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Neue Nationalzeitung · 1912-09-27 · Heft 19 (27.9.1912) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 19 (27.9.1912)
Date
1912-09-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 „Ueue tfational-2eitungu um dem Volke zu helfen, ohne Mitwirkung der politischen Streber und Makler. Sind ja doch alle bisherigen Institutionen ohne diese Gesellschaft zustande gekommen. Die Schönfärberei im Berichte läßt verschiedenen Kommentaren freien Raum. Und da drängt sich die Frage auf: Wer hat ein Interesse daran, die wirtschaftliche Katastrophe der Juden in Galizien vor der ICA zu verheimlichen? Wie kommt es, daß ein aus ernsten Männern bestehendes Direktorium statt konkrete Tatsachen anzugeben, mit allgemeinen Schlagworten herumwirft, wenn es sich um das Wohl und Wehe von Hunderttausenden allerärmster Juden handelt? Wo bleibt das Pflichtbewußtsein und das Verantwortlichkeits-Gefühl? Wo bleibt die jüdische Presse? Sie hat sich bisher viel zu wenig mit der ICA und ihren Berichten beschäftigt. Es wäre gut, die Leitung der ICA von Fall zu Fall zu erinnern, daß trotz der Kooptation die öffentliche Kontrolle noch immer nicht ausgeschlossen werden kann. L. Die gescheiterte Hilfsaktion in Galizien.*) Das Verdienst, die Anregung zu einer Hilfsaktion für die arme, geistig, physisch und moralisch rückständige jüdische Bevölkerung in Galizien gegeben zu haben, gebührt unstreitig der großen jüdischen philantropischen Organisationen des Westens, in erster Reihe der ICA. Sie haben den guten Willen bekundet, nach Möglichkeit diesem Elend abzuhelfen. Mit der Durchführung wurde Justizrat Dr. Blau (Frankfurt am Main) betraut. Es stand von vorneherein fest, daß eine derartige Aktion nur unter Heranziehung der führenden Männer in Galizien durchgeführt werden kann. Es wurden daher mehrere Konferenzen abgehalten, Gutachten von verschiedenen, maßgebenden Führern eingeholt und hernach beschlossen, ein Komitee, bestehend aus 42 Mitgliedern, die eine Hälfte von den westeuropäischen Organisationen, die andere Hälfte aus Galizien unter der Präsidentschaft des Justizrats Dr. Blau ins Leben zu rufen, das diese Aufgabe zu erfüllen hätte. Die Komitee-Mitglieder aus Galizien waren allen politischenParteischattierungen entnommen, um mit vereinten Kräften diese schwierige Lösung herbeizuführen. Es wurde auch gleich anfangs von mehreren Seiten betont, daß diese Institution nicht nur die materielle, sondern auch die geistige Hebung anstreben soll, da die mangelhafte und verwahrloste Erziehung der Jugend hauptsächlich die Ursache aller Kalamitäten ist und nur durch eine rationelle berufliche Ausbildung der Jugend, diesem Uebel gesteuert werden könnte. Die Abfassung der Statuten und Ueberreichung an die Landesbehörde zur Genehmigung erlitt aus unbekannten Gründen, eine (merkliche) nach Monaten zählende Verzögerung und konnte die erste Sitzung behufs Konstituierung des Komitees erst im Jänner 1912 in Lemberg stattfinden. Es zeigte sich aber gleich bei dieser Sitzung, daß die Führer selbst sich nicht klar waren, was an- *) Ein Mitglied des HiJfsaktions-Komitees hatte die Freundlichkeit, uns diesen Aufsatz als Bericht über den Stand der Hilfsaktion zu übermitteln. Die Redaktion. zufangen und überhaupt keinen bestimmten Plan über die Tätigkeit vorlegen konnten. Dagegen waren diverse Ansichten von den verschiedenen Parteien zum Ausdruck gebracht worden, die eine Konstituierung unmöglich machten. Das Komitee hat darum seine Tätigkeit nicht begonnen und kein Lebenszeichen von sich gegeben. Es hat einfach den Winterschlaf durchgemacht. Um es wieder aufzurütteln und zum Leben zu erwecken, fand Ende Juni in Frankfurt eine Sitzung statt, wozu alle Mitglieder geladen waren, aber nur wenige aus Galizien erschienen sind. Die Vorschläge aber, die von den sogenannten Führern gemacht wurden, beweisen leider, daß diese es gar nichternstmitderAktionmeinen. Alle wollen die Aktion nur für ihre Parteizwecke ausnützen, um sich die Gunst der Massen zu erobern. Dr. Gross aus Krakau z. B. hat sein Steckenpferd, die Errichtung billiger Wohnungen, bestiegen, als wenn dies das einzige probate Mittel wäre, die Not und das Elend unter den galizischen jüdischen Massen zu bannen. Dies ist nach Ansicht von Fachmännern kein speziell jüdisches Problem, und kann und wird auch den armen Juden in Galizien gar nichts helfen. Ein zweites, von Herrn v. Horowitz vorgebrachtes Projekt, die Errichtung von Vorschußkassen, ist zwar geeignet, teilweise die Lage der armen Juden zu verbessern, aber dies ist bereits vor Jahren von der „ICA" in Angriff genommen worden und bestehen bereits etwa 30 solcher Kassen in verschiedenen Städten in Galizien. Zu diesem Zwecke brauchte man doch nicht die „Selbsthilfe" zu schaffen und erscheint sie somit ganz Überflüssig. Ein anderes System von Spekulationsbanken, die den Mitgliedern reichen Gewinn bringen würden und die vielleicht auch nebenbei geplant sind, werden sicherlich den armen Juden in Galizien gar keinen Nutzen bringen. Wenn die Führer selbst mit solchen Projekten hervortreten, so bekennen sie selbst, daß die „Selbsthilfe" ganz überflüssig sei und in solchem Falle das Werk nicht lebensfähig ist und ein todgeborenes Kind bleiben wird. Wenn jetzt das Werk nicht gelingen wird, so liegt die Schuld nur in dem Verhalten der jüdischen Führer inGalizien, denn die westeuropäischen Organisationen haben die Hand geboten, um gemeinsam, vorausgesetzt, daß die Juden Galiziens auch materiell in gewissem Maße beitragen werden — die Notlage zu bekämpfen. Horator. $6 SM £§5 £5$ £Sö $b I 1 1 i! 1 i; 1 i! ff ^« i! 5» i Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. ^ip^ ^si^ 00&^0y0t0&m9mm0*m0mmBaetmta&^ «u»i#-m-* w « mwwwwn^i^w

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