Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 18 (13.9.1912)
- Date
- 1912-09-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung Nr. 18 Außer mehreren kleinen Ausflügen zur Bereicherung der Landes- und Pflanzenkunde unternahmen während der schulfreien Tage des Chanukah-Festes sämtliche Schüler der I. und IL Klasse in Begleitung^ von drei Lehrern, zusammen 51 Personen, einen zweitägigen Ausflug zu Wagen nach Jericho, dem Jordan und dem Toten Meer. Über diesen Ausflug berichtet Herr Press, der Prorektor der Lämelschule: Von vorzüglichem Wetter begünstigt, gestaltete sich der Ausflug zu einer wahren Freude für die Schüler, von denen die meisten früher über die nähere Umgebung von Jerusalem nicht hinausgekommen waren. Am ersten Tage bewegte sich der Wagenzug bei bester Stimmung der Ausflügler über den Ölberg am Wadi-l-Kelt (dem Bache Krith der Bibel) vorbei in die Jordanebene hinunter, um von Jericho aus direkt zum Jordan zu fahren. Unter dem heiteren Dezemberhimmel Palästinas wechselten fortwahrend die herrlichsten Landschaftsbilder, da die Ausflügler während eines Vormittags in eine Tiefe von rund 1200 m hinabstiegen. Bei der Ankunft am Jordan wurde die muntere Schar von Herrn Dr. Brühl, dem Führer der Expedition des Berliner Vereins für Palästinaforschung, begrüßt und in freundlicher Weise in seinem Zelt mit filtriertem Jordanwasser bewirtet. Am Ufer des Jordans wurde im Schatten der Weiden und des Schilfes das Mittagsbrot verzehrt und dann eine kleine Kahnfahrt auf den sanften Wellen des Flusses unternommen. Von hier fuhren wir in anderthalb Stunden zum Toten Meer, wo die Nacht vorher infolge eines heftigen Sturmes das einzige Motorboot untergegangen war. Jetzt war das Meer wieder so sanft, wie meist und daher durften die Schüler in dem spezifisch schweren, fettigen, bittersalzigem Wasser des Sees baden. Währenddessen verlegten sich andere eifrig auf das Sammeln von Steinen, Asphalt- und Schwefelstücken, teils, um für sich selber ein Andenken mitzunehmen, teils um die geologische Sammlung der Schule zu bereichern. Auf der Fahrt vom Toten Meer nach Jericho wurden die Salzkruste auf dem Mergelboden der Ebene sowie die wenigen Salzkräuter beachtet. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang gelangte man auf dem Marktplatz von Jericho vor der Quelle an. Im großen Eßsaal des Hotels wurde dann eine erhebende Chanuka h-F e i e r veranstaltet, und nach der gemeinsamen Mahlzeit wurden die Ereignisse des Tages an der Hand der Karte und mit Benutzung der heimatkundlichen und historischen Kenntnisse der Schüler besprochen. Mit erfrischten Gliedern brachen die Touristen am anderen Morgen früh zur nördlich von Jericho gelegenen, sehr wasserreichen Sultans-Quelle (Ein-es-Sultan) auf, neben welcher die im Jahre 1907 von Sellin ausgegrabenen Ruinen von Alt-Jericho besichtigt wurden. Ein Teil der Schüler, der besonders gut zu Fuß war, bestieg unter Führung eines Lehrers den steilen Quarantäne-Berg,: um die Einsiedlerhöhlen und das Kloster zu besichtigen während die übrigen sich zu Wagen und zu Fuß zwischen den prangenden Gartenanlagen der wasserreichen Oase nach Jericho zurückbegaben. Um 11 Uhr vormittags trat die Schar die Heimreise an. Unterwegs verließen sie die Wagen, um auf einem schmalen Fußsteig |n den wildromantischen, wildflutenden Bach Krith hinabzusteigen und das an der steilen Felswand wie ein Adlernest hängende griechische Strafkloster Mar Elais zu besichtigen. Wirbitten unsere Freunde; die „Neue National-Zeitung*4 überall in Lokalen und auf den Bahnhöfen, in Lesehallen, Cafes, Hotels, Restaurants und Vereinen zu verlangen. tylSflllCN WeiTOilSN Eine Taktlosigkeit des tarnower Bischofs Watenga. Der Lemberger „Monitor" des Abgeordneten Breiter berichtet über folgende Manierlosigkeit des Tarnower Bischofs, die nicht nuf in jüdischen, sondern auch in christlichen Kteisen Entrüstung hervorgerufen hat. Am 19. August kam Bischof Walenga nach Dombrowa zur Visitation und haben die Juden aus diesem Anlasse ein T r i u m p h t o r errichtet, vor dem sie ihn unter Führung des Rabbiners erwarteten. Für diese Aufmerksamkeit, die doch jeder gesittete Mensch mit einigen Dankworten zu quittieren pflegt, hat sich Bischof Walenga in der Weise revanchiert, daß er durch die Pforte in rasendem Galopp durchfahren ließ, ohne die jüdische Deputation auch nur eines Wortes zu würdigen. Dieses Vorgehen wird im „Monitor" aufs schärfste gebrandmarkt; wir denken aber, daß Herr Walenga nur bewiesen hat, daß er wohl ein Amt, aber keinen Verstand und keinen Takt hat. Die galizischen Juden werden es sich künftighin wohl überlegen müssen, ob sie noch einem Bischof ein Triumphtor errichten sollen. Die Auszeichnung des Dr. Arnold Hildesheimer. Für die Schenkung eines mit einer Radiostation versehenen Automobils an die österreichisch-ungarische Militärverwaltung, wurde Herr Dr. Arnold Hildesheimer mit dem Komthurkreuz des Franz Josef-Ordens dekoriert. Dr. Hildesheimer ist ein Enkel des verstorbenen Berliner Rabbiners und Seminar-Direktors Dr. Israel Hildesheimer. Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, daß jüdische Millionäre, um den Adel oder einen Orden zu verlangen, namhafte Beträge für militärische, künstlerische, ja sogar — eucharistische Zwecke spenden. Das ersehnte Bändchen oder Ordensdekret stellt sich dann gewöhnlich ein. Kein Wunder, daß die Leute keine Lust mehr haben, fhx jüdische Zwecke zu stiften. Die hohen Feiertage — dienstfrei. Der k. u. k. Militär- und Landwehrstationskommandobefehl vom 29. August 1912, enthält folgende Verlautbarung: Auf Ansuchen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien bewilligt das Korpskommando, daß die Mannschaft israelitischen Glaubens der in Wien dislozierten Truppen und Anstalten nach Zulässigkeit des Dienstes folgendem Gottesdienste beiwohne: Feier des Neujahrsfestes. Mittwoch, den IL und Donnerstag, den 12. September 1912, von 4 Uhr 30 bis 8 Uhr 30 nachm., sowie Donnerstag, den 12. und Freitag, den 13. September von 6 bis 12 Uhr vorm. Feier des Versöhnungsfestes. Freitag, den 20. September, von 4 Uhr bis 8 Uhr 30 nachm. und Samstag, den 21. September, von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Der Militärgottesdienst für die israelitischen Heeresangehörigen der Garnison Wien wird im Sofiensaale, III., Marxergasse 13, abgehalten werden. Die Einjährig - Freiwilligen israelitischen Glaubens sind an den Tagen des Versöhnungsfestes, am 20. und 21. September d. J., tunlichst von jedem Dienste zu entheben. Die betreffende Mannschaft ist diesmal geschlossen zum obgenannten Lokal zu führen. Den Herren Offizieren und Militärbeamten des Aktiv- und Ruhestandes werden über schriftliches oder persönliches Verlangen vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Betsitze für die feierlichen Gottesdienste zur Verfügung gestellt. Die jüdische Abstammung des Baron Alfred Berger, ,:von der wir in der Ittzttn- Nummer geschrieben haben, beschäftigt auch den Feuilletonisten des „FremdenblattV In dem Feuilleton vom 8. d. M. lesen wir folgendes: „Da begann er (Baron Alfred Berger) nun ganz fein zu lächeln, nun er darauf zu sprechen kam, daß in seinen Adern auch ein bißchen jüdisches Blut fließe. Der Vater des Ministers Berger war fürstlich Liechtensteinscher Beamter in Nie-