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Neue Nationalzeitung · 1913-02-28 · Heft 5 (28.2.1913) · p. Seite 40

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 5 (28.2.1913)
Date
1913-02-28
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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Seite 40 „Neue National-Zeitung" Nr. 5 Dokumente gelangen mußten, um Beni Großmann aus der Liste auszutragen. Aber ihn hatte er noch vor der Abreise mit 25 Rubel bestochen. Nichtsdestoweniger traute sich Beni nicht, dem Vater in die frommen Augen zu blicken; außerdem möchte er nicht den Fragen ausgesetzt sein, die alle wahrscheinlich an ihn richten werden: warum gerade er zur Universität zugelassen wurde, während andere, die mit Auszeichnung maturiert haben, abgewiesen wurden. „Es könnte Verdacht erregen", beruhigte sich Beni. „Ach, was für veraltete, konservative Anschauungen!" seufzte der Student. „Nur ein einziges Wort ist im Paß beigefügt worden und die Bande, die einen mit seinen Teuersten und Liebsten innig verknüpften, fangen schon an, zu reißen" . . . Da hilft kein Philosophieren, jetzt heißt's fahren; denn es gäbe ja gar keine Entschuldigung, auf die Feiertage nicht nach Hause zu kommen. (Schluß folgt.) Literatur und Kunst. Ferdinand Kürnberger.1) Gesammelte Werke, herausgegeben von O. E. D e u t s c h. 1. Band. Siegelring e.2) Eine Sammlung politischer und kirchlicher Feuilletons. Neue wesentlich vermehrte Autlage. 1910. München und Leipzig. Verlegt bei Georg Müller. Nahezu um zwei Jahre verspätet gelangt dieses Buch aus der Redaktionsstube in unsere Hände. Feuilletons, Blättchen sind's, die der vorübergehende Sturm des Tages verweht. Wirklich verweht? Dann müßten sie nicht von Kürnberger stammen. Das war einer, der mit dem flammer philosophierte. Ein Journalist, aber auch ein Dichter, ein Seher. Der Dichter des „Amerikamüden" ist's, der zu uns spricht. Einer, der die Götzen seiner Zeit von ihren Piedestalen stürzte. Minister und hohe Kirchenfürsten. Ihm galt nicht die Person, nicht die Laune, nicht die Tagesmode und nicht der angebetete Götze, genannt Volk, genannt Plebs. Unter dem Striche der meistgelesenen Zeitungen richtete er über die Größen des Tages. Und viele richtete er hin. Mögen doch die kleinlichen und kleinen Schriftsteller des Tages, die so geistreichelnd „causieren", die Schwätzer unserer Zeit, d i e s e Feuilletons lesen, sie eifrig studieren und aus ihnen lernen, wie auch der Feuilletonist zum Geschichtsschreiber werden kann. Und der Geschichtsschreiber ist der Weltrichter. „Siegelringe" nennt Kürnberger seine Feuilletons. Auch sie sind „Literarische Herzenssachen", wie er eine andere Sammlung nannte. Die „Siegelringe" „drücken der entfliehenden Erscheinung des Augenblicks ein scharf geschnittenes Gepräge auf". Ein Stück Zeitgeschichte Oesterreichs, seit dem furchtbaren Jahre 1866 bis in die Mitte der Siebziger jähre, zieht vor unseren Augen wie eine Wandeldekoration vorüber. Wenige Jahre nur sind's, die diese Blättchen beleuchten, und doch enthalten sie ein wichtiges Stück österreichischer Geschichte. Von Königgrätz und Belcredi bis zum volkswirtschaftlichen Aufschwung und zum Bürgerministerium. Vom Krach und von den Jesuiten, von Fürsten und Völkern, von Staatsmännern und Staatslenkern, von Volksführern und Volksverführern sprechen diese Feuilletons. „Siegelringe" sind sie. Laut künden sie: Das ist das Siegel dieses Mannes, und keines anderen Mannes." Und wenn man die besten Männer nennen wird, wird man auch nicht vergessen — Kürnbergers, welcher die Juden und *) Der bekannte deutsch-österreichische Novellist und Essayist starb am 14. Oktober 1879 in München. 2) Sammlung und Essays, zuerst erschienen 1874. die Germanen zu den „seelenhaftesten Völkern der Erde" zählte. Und er war kein Jude, trotz Adolf Bartels, der wackere Verfasser der „Siegelringe", Ferdinand Kürnberger. dr. m. g. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums.') Jüngst fand im Sitzungssäle der Repräsentanten- Versammlung in Berlin die Wintersitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Jud/entums statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Herr Professor Dr. M. Philipps o n, den heimgegangenen, um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Professoren David Heinrich Müller- Wien und Nikolaus Müller- Berlin warm empfundene Worte des Nachrufes, welche die Mitglieder des Ausschusses stehend anhörten. Sodann begrüßte Herr Rabbiner Prof. Dr. Qutfmanii namens der Breslauer Mitglieder den Ausschuß zu seiner ersten Tagung in Breslau. — Der Vorsitzende legte sodann nach Erstattung des Jahresberichtes die von der Gesellschaft mit reichen Mitteln subventionierte, von Herrn Dozent Doktor A. Yah u d a-Berlin besorgte Ausgabe des arabischen Originals der „Herzenspflichten" von Bach ja, sowie den ersten Teil der E l bogen sehen Arbeit über den jüdischen Gottesdienst vor. Prof. Dr. Guttmann berichtete, daß die Gesellschaft im Laufe des Jahres 1913 mit Bestimmtheit den ersten Seder der von Rabbiner Dr. K r e n g e 1 - B.-Leipa besorgten Ausgabe der Toseffca, sowie den zweiten Band des Maimonideswerkes werde zum Druck übergeben können. Herr Prof. Dr. W. Bacher- Budapest legte den Plan zu seinem neuesten Werke „Tradition und Tradenten" vor, dessen Aufnahme in die Schriften der Gesellschaft vom Ausschuß beschlossen wurde. Der Ausschuß bewilligte ferner eine Reihe von Subventionen, und beschloß, aus den Mitteln der Ludwig-Phiiippson-Gedächtnis-Stiftung jüdischen Lehrern Beihilfen zum Ankauf der „Neuesten Geschichte des jüdischen Volkes" von M. Philippson zu gewähren. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles, in welchem der Jahresbericht erstattet und der bisherige Ausschuß wiedergewählt wurde, hielt vor einem überfüllten Saale Herr Prof. Dr. B1 a u - Budapest einen Vortrag über „Aegyptische Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung". Der Redner gab einleitend einen Ueberblick über den augenblicklichen Stand der Papyrusforschung, die sich dank dem reichhaltigen Material, das sich täglich noch vermehre, einen ungeahnten Einblick in das Alltagsleben der alten Völker gestatte und dadurch sich völlig abhebe von den Literaturdenkmälern des Altertums. Zwischen beiden — Papyri und Literatur — stehe der Talmud, dessen vielfaltige Diskussionen ja auch das Alltagsleben in seiner mannigfachen Gestalt erfassen wollten. Schon daraus ergebe sich, daß zwischen den Papyri und dem Talmud Beziehungen bestehen müßten, die aufzufinden Aufgabe der Wissenschaft sei und die für das Verständnis der Papyri und des Talmuds vielfach beitragen könnten. Der Redner erläuterte dies an verschiedenen Beispielen buchgeschichtlicher, sprachgeschichtlicher und rechtsgeschichtlicher Art. Der Redner schloß mit dem Hinweis, daß die Papyrusforschung vermöge ihrer Eigenart hinleite in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit und menschlicher Wissenschaft, also insbesondere auch der Wissenschaft des Judentums, deren Pflege Zweck und Ziel der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sei; sie empfahl er dem verständnisvollen Interesse der Versammlung. Reicher Beifall lohnte den Redner, dem sodann noch der Vorsitzende den Dank der Gesellschaft aussprach. *) Infolge von Raummangel leider verspätet. (Anm. der Redaktion.)

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