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Neue Nationalzeitung · 1912-10-11 · Heft 20 (11.10.1912) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 20 (11.10.1912)
Date
1912-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NEUS NGDONÄL-ZEiCÜNG RERflUSGgBBRI DrS.^.LNNÖ^Ü XIV. JAHRGANG. WIEN, 11. Oktober 1912. Die Frankfurter Konferenz. Nr. 20. Die galizische Judenschaft ist um eine Hoffnung ärmer. Es war auch gar keine Hoffnung, sondern ein trügerischer Schimmer, ein Irrlicht, mit dem die jüdischen Volksmassen — von ihren „Führern" durch Jahre geblendet — nun in den Morast der Verzweiflung verführt wurden. Die Hilfsaktion ist unter den Tisch gefallen. In der vorigen Nummer dieses Blattes hat ein Comite- Mitglied der „Samopomoc" das Glück und Ende dieses Versuches einer jüdischen Selbsthilfe in Galizien geschildert und festgestellt, daß an dem Scheitern dieser Aktion dieUnfähigkeitderjüdischenFührer, ein Arbe itsprogramm zu schaffen, ihr Mangel an Ernst und ihr politisches Strebertum, das nur auf die Erhaltung des Mandates bedacht ist, Schuld tragen. Der Verfasser, der keiner Partei angehört und daher ganz objektiv urteilen konnte, hat damit das Richtige getroffen. Er hat uns die Personen, die an der Spitze der jüdischen Parteien in Galizien stehen, in ihrer ganzen Jammergestalt enthüllt und sie als schmutzige Demagogen entlarvt, die sich mit fremdem Gelde ihre Mandate und Positionen assekurieren möchten. Allein die Oeffentlichkeit kennt die zweideutige Rolle dieser Herren viel zu wenig. Es wird daher gut sein, wenn von der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und jeder selbst nachträglichen Berichterstattung in Frankfurt am Main am 30. Juni abgehaltenen Konferenz etwas genaueres bekannt wird. Diese Konferenz wurde von der ICA. nach Frankfurt einberufen, weil die Wiener Konferenzen zu gar keinem Resultate geführt hatten. In dieser Konferenz sollten endlich, wie der erste Punkt der Tagesordnung lautete, „Maßnahmen zur unverzüglichen Aufnahme der Tätigkeit des Vereines „Samopomoc" beschlossen werden. Es kamen aus Wien die Repräsentanten der Baron Hirsch'schen Schulstiftung und des Hilfsvereines für Galizien, aus Böhmen ein Vertreter der Bnei-Brits und aus Galizien vier Herren; Samuel v. Horowi tz (wo ist denn der Schwiegersohn, Dr. v. Löwenstein, geblieben?) Dr. Adolf Groß, Dr. S. Reich und Julius Eisler (Zionist). Die reichsdeutschen Konferenzteilnehmer u. zw. Delegierte der ICA., des Berliner Hilfsvereines, der Großloge für Deutschland, des jüdischen Frauenbundes, des Frankfurter Hilfskomitees für die notleidenden osteuropäischen Juden usw. erwarteten von den galizischen Delegierten das erlösende Wort: ein detailliertes Arbeitsprogramm unter Vorlage des Tatsachenmaterials und einen Kostenvoranschlag unter Sicherung eines galizischen Beitrages. Die galizischen „Säulen" haben aber weder das eine noch das andere mitgebracht. Sie entpuppten sich in der Gesellschaft ernster, sozialpolitisch geschulter Männer als Schwätzer und hohle Demagogen. Dr. Groß pries sein Steckenpferd der billigen Wohnungen, mit dem er die Not von 800.000 galizischen Juden lindern will und versprach, für einen Baukredit von einer Million Kronen 200 billige Wohnungen zu schaffen; Horowi tz als Sachverständiger auf dem Gebiete des Eskomptes, empfahl die Gründung von Vorschußkassen, welche die ICA. ohnehin gründet. Horowitz und sein Kreis, zu dem ja zahlreiche Millionäre (Dr. Schaff, Dr. Kolischer u. A.) gehören, haben das ganze Geld zur Hilfsaktion nur von der ICA verlangt. Welche Gnade, wenn sie sich selbst noch dazu herbeilassen, dieses Geld zu verwalten! . . Allgemein fiel bei der Konferenz auf, daß sich die Herren von der „Samopomoc" nur für die ökonomische Seite des galizischen Judenproblems und nicht für die ebenso wichtige k u 1 tu r e 11 e interessieren. Dr. Groß will den armen Juden von Krakau billige Wohnungen geben, Horowitz will den galizischen Juden billige Darlehen verschaffen — sonst aber mögen die Juden physisch zugrunde gehen, in Fanatismus und Unbildung verkommen, mögen Prostitution, Mädchenhandel und Massentaufen in den Kreisen der beschäftigungslos herumlungernden Judenmädchen

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