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Neue Nationalzeitung · 1913-02-14 · Heft 4 (14.2.1913) · p. Seite 32

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 4 (14.2.1913)
Date
1913-02-14
Page
Seite 32 (sequence 13)
Language
German
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_ggltg_32_____________________,,N^e_NationaJ-2eitung* einige Skepsis, weil sich hier die Worte Kunst und Philantropie verbrüderten und man erfahrungsgemäß weiß, daß bei einer solchen Verbindung die Kunst zu kurz kommt. Die Tatsachen bekehrten zu einer anderen Ansicht; man mu":'e die überraschende Entdeckung machen, daß hier die Philantropie zur Grundlage einer eigenartigen und beachtenswerten Kunst wurde. Die Sache liegt so: Lange vor Mohammed und der Hedschra waren die Jemenitischen Juden Südarabiens die Goldarbeiter und Waffenschmiede des Landes, geachtete Arbeiter und Nomadenstämme, denen sie die Schuppenpanzer und Schilde machten. Dann zog der Islam ein, die Juden sanken als Ungläubige immer tiefer in der Achtung, wurden Wasserträger und Frachtknechte, bis schließlich die großen Revolten der Araber gegen die Konstantinopler Regierung ihren Zustand völlig unerträglich machten. So wanderten sie zu Hunderten nach Jerusalem aus und hungerten sich dort sehr jämmerlich durch. Boris Schatz, der Leiter der frischbegründeten jüdischen Kunstgewerbeschule nahm ein Dutzend von ihnen in Arbeit und sah, daß diese Männer in einem atavistischen künstlerischen Gefühl fast aus eigenem die zierlichsten Goldarbeiten, die originellsten Schmuckstücke in altarabischem Stil verfertigten. Unter seiner klugen Hilfe gedieh jetzt eine Kunst, die, kraft der zwei Elemente, denen sie entstammt, orientalischen und modernen Stil in höchst sympathischer Form verbindet. Dabei zeigten die Töchter der Jemeniten Begabung zum Teppichknüpfen und Spitzenklöppeln und bekamen vom Bezalel reichliche, anständig bezahlte Arbeit. Mehr als hundert solcher Mädchen wurden vor Not und Prostitution gerettet. Daneben floriert eine Abteilung für Kupfer- und eine für Holzbearbeitung." Statistik und Sozialpolitik. Die jüdische Bevölkerung in Australien und Neuseeland. Folgende Tabelle enthält die Zahl der Juden in den verschiedenen Staaten von Australien und Neuseeland in den Jahren 1901 und 1911: Staat 1901 1911 Neusüdwales 6.447 7.660 Victoria 5.907 6.270 Queensland 733 672 Siidaustralien 786 765 Westaustralien 1.259 1.790 Tasmania 107 130 insgesamt im eigentlichen Australien 15.239 17.287 Neuseeland 1.611 2.12S zusammen 16.850 19.415 Der „H ebrew Standar d" (Sydn ey) gibt hiezu folgende Erklärungen: Im Gesamt-Australien betrug die Zunahme der Juden in den letzten 10 Jahren 1028 männliche und 1020 weibliche Personen, also nur noch 2048 Seelen, während die jüdische Bevölkerung von Ozeanien um 2565 Seelen zugenommen hat. Die einzige nennenswerte Zunahme ist die von Westaustralien, nämlich zirka 40 Prozent, während die allgemeine Zunahme sich nur auf 13 Prozent in den 10 Jahren beläuft. Die Zunahme von Neusüdwales beschränkt sich nur auf Sydney, denn in den Landdistrikten ist die Zahl der Juden jetzt geringer als vor 10 Jahren. Liste der Ausgetretenen. Vom 29. Jänner bis 11. Februar 1913. (Nr. 44—55.) Albert Alfred, Kaufmann, geb 25. Juni 1888, Wien IV, Schleiimühlgasse 1 a. Bittner Dr. Karl, Privatbeamter, geb. 15. Mai 1876 in Czernowitz, Wien III, Rüdengasse 25. Nr. 4 Engländer Feigl, geb 2. Februar 1896 in £udnik, Wien II, Arnetzhoferstraße 10. Frieder Gisela, Kleidermacherin, geb. 10. August 1898, Wien XVII, Ottakringerstraße 26. Friedmann Dr. Walter Wolf, Chemiker, geb. 26. November 1878 in Berlin, Wien IV, Schönbrunnerstraße 3. Kornitzer Hugo, Druckereiarbeiter, Wien XX, Staudingergasse 14. Kraus Gisela Hermine, Private, geb. 16. Juli 1895, Wien VI, Mariahilferstraße 22. Lederer Martha, geb. 21. Juli 1892 in Königgrätz. Scheuer Gisela, geb. 8. August 1886 in Korneuburg, Wien II, Brigittenauerlände 6. Wechsler Jakob, Kaufmann, geb. 5. Dezember 1873 in Fokschani (Rumänien), Wien VI, Bürgerspitalgasse 5. Wittner Dr. Oskar, Advokaturskandidat, Wien III, Kegelgasse 30. Silber Max, ledig, Schuhoberteilherrichter, geb. 21. Februar 1885, Wien XVI, Hartlgasse 27. Briefkasten der Redaktion. Mitglied der Chewra Kadischa. lieber die plötzliche Entlassung des Beamten H. und deren Gründe sind wir informiert. Wir halten jedoch eine publizistische Erörterung für unangemessen; bringen Sie die Sache in der nächsten Generalversammlung zur Sprache. „Ein Gelehrter". Wir danken Ihnen für Ihre freundliche Zuschrift, allein wir haben leider keinen Raum, um über die Vorträge in der Eschenbachgasse, wo Protektionskiinder des Kultuspräsidenten alten Kohl aufwärmen, zu berichten. Uebrigens sollte Ihnen ja auch bekannt sein, daß die Vorträge dieser Saison nur Kandidatenreden für den Leopoldstädter Tempel sind. Die Provinzgemeinden kennen bloß eine Probepredigt; in Wien hat ein geistreicher Kopf noch die Brautschau vor der Probepredigt erfunden. K. Verschonen Sie uns mit Ihren Karten! Wir lassen uns in Ihre persönlichen Affären mit dem Kultusvorstande nicht hineinzerren. Wir erhalten vom Gemeinderat Dr. Oskar Hein nachstehende Zuschrift: An die löbl. Redaktion der „Neuen National-Zeitung" Wien. In der letzten Nummer der „Neuen National-Zeitung" ist in einer Briefkastennotiz die Bemerkung enthalten, daß die Zinsstel'gerungen in den kommunalen Häusern der inneren Stadt mit einer von mir 'angeblich im Gemeinderate gehaltenen Rede in Zusammenhang gebracht werden, in welcher ich angeblich dsr Gemeindeverwaltung den Vorwuri gemacht hätte, daß man in den kommunalen Häusern zu billig wohne. Demgegenüber erkläre ich, daß ich selbstverständlich niemals in irgendeiner Rede diese oder eine ähnliche Aeußening gemacht habe. Hingegen habe ich wiederholt die Gemeindeverwaltung deshalb auf das schärfste angegriffen, weil sie in einer Zeit der Wohnungsnot durch Einführung des W'asserhellers den Anstoß zur Steigerung der Mietzinse gegeben hat. Wie irgend jemand daran denken kann, mich für die Steigerung der Mietzi'nse in den kommunalen Häusern verantwortlich zu machen, ist mir vollständig unbegreiflich. Hochachtungsvoll Dr. Oskar Hein. A n m. der Redaktion. Hiezu wollen wir nur eines bemerken: Es tut uns sehr leid, daß Herr Dr. Hein nicht in der Lage war, unserem an ihn gerichteten Ersuchen auf Ueberlassung dieser seiner Reden, respektive der bezüglichen Exemplare des Amtsblattes zu entsprechen.

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