Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 16 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 raschung nicht unterdrücken, schnellte von seinem Sitze empor, gewann aber bald seine Fassung und das stolze Wesen wieder. „Es ist schön von ihm", sprach er, „daß er mir mein Eigentum zurückstellt, denn bei Leuten seinesgleichen ist man nicht daran gewöhnt. War wirklich kein größerer Betrag in der Tasche? Denn ich kann mich darauf nicht erinnern!" Leib war von dieser Arroganz empört, konnte aber für seine Entrüstung keine passenden Worte finden. Der Graf bemerkte seine Aufregung, und sich stolz emporrichtend, meinte er: „Vergesse er nur nicht, vor wem er steht. Finderlohn kann er nicht beanspruchen, denn die Brieftasche war ja nicht verloren, aber hier nehme er", und er legte eine 10 Gulden- Note auf den Tisch. Jetzt richtete Leib sich stolz empor, seine Augen leuchteten, und mit einer verächtlich zornigen Gebärde schleuderte er die Banknote dem Grafen zu Füßen. „Dieses Benehmen war eines Grafen unwürdig und ein Almosen verlangt der Jude nicht", quoll es über seine Lippen und, ohne sich umzublicken, verließ er das Zimmer. Gebeugt und langsamen Schrittes trat er den Heimweg an und sein Blut wallte ob der ihm widerfahrenen Behandlung. Dieser schnöde, gräfliche Dank, raubte ihm beinahe die Besinnung, und in seiner begreiflichen Erbitterung war er nahe daran, seinen Schritt zu bereuen. In dieser Gemütsverfassung langte er zu Hause an. Da kam Berl, der Belfer, herangestürmt, seine Wangen glühten, die Augen funkelten, der Atem keuchte und „Malkele"* kam es mit schwerer Mühe über seine Lippen. In seiner Rechten hielt er triumphierend einen langen, schmalen Lotteriezettel und „tausend Gulden gewonnen", kam es gurgelnd aus seiner Kehle. Leib richtete stumm und gerührt einen dankbaren Blick gen Himmel. Liste der Ausgetretenen, Vom 25. Juli bis 12. August 1912. (Nr. 347 -383.) Adler Moritz, geb 10. April 1884 zu Wien, III., Sofienbrückengasse 3. Altschul Henriette, Lehrerin, geb. 24 Jänner 1870, V., Stollbergg. 20. Auer Leo, Beamter, geb. 15. Oktober 1878, Pilsen, II., Praterstr. 25. Blum Bertha, Private, geb. 23. Jänner 1881, XVI., LorenzMandlg 17. Blum Israel Samuel, k. k. Rechnungsassistent, geb. 8. Februar 1879, Lemberg, XVL, Lorenz Mandlgasse 16. Fischer Fanny, Haushälterin, geb. 23. Dezember 1881, Ujvidek, Ungarn, XVII., Geblergasse 41. Fischer Malvine, Verkäuferin, geb. 25. Februar 1855, Zablga, Ungarn, XVI., Hubergasse 14. Gottlober Salomon, Sollizitator, geb. 1. Oktober 1886 zu Rpstow a. Don, VI., Stiegengasse 16. Holländer Romano, geb. Hartl, Beamtensgattin, geb. 6. Jänner 1882, Wien, XIX., Heiligenstädterstraße 9. Klarville Hildegard Edle v. geb. Goldschmidt, Fabrikantensgattin, geb. 10. November 1887, Breslau, I., Bartensteingasse 4. Klarville Georg Ludwig Ritter v., Fabrikant, geb. 27. April 1876, I., Bartensteingasse 4. Körner Anna, Bedienerin, XX., Klosterneuburgerstraße 51. Liebermann Sofie, Private, geb. 16. Jänner 1882 zu Odessa, Rußland, VI., Stiegengasse 16. Oehlbaum Adalbert, Redakteur, geb. 2. August 1888, Komodi, Ungarn, X., Trostgasse. Sommer Klara, geb. 4. Februar 1889, derzeit Jägerndorf. SommerMargitt geb.3. Oktober 1909, Wien, derzeit Jägerndorf, Kind. Ascher Ester Therese, geb. Hermann, Kanditenerzeugerin, geb. 18. September 1858, Buchers i. B., IX., Lustkandlgasse 30. Bauer Arpard, Redakteur, geb. 25. Jänner 1850, Budapest, I., Morzinplatz 5. Bricht Benedikt, Journalist, geb. 9. Juli 1852, I., Walfischgasse 6. Goldstern Emilie, Artistin, geb. 19. April 1883, Wien, I., GrandeJäotel. Guttmann Anna Franziska, Arztensgattin, geb. 12. Jänner 1874, IX., Nußdorferstraße 55. Guttmann Dr. Isaak, Arzt, geb. 7. August 1872, Odessa, Rußland, IX., Nußdorferstraße 55. Heidelberg Albert, geb. 18. April 1875, Wien, laut Zuschrift des kgl. Matrikel-Führers Budapest. Kellner Josef, Geschäftsführer, geb. 1. Oktober 1883, Stoizendorf N.-O., IX., Lichtensteinstraße 8. Keßler Wilhelm, Privat, geb. 27. September 1878, Wien, IX., Müilnergasse 5. Lichtwitz Margarethe, Private, geb, 27. Juni 1887, Troppau, IL, Am Tabor 22. Roth Kaiman, Ingenieur, geb. 23. November 1879, Fiinfkirchen, IX., Schubertgasse 21. Steininger Max, Privatbeamter, geb. 18. April 1883, Prag, IX., Mariannengasse 9. Tischer Erwin, geb. 3. Juli 1885, Wien, laut Zuschrift des königl. Matrikel-Führers Budapest. Willheim Margarethe, Private, geb. 4. Juli 1895, Wien, IX„ Zimmermanngasse 20. Willheim Oskar, Bürgerschüler, geb. 21. Juli 1898, Wien, IX.. Zimmermanngasse 20. Zeisel Isidor, Sänger, geb. 13. Jänner 1878, Wien, IL, Kaiser Josefstraße 42. Nachod Sofie, geb. Rosenberg, gesch., Private, geb 8. Dezember 1867, XIX., Eichendorfergasse 3. Spielmann Simon, verh., Kutscher, geb. 24. Juni 1876, XVL, Speckbachergasse 30. Spielmann Aloisia, geb. Schmelzinger, verh., Näherin, geb. 3. Februar 1876, XVL, Speckbache gaWe 30. Neuberger Jitte, ledig, Büglerin, geb. 7. März 1878, IL, Taborstraße 61. Weiß Max, ledig, Hande/sangesreJIter, geb. 26. April 1885, X., Herzgasse 6. LITER/miR. Eine neue Mischnaübersetzung. Während die bereits im Jahre 1887 von Rabbiner Sam er begonnene Uebersetzung der Mischna noch immer (nach 25 Jahren) nicht zu Ende gekommen ist, wird jetzt christlicherseits eine neue Uebersetzung der Mischna angekündigt, die im Verlauf von 4—5 Jahren vollständig vorliegen soll, da bereits fast ohne Ausnahme alle 63 Traktate ihre Bearbeiter gefunden haben. Sehr bald werden erscheinen der Traktat Brochaus (der schon sehr oft übersetzt worden ist) von Prof. Holtzmann (Gießen) und der Traktat Pesochim von Prof. Beer (Heidelberg). Das Werk wird in Lieferungen erscheinen, aber jede Lieferung wird einen abgeschlossenen Traktat bringen. Neben dem Text die Uebersetzung, darunter Erklärungen. Der Druckbogen wird für Subskribenten 60—65 Pfennige kosten, der verhältnismäßig kleine Traktat Brochaus, der aus 712 Bogen besteht, demgemäß ca. 5 Mark, ein hoher Preis. Unter den Mitarbeitern finden wir auch Prof. Marti (Bern), der bereits als Herausgeber des Kommentars zur Bibel bekannt ist, und Prof. Köhler (Zürich). Die eigentlichen Herausgeber sind Prof. Beer (Heidelberg) und Prof. Holtzmann (Gießen). Eine Preisstiftung. Der Vorstand der Jüdischen historisch-ethnographischen Gesellschaft in Petersburg hat anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der jüdisch-russischen Journalistik einen Preis für das beste Werk über die Geschichte der jüdischrussischen und jüdischen (hebräisch und jüdisch) Journalistik in Rußland ausgeschrieben. Der Einreichungstermin ist am 12. April 1912 abgelaufen, ohne daß auch nur ein einziges Werk eingelaufen wäre. Dies veranlaßte nun den Vorstand der genannten Gesellschaft, den Einreichungstermin bis zum 1. Oktober 1912 alten Styls zu verlängern. Aus diesem Anlasse ersucht die Gesellschaft, die nachfolgenden Preisbedingungen zu veröffentlichen, und zwar: 1. Das Werk muß zumindest 10 gedruckte Bogen groß sein; 2. der Preis für die Lösung der ganzen Aufgabe beträgt 400 Rubel, für je eine Teilfrage (bloß russisch-jüdische Oder bloß jüdische Journalistik) je 200 Rubel; 3. das Werk kann sowohl in Handschrift als auch in Druckschrift überreicht werden. Im ersteren Falle muß, wenn die prämiierte Schrift später in Druck erscheint, besonders betont werden, daß dieselbe mit dem Preise ausgezeichnet wurde. Die einzureichenden Arbeiten sind an den Vorstand der jüdischen historisch-ethnographischen Gesellschaft in Petersburg, woselbst auch alle anderen Auskünfte in dieser Angelegenheit erteilt werden können, zu richten.