Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XV (1913)
- Issue
- Heft 2 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Jahrgang. Wien, 17. Jänner 1913. Nr. 2. Der Jugendgottesdienst in Wien. Lehrer. Doch wir können uns ja auch täuschen. Vielleicht wird man mit dem_jieuartigen Schüler- Konservatorium bessere Erfahrungen machen, als wir erwarten. Gehen wir auf unser eigentliches Thema über. Der Herr Präsident verkündete, wie wir lasen: „Namentlich ist es der Jugendgottesdienst, für dessen Verbesserung und Hebung wir Sorge tragen müssen, damit der Jugendgottesdienst, besonders für die Mittelschüler wenigstens, teilweise den von ihm erhofften Erfolg aufweise." Wir rufen: Bravo! Hört, hört! Wenn wir nicht irren, haben wir dieselben Worte schon vernommen. Und wir trauten unseren Augen nicht, als wir in einer Nummer dieser Zeitschrift, die sich „Neue National-Zeitung" nennt und die sicherlich nicht das Leibblatt des Herrn Präsidenten und seines ersten Herrn Stellvertreters ist, dieselbe Forderung aufgestellt fanden. Merkwürdig, welche Seelenwanderung oft Worte durchmachen und wie sie sich aus dem „Kampfblatte", genannt „Neue National- Zeitung", in den Frieden der engen Wiener Kultusgemeindestube verirren. Doch freuen wir uns, wie der Herr des Gebesserten, der zur Erkenntnis gelangte. Der Herr Präsident hat die Wichtigkeit des Jugendgottesdienstes erkannt, er sieht ein, er müsse „verbessert und gehoben" werden. Daraus ergibt sich, daß er „dermalen" nicht ganz gut sei und aui niedriger Stufe stehe. Wer aber soll ihn bessern, wer ihn heben? Doch wohl nur die Religionslehrer. Das ist klar. Mit anderen Worten: Der Religionslehrer muß durch die Macht und den Tnhalt, durch die Form und den Geist seiner Rede, durch die Exhorte, auf die „Mittelschüler besonders" wirken. Ganz unsere Meinung. Auf den Lehrer kommt alles an. Nur e r kann und soll auf seine Schüler Einfluß nehmen. Der jüdische Religionslehrer hat seine Pflicht nicht erfüllt, wenn er nur In der „Thronrede", die der Kultusgemeinde- Präsident von Wien nach seinem abermaligen Regierungsantritte am 5. Jänner 1913 hielt und die als bemerkenswert deshalb bezeichnet werden muß, da sie in Gegenwart der beiden zionistischen, durch ein Kompromiß gewählten Vertreter vom Stapel gelassen wurde, entwickelte der „Gewaltige" das zukünftige Programm, 'das dem Kultusvorstande zur Lösung vorgelegt wird. Bunt geht es in dieser Vorlage durcheinander: „Amtshaus, Repräsentationshaus mit Synagoge, Rabbiner- und Friedhofsfrage, Verhältnis zu den Türken, man erschrecke nicht — es sind die harmlosen Wiener Türken gemeint, Religionsunterricht — Aera Dr. Steiner —, Jugendgottesdienst, Bibelschule, Wohltätigkeit, Kinderspital usw." Das ist die Reihe der Fragen, die der Lösung harren. „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen", dachte wohl der Herr Präsident, als er dieses Programm den aufhorchenden Herren des Gemeinde-Parlaments vorlegte. Wir wünschen der Wiener Kultusgemeinde fröhliches Gedeihen und daß nur ein Teil dieser Aufgaben gelöst werde. In den folgenden Zeilen wollen wir uns nur mit einem Gegenstande der „Thronrede" des Präsidenten beschäftigen, allerdings mit einem sehr wichtigen — der Frage des Religionsunterrichtes und insbesondere der des Jugendgottesdienstes. Für die Jugend ist bekanntlich das Beste gut genug. Wir wissen nicht, ob die „Verbesserungen" des großen Reformators auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes, der eine Art Schüler-Parlament für diesen errichtete und auf diese Weise das Judentum der Jugend zu retten beabsichtigte,, sich wirklich bewähren werden. Zöpfisch, wie wir schon sind, meinen wir, daß insbesondere auf diesem Gebiete die Theorie, die vom grünen Tische aus ihre Ukase erläßt, sehr grau erscheint, und die Praxis lehrt, der Religionsunterricht bedürfe vor allem tüchtiger