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Neue Nationalzeitung · 1913-01-31 · Heft 3 (31.1.1913) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XV (1913)
Issue
Heft 3 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NSÜS WßlONßL-ZEIGUNG XV. Jahrgang. Wien, 31. Jänner 1913. Nr. 3. I Erzherzog Rainer. | Nach Erinnerungen von David Kohn. München trauerte. Von den Häusern wehten müde die dunklen Fahnen. Der Prinzregent war tot. Und nun, da ich durch die Straßen Wiens schreite, weht auch hier wehmütig der schwarze Flor. Ein greiser Fürst ist heimgegangen. Als hätte der Tod sich selbst überhastet, raubte er hintereinander die beiden Erlauchten. Es glichen sich beide in vielem. Nirgends so vollends, als in dem edlen Streben, Kunst und Wissenschaft zu fördern. „Sie fragen mich," meinte der berühmte Schlachtenmaler J a n k, „ob es zutrifft, daß der Prinzregent trotz seines hohen Alters nicht ermüdet, Kunst und Künstler zu fördern? Ich kann Ihnen dies durchaus und nach allen Richtungen bestätigen. Ich könnte ihn nur mit einem vergleichen, mit Ihrem Erzherzog Rainer." In der Tat: er ermüdete niemals. Nicht nur die ganz Großen suchte er auf, deren Ruhm schon sicher stand, sondern die, die erst am Beginne waren und die des belebenden Zuspruches viel stärker bedurften. Vieles wird in diesen Tagen aus dem Leben des Erzherzogs erzählt: hübsche, traute, sinnige Episoden. Und ehe man sich versieht, fügen sie sich zum Ganzen. Schlicht, ungekünstelt, wunderbar menschlich, wie er in Wahrheit gewesen. Ein Großes darf da vor allem nicht verschwiegen werden: sein bedeutender Einfluß auf die Kunst, den er in herzlichem Verkehre mit Künstlern aller Art mit wahrem Verständnis feinsinnig übte. Einer von denen, die viel darüber erzählen können, ist unser rühmlich bekannter Meister David Kohn. Droben in seinem Atelier suchte ich ihn auf. Eine Weile sitzen wir schweigend in der Dämmerung. Es ist, als ob eine leise Wehmut den Künstler umhaucht, da die Erinnerungen an den erlauchten Toten in ihm auftauchen..... Vor sieben Jahren lernte ich Erzherzog Rainer kennen. Beim Eröffnungsrundgang im Künstlerhause, an dem er fast immer teilnahm, blieb er vor meinem Bilde stehen und zollte mir herzliche Worte des Lobes. Bald darauf fügte es sich, daß mir der Auftrag erteilt wurde, ein Bildnis des Erzherzogs Rainer zu malen. Mit einer Liebenswürdigkeit, die ich Ihnen gar nicht schildern kann, wurde meine Bitte um die dazu nötigen Sitzungen huldvollst erfüllt. Ich gestehe Ihnen, mir war anfangs ein wenig bang zu Mute. Aber von dem Augenblick, da der Erzherzog bei mir eintrat, und in seiner lebensfrischen, ich möchte sagen, lieben Art zu sprechen begann, wich jede Befangenheit. Da ich mein Atelier, wie Sie eben selbst erfahren mußten, hoch oben habe, stellte mir eine Privatpartei im zweiten Stockwerk ihren Salon zur Verfügung. Der Erzherzog erfuhr dies bald. Sofort erklärte er mir, von nun an in mein Atelier zu kommen. Meine dringenden Bitten vermochten ihn nicht mehr von seinem Entschlüsse abzubringen. Er erschien immer allein und mit einer Dieser Nummer liegt das Inhaltsverzeichnis des Jahrganges 1912 bei.

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