Begünstigungen in Aussicht genommen: 1. Die Ausgabe von Schnellzugsrückfahrkarten mit 30tägiger Gültigkeit von den wichtigsten europäischen Verkehrszentren nach Wien während der Monate Juli und August mit einer 30prozentigen Ermäßigung für die beteiligten österreichischen Strecken. 2. Die Ausgabe von Schnellzugsrückfahrten (Anschlußkarten) im Verein mit der Südbahn)—Wien mit 30prozentiger Ermäßigung und 30tägiger Gültigkeit während der Monate Juli und August in den istrianischen und dalmatinischen Hafenstationen in Verbindung mit den nach Triest lautenden Schiffbilletten. 3. Die Ausgabe von Schnellzugsrückfahrkarten mit 30prozentiger Ermäßigung und 30tägiger Gültigkeit während der Monate Juli und August in den Relationen Pola, Rovigno, Parenzo—Wien, ausschließlich mit der Eisenbahn. 4. Die Ausgabe ermäßigter Fahrkarten (Anschlußkarten) mit 30prozentiger Ermäßigung durch die Schiffsagentur des Oesterreichischen Lloyd in Alexandrien während der Monate Mai bis einschließlich September, u. zw.: Schnellzugsrückfahrkarten Triest (k. k. Staatsbahn oder Südbahn)—Wien mit 90tägiger Gültigkeit, einfache Schnellzugskarten Triest—Salzburg über Wien, einfache Schnellzugskarten Triest—Buchs über Wien, die beiden letzteren mit 30tägiger Gültigkeit. Die erwähnten Ermäßigungen sind für alle drei Wagenklassen der Schnellzüge gültig. Die Südbahngesellschaft hat sich entschlossen, für ihre Strecken die gleichen Fahrtbegünstigungen wie die Staatseisenbahnverwaltung zu bewilligen. Was den Verkehr von Inlandstationen nach Wien anlangt, so besteht die Absicht, durch Installierung von Gesellschaftsreisen und Führung von Sonderzügen zu ermäßigten Preisen auch der heimischen Bevölkerung den Besuch der Ausstellung zu erleichtern.

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