Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 17 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Seite 9 fügte er lächelnd hinzu, sei den Antisemiten entgangen, daß seine Mutter (des Baron Berger) jüdischer Abstammung war und er schäme sich dessen gar nicht . . . Die marokkanischen Juden als französische Bürger. Durch eine Massenpetition, welche von allen Rabbinern Frankreichs und der Kolonien sowie von zahlreichen jüdischen Notabilitäten der französischen Republik unterschrieben ist, suchen jetzt die in Marokko lebenden, nach tausenden zählenden Juden um ihre Naturalisation en bloc zu französischen Staatsbürgern nach. Sie stützen sich dabei auf den Präzedenzfall der loi Cremi'eux, welches Gesetz 20.000 algerische Juden mit einem Schlage en bloc zu Franzosen machte. Man darf auf die Aufnahme der Petition gespannt sein. Die Assentierung und die jüdischen Feiertage. Der ungarische Landesverteidigungsminister FML. Hazai hat eine Verordnung erlassen, in welcher er die Assentierungskommissionen anweist, an den hohen jüdischen Feiertagen die Rekrutierung zu unterbrechen. Insoferne das nicht möglich wäre, sollen die Stellungspflichtigen jüdischer Konfession für den 12., 13. und 21. September keineswegs vorgeladen werden. Gehetmrat Dr. Jakob Rosanes, Professor der Mathematik an der Breslauer Universität, feierte am 16. ds. Mfs. seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar stammt aus Brody in Galizie i. 1865 erwarb er in Breslau den Doktorgrad und begann auch hier fünf Jahre später seine akademische Laufbahn als Privatdozent. 1873 wurde er außerordentlicher und 1876 ordentlicher Professor. Im Studienjahre 1903 04 war er Rektor der Breslauer Hochschule. Seit 1911 ist Rosanes von seiner akademischen Tätigkeit entbunden. Geheimer Regierungsrat Rosanes ist mütterlicherseits ein Enkel von R. A k i b a Eger s. A. Das Budget der jüdischen Gemeinde Berlin. Nach dem soeben veröffentlichen Rechnungsabschluß hat der Etat des letzten Jahres 4-5 Millionen Mark überschritten. (In Wien betrugen laut dem letzten Rechnungsabschlüsse die Einnahmen K 3,263.939). Die Ausgaben in Höhe von 4,507.803 Mark überstiegen die Einnahmen um 77.030 Mark, während das Vorjahr einen Ueberschuß von nahezu 413,000 Mark aufwies. Für Andachtszwecke gab die Gemeinde 785.000 Mark, für das Schul- und Bildungswesen fast eine halbe Million aus. Neben einer Knaben- und einer Mädchenschule, einem Lehrerseminar, Fortbildungskursen usw. wurden 15 Religionsschulen unterhalten. Die Ausgaben für soziale und Wühlfahrtszwcckc überstiegen eine MillionwMark. Die Schulden der . Gemeinde belaufen sich auf über 10 Millionen Mark. Die Steuereinnahme betrug, bei einem Rückgang der Zensiten von 48.061 auf 37.564, die Summe von 2,248.858 Mark. (In Wien mit einer weitaus größeren jüdischen Einwohnerzahl ergab die Kultussteucr im Jahre 1911 K 1,413.947, also fast die Hälfte. EineiChrfstliche Aristokratin als Förderin eines jüdischen Theaters. Mangels genügender Unterstützung seitens des jüdischen Publikums hätte das Londoner jüdische Theater seine Hallen schließen sollen. Nun kommt aus London die interessante Meldung, daß die Existenz "dieses mit so großen Opfern erbauten jüdischen Theaters wenigstens für die nächste Saison wieder gesichert ist. Eine Dame der christlichen englischen Aristokratie, Lady W e rm engton, hat begonnen, sich für die Sache zu interessieren und h.;t bereits aus eigenen Mitteln 10.000 Mark für das Theater zur Verfügung gestellt. Die edle Dame hat auch eine Aktion eingeleitet, um auch andere Kunstfreunde der Londoner Gesellschaft für die Erhaltung des Theaters zu gewinnen. Beschämend ist es, daß die reichen Juden von London auch auf die Intervention dieser vornehmen Dame ihre UnterstützungTverweigerten, weil sie der Meinung sind, daß ein Jüdisches Theater in London heute keine Existenzberechtigung habe. Zum Schutze jüdischer Kaufteute gegen die Sonntagsruhe. Die Breslauer Handelskammer hielt \i\ngst eine Vollsitzung ab, in welcher der Syndikus Prof. Riesenfeld u. a. über die Stellungnahme der Kammer zum Entwürfe eines Reichsgesetzes, durch das die Sonntagsruhe neu geregelt werden soll, berichtete. Die völlige Sonntagsruhe würde einen besonderen Nachteil für die am Sabbat geschlossenen Geschäfte bedeuten. Seit geraumer Zeit wird daher lebhaft über die Frage gestritten, ob das kommende Gesetz eine besondere Bestimmung über die Sonntagsarbeit in den Geschäften der „gesetzestreue na j ft d i s c h e n Kauüeute enthalten solle. Es handelt sich um Firmen, die am Sabbat und an den j ü d i s c h e n F e i e rtagen ihre Läden völlig geschlossen halten und ihren Geschäftsbetrieb ganz ruhen lassen. Sie verlangen, daß es ihnen erlaubt sein solle, ihre jüdischen, nicht auch ihre christlichen Angestellten Sonntags fünf Stunden lang zu beschäftigen. Es sei das eine Forderung der Billigkeit und der Zweckmäßigkeit; denn, wenn die jüdischen Angestellten am Sabbat frei hätten, könnten sie ganz gut am Vormittage des Sonntags einige Stunden schaffen. Zwei volle Feiertage In der Woche könne kein Angestellter verlangen: Das Geschäft würde zu sehr darunter leiden, weil man am Sonntag nichts nachholen könnte. Die Kammer hat deshalb schon aus früherem Anlaß die Regierung gebeten, daß es bei gesetzlicher Einführung der Sonntagsruhe solchen Geschäften gestattet werden möge, an den Sonntagen die jüdischen Angestellten eine gewisse Zeit zu beschäftigen. Obwohl die Verbände der Angestellten gegen dieses Verlangen heftig stritten, ist es im Entwurf als gerechtfertigt anerkannt worden. Der neue Gesetzentwurf gestattet die Beschäftigung bis zur Dauer von 5 Stunden. Da die Handlungsgehilfen-Verbände dagegen Widerspruch erhoben hatten, haben die betreffenden jüdischen Kaufleute die Kammer dringend gebeten, für Aufrechthaltung der im Entwürfe vorgesehenen Bestimmung einzutreten. Der Kleinhandel-Ausschuß der Kammer will in Verfolg seines früheren Verhaltens der Bitte nachkommen. Weil aber der Entwurf nach Ankündigung im Erlaß der Minister des Innern, des Handels und des Kultus umfassende Änderungen erfahren dürfte, und weil die Angestellten ihren Kampf fortsetzen, haben sich die treu an den jüdischen Glaubenssatzungen festhaltenden Kaufleute in Breslau, sowie in vielen anderen Städten, zusammengeschlossen, um gemeinsam bei den gesetzgebenden Körperschaften zu bewirken, daß ihr Wunsch e füllt werde. In Oesterreich mit seinen zahlreichen jüdischen Handelskammerpriisidenten und Abgeordneten und noch zahlreicheren orthodoxen Kaufleuten geschieht vorläufig gar nichts. König Ferdinand und die Juden. Aus Sophia wird berichtet: Dieser Tage empfing König Ferdinand die jüdische Deputation, die ihm die Glückwünsche der bulgarischen Juden und das Jubiläumsgeschenk der Kultusgemeinden, bestehend aus einer Thorarolle mit den dazu gehörigen kunstvoll ziselierten Silbergeräten überbrachte. Auf die Ansprache des Führers der Deputation, Groürabbiners von Bulgarien Dr. Ehrenpreis, dankte der König mit großer Wärme für die dargebrachten Glückwünsche der Juden Bulgariens und „für das herrliche symbolische Geschenk", das er mit besonderem Vergnügen entgegennehme. Der König sagte unter anderem: „Ich bitte Sie, Herr Großrabbiner, seien Sie bei Ihren Glaubensgenossen der Dolmetsch meiner besonderen Erkenntlichkeit für diese zarte Aufmerksamkeit, die mich tief rührt, und meiner stets unwandelbaren aufrichtigen Sympathien für meine jüdischen Untertanen. Ich habe schon oft Gelegenheit gehabt, Ihnen zu sagen, wie sehr ich das jüdische Volk hochschätze, und daß ich stets in meinen jüdischen Bürgern ein Element der Ordnung und des Fortschrittes im Lande sehe; sagen Sie Ihren jüdischen Mitbürgern, daß Sie allezeit auf mein Wohlwollen rechnen dürfen." Die letzte Volkszählung in Oesterreich (vom Jahre 1910 hat bezüglich der Juden folgende Ziffern ergeben: Die Zahl der Juden in der österreichischen Reichshälfte ist von 1900 bis 1910 von 1,224.899 auf 1,313.687, also um 88.788 gestiegen. Die weitaus überwiegendeMeluhet wohnt in Galizien und in der Buko-