Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1913-04-11 · Heft 8 (11.4.1913) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 8 (11.4.1913)
Date
1913-04-11
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2425679-2425884-2425893--2656-2429118
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 62 „Neue National-Zeitung" gründen. Dieses Projekt wurde bekanntlich vor ungefähr zwei Jahren von Samuel von Horowitz der Ica vorgelegt, die sich bereit erklärt hat, einen solchen Plan auch kräftig zu fördern, wenn in Galizien selbst vor der Gründung von Privatleuten zumindest 300.000 Kronen für diesen Zweck aufgebracht werden. Jetzt endlich durch den großen materiellen Schaden aufgerüttelt, haben sich die Lemberger jüdischen kaufmännischen Organisationen entschlossen, diese Bedingungen der Ica zu erfüllen und es kann daher angenommen werden, daß der erste Schritt zur galizischen Selbsthilfe-Tätigkeit gemacht werden wird." Das wäre sehr schön. Aber daß in Galizien K 300.000 aufgebracht werden könnten, das halten wir, so sehr wir es wünschen, für sehr unwahrscheinlich. Die Juden, die Millionen besitzen, wollen für jüdische Zwecke nichts hergeben. Nach der Richtung können sich Wien und Lemberg die Hände reichen. Dr. Alfred Stern und Schmelke Horowitz unterscheiden sich höchstens durch die Anzahl ihrer Millionen, aber keineswegs durch den Härtegrad jener Fleischmuskeln, denen die Natur die Herzrolle zugeteilt hat. Daß aber unter den heutigen desolaten Geldverhältnissen kaufmännische Organisationen K 300.000 aufbringen könnten, ist schlechthin unmöglich. Wem ist also Dr. Blochs Wochenschrift aufgesessen? Eine jüdische Aerzte-Gesellschaft für Palästina. Die kürzlich ins Leben gerufene „Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina" ist bereits im Begriffe, ihre Tätigkeit im Lande mit der Gründung eines Instituts für bakteriologische und serologische Untersuchungen zu eröffnen. Das Institut wird einen Teil der Arbeiten zur Sanierung Jerusalems übernehmen, die eben jetzt von verschiedenen Seiten energisch betrieben wird. Vor allem sind hierbei die in dem H e a 11 h-0 f f i c e (begründet von dem bekanten New Yorker Philanthropen Nathan S t r a u s) und von dem in Deutschland angeregten internationalen Komitee in Angriff genommenen Arbeiten zu erwähnen. Die genannte jüdische Aerzte-Gesellschaft versendet soeben einen Aufruf zur Werbung von Mitgliedern (Jahresbeitrag mindestens M. 6.—, auch Nichtärzte werden aufgenommen), und es steht zu hoffen, daß in Anbetracht der Wichtigkeit der Sache es auch an namhaften Zuwendungen nicht fehlen wird. Von den unter dem Aufruf genannten Mitgliedern des Komitees seien erwähnt: an Aerzten: Exzellenz Prof. Dr. Paul Ehrlich, Prof. James Israel. Geheimrat Prof. Leopold Landau, Prof. Jaques Loeb (Biolog. Institut New York) ferner zahlreiche medizinische Autoritäten aus Deutschland, England. Rußland, Skandinavien, Italien usw. an Nichtärzten sind u. a. unterzeichnet: Dr. Paul Nathan, Geheimrat Prof. Rosin (Freiburg i. Br.), Dr. James Simon, Geheimrat Timendorfer. Prof. Dr. O. Warburg, aus Breslau Rabb. Dr. Rosenthal. Anmeldungen und Zuschriften nimmt der Vorsitzende der Gesellschaft Dr. Aron Sandler (Berlin— Charlottenburg, Droysenstr. 6). entgegen. Der Kongreß ostjüdischer Studenten - Vereine Westeuropa. In Zürich fand vor kurzem eine Korferenz der an westeuropäischen Universitäten studierenden o s t j ü d i s c h e n Jugend statt. In siebentägiger rastloser Arbeit versuchte man wichtige Probleme zu lösen oder wenigstens richtig zu erfassen. Die Verhandlungen der Konferenz in Zürich standen durchwegs auf hohem Niveau. Es handelte sich ja auch für die Studenten des Ostens um die wichtigsten Interessen, um -die Möglichkeit des Studiums und um Vertiefung und Erstarkung des jüdischen Lebens. Ueber die Ziele der studentischen Vereinigung führte Matthias Ach er aus: ..Keine der bestehenden Parteien wird die Judenfrage gänzlich lösen, und jede der bestehenden Parteien hat ihre Existenzberechtigung. Man soll auch in den Diaspora-Ländern arbeiten, in allen Parteien und in allen Richtungen, in der wirtschaftlichen, kulturellen, emigrationistischeh, kolonisatorischen und so weiter. Es soll Frieden in Israel sein, es soll eine fruchtbare Arbeit entwickelt werden, es sollen nationale Taten da sein, nicht nur nationale Phrasen uns begeistern." Als Resultat dieses Kongresses wird man die neugeschaffene Organisation der ostjüdischen Studenten mit Freuden begrüßen. Sie ist eine Notwendigkeit und sie wird gutes leisten, wenn sie die richtigen Wege einschlägt. Die neue Organisation muß aber allen Parteien aus dem Wege gehen und sie muß sich hüten, in keine engherzige Parteischablone zu fallen. Sie soll der großen Sache der Judenheit d e s Ostens dienen. Das muß ihr Programm bleiben. Literatur und Kunst. Die hebräische Palästinakarte. Die hebräische Palästinakarte ist das mühsame Ergebnis langjähriger Arbeit. Die Anregung dazu gab die hebräische Verlags- und Bildungsgesellschaft K o h e 1 e t h in Jaffa, deren Vorsitzender Elijahu S a p i r war. Die technische und finanzielle Fürsorge lag in den Händen der ehemaligen Palästinakommission und später des Palästinaressorts des zionistischen Aktionskomitees. Nach Auflösung dieses .Amtes wurde die Fertigstellung der Karte dem „Jüdischen Verlag" übertragen. Auf Grund der bekannten Kiepertschen Karte, die im Verlag von Dietrich Reimer (Berlin) erschienen ist, hat Sapir den hebräischen Text verfasst. Sapir war ein vorzüglicher Kenner des Landes. Er besaß auch die notwendige philologische Schulung; er kannte das ganze jüdische Schrifttum und war mit der arabischen Sprache durchaus vertraut. Leider hat der Tod den vortrefflichen Mann vorzeitig hinweggerafft, so daß sein Material in unfertigem Zustande zurückblieb. Da sich kein Nachfolger fand, der das Geographische wie das Philologische in gleichem Maße beherrschte, mußten sich die notwendigen Korrekturen auf das Philologische beschränken. Herr Doktor Yahudä, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin, hat das Material durchgesehen und die Methoden für die Trauskription der arabischen Namen und für die Orthographie derjenigen hebräischen, die nicht im alten jüdischen Schrifttum vorkommen, festgesetzt. Die von ihm befolgten Grundsätze finden sich in den Erläuterungen auf der Karte. Das Geographische ist keiner Korrektur mehr unterzogen worden und beruht völlig auf dem Sapirschen Manuskript. Die wissenschaftliche Begründung für seine Anschauungen hat Sapir in seinem bekannten Buch „Haarez" gegeben, das als Register zur Wandkarte gelten kann. J. M. Pines. Jechiel Michael Pines, bekannt als Schriftsteller und durch seine rege Tätigkeit in den jüdischen Angelegenheiten Palästinas, ist verschieden. Pines wurde 1842 in Russchani (Rußland) geboren. Noch sehr jung machte er sich bereits mit der neuen hebräischen Literatur vertraut, war jedoch ein Gegner der damals in der „Haskalah" herrschenden negativen jüdischen Anschauungen. In dem mit seiner Hilfe gegründeten „Halwonaun" trat er denen entgegen, die religiöse Reform forderten. Zwischen ihm und Lilienblum entstand 1870 eine interessante Korrespondenz wegen seines Artikels ,X)erech umichschaul" (siehe Lilienblums „Chatas neurim"). Ausführlich hat Pines seine Gedanken über unser Judentum in seinem großen Werke „Jaldei ruchi" niedergelegt. 1875 wurde der „Montefiore-Fonds zum Bau von Häusern in Jerusalem" gegründet und Pines zu dessen Leiter bestimmt. So kam er nach Palästina. Auf seine Veranlassung war es.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.