Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 23 (22.11.1912)
- Date
- 1912-11-22
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 23 „Neue National-Zeitung"_______________________________________________Seite H rCUlLLETON. Die Assentierung. Von Scholem Aleichem. Schluß.) Bei Euch wird Jizchok aus Awrohom, und h)ig aus Jiftchok, und Alterchen aus h)ig. Nein, solche Stückchen gehen bei uns nicht an, solche Schacher machei!" — Nun überlege ich mir: Mit Schachermachei meint er vielleicht einen Rubel. Nehme ich einen Rubel heraus und will ihn ihm in die Hand drücken und sage leise zu ihm; Entschuldigen Sic, Euer Hochwohlgeboren! Da erhebt er ein mächtiges Geschrei: Bestechung!" . . . Sind gelaufen gekommen die Schreiber, und was soll ich Euch sagen, man hat mich rausgebracht. So ein Unglück! Muß ich gerade auf einen treffen, der nicht nimmt! . . . Nu, zwischen Jüden ist man nicht verloren. Ich fand einen jüd, durch den man nimmt. Geholfen hat es, wie einem Toten Schröpfköpfe helfen, und es ist dabei geblieben, daß ich noch einen Sohn habe, der Alterchen heißt, und der soll sich stellen in Worotiliwka zum Militär. Ein gut Päckel! Ich muß stärker sein als Eisen, daß ich das jähr überlebt habe. Freilich, wenn man zurückdenkt: Was brauchte ich Schaute Furcht zu haben? Zehnmai zur Gestellung — ich weiß, er taugt doch nicht, der Hund! Das heißt, wieso taugt er nicht? Taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht . . . Und da man ihn schon zweimal ausgemustert hat. Aber das überlegt man sich erst nachträglich. Damals, in einer fremden Stadt, ein Amt mit Leuten, die nicht nehmen — da soll man sagen! Wir haben aber doch noch einen großen Golt auf der Welt! Mein Alterchen, Ifcig heißt das, hat wieder einmal eine hohe Nummer gezogen, hat sich wieder gestellt. Gott hat ein Wunder getan, die Milifarkommission in Worotiliwka hat wieder gesagt „nicht tauglich" und hat ihm ein weißes Billet gegeben, ein Freischein. Hatten wir schon mit Gottes Hilfe zwei weiße Billete. Nach Hause gekommen. Freude und Wonne. Eine Mahlzeit hergerichtet. Dazugerufen fast die ganze Stadt. Gejubelt bis an den lichten Tag. Mit wem brauch ich je£t zu reden! Wer ist mir gleich? — Ein Kaiser! Je£t wollen wir zu meinem Eisik zurückkehren, er liegt und ruht, der, dem anderen zu längeren Jahren, als Kind den Samowar über sich gestürzt hat. Nun werdet Ihr ein Stückchen hören. Ein Prophet müßte man sein. Der schöne Row, der Kronsrabbiner von Worotiliwka hatte vergessen, ihn in der Matrikel auszulöschen, den Verstorbenen nämlich; und mir wird als Schuld gerechnet, ich hätte noch einen Sohn Eisik, der sich dieses Jahr zum Militär stellen müßte. Eine Bombe war das. Was ist das für ein Unglück auf mir? Eisik ist schon lange auf jener Welt, so spreche ich zu mir, und berede mich mit unserem Rabbiner was man tun soll. — „Die Sache ist nicht gut", sagte er. — „Wieso?" sag ich — „Sie ist nicht gut", sagt er, „weil h)ig und Eisik derselbe Name ist." — „Wieso?" sage ich, „ist h)ig und Eisik derselbe Name?" — Sagt er „h}ig ist Jizchok, jizchok ist Issak, Issak ist Isak und Isak ist Eisik." Gut gedreht: Kurz was soll ich Euch sagen! — man sucht meinen Eisik, man bringt mir die Order, er soll sich stellen zum Militär. In meiner Stube hat sich neues Gewein erhoben. Was sag ich, Gewein? Als wäre das Heiligtum zerstört! Erstens hat meine Frau, sie soll leben, sich des Verstorbenen erinnert, die alte Wunde hat sich wieder aufgetan. Besser, sagte sie er lebte und müßte sich je£t zum Militär stellen, als daß sein Gebein in der Erd liegt. Zweitens hat sie Angst, vielleicht, am Ende doch, Gott soll hüten, nicht werden soll es und nicht kommen, ist es so, wie der Rabbiner sagt, daß It>ig ist Jizchok und Jizchok ist Issak und Issak ist Isak und Isak ist Eisik, und das wäre wirklich nicht gut. So sagt sie, meine Frau, sie soll gesund sein, und legt die Welt ein, die Schwiegertochter fällt in Ohnmacht, wie gewöhnlich. Ist es denn auszureden: ein einzigdiger Sohn, ein einundeinzigdiger, ein ganz echter, wahrhaftiger, koscherer, mit einem vollkommenen Militärbefreiungsprivileg, hat sich dreimal gestellt, hat zwei weiße Billette und ist noch nicht fertig . . . Habe ich die Füße in die Hand genommen und bin nach Jehupe£ gefahren, um mit einem richtigen Advokaten zu beraten. Meinen Sohn habe ich mitgenommen, mit ihm zu einem Professor zu gehen, um zu hören, was der Professor sagen wird, ob er tauglich ist oder nicht. Zwar weiß ich allein ganz gut, daß er nichts taugt, der Hund. Das heißt, taugen taugt er schon, nur zum Soldaten taugt er nicht . . . Und weun ich werde hören, was der Advokat sagen wird, werde ich schon ruhig schlafen könnnen, werde nicht mehr mit der Militär-Gestellung zu tun haben. Aber es stellt sich heraus, die Advokaten und die Professoren wissen alle zusammen nichts. Der eine sagt so, und der andere sagt so; was der eine sagt, hält der andere für falsch — meschugge könnte man werden. Der erste Advokat, den ich traf, war ein großer Kopf, ein stumpfer, trot} der großen Stirn mit einer mächtigen Glal>e, wie um Lockschenteig darauf auszurollen. Er hat nicht einmal verstehen können, wer Alterchen ist und wer It?ig, und wer Awrohom Jizchok ist, und wer Eisik gewesen ist. Ich erzähle ihm noch einmal und noch einmal, Alterchen und Awrohom Jizchok und l£ig sind ein Mensch, und Eisik ist der, der den Samowar über sich gegossen hat, als ich noch in Worolliwka gewesen bin. Wie ich meine, daß ich mit ihm fertig bin, fragt er mich eine ganz neue Frage: „Sagt nur, wer ist der älteste, l£ig oder Alterchen oder Awrohom Jizchok?" — Hat man schon so was gehört! Sag ich ihm : «Ich hab Euch schon fünfzehnmal gesagt, daß h)ig und Awrohom Jizchok und Alterchen ist alles eine Person: das heißt, sein wirklicher Name ist l£ig, das heißt Awrohom Jizchok, nur rufen ruft man ihn, seine Mutter, meine ich, Alterchen. Seine Mutter hat ihn so verzogen. Und Eisik ist der, der den Samowar über sich gegossen hat, als ich noch ein Worofliwkaer gewesen bin.';