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Neue Nationalzeitung · 1912-07-26 · Heft 15 (26.7.1912) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 15 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NQUE MCiOWi-ZErcUNG XIV. JAHRGANG. WIEN, 26. Juli 1912. Nr. 15. Die jüdische Arbeiterfrage im schlesischen Kohlenrevier. Als ich Ende Mai, von Kattowitz zurückgekehrt, über den großartigen Erfolg des jüdischen Arbeitsamtes in Kattowitz berichtet habe, wonach es demselben gelungen war, bei den Kohlenbergwerksbesitzern Schlesiens die Aufnahme jüdischer Arbeiter aus Rußland und Oesterreich durchzusetzen, da dachte ich, daß die jüdische Presse ebenso wie ich diese Aktion, wodurch tausende jüdische arbeitswillige und doch hungernde Proletarier für sich und ihre Familien Brot finden, mit großer Genugtuung aufnehmen werde. Ich habe mich getäuscht. Trotzdem ich bald 25 Jahre jüdischer Journalist bin, habe ich noch immer die zwei größten Uebel der meisten jüdischen Zeitungen übersehen: Parteiverbohrtheit — und komplette Ignoranz auf jüdisch sozialem Gebiete. Das hat eben am besten der vorliegende Fall der Unterbringung jüdischer Arbeiter in den schlesischen Kohlenbergwerken bewiesen. Vorerst wurde nun mein Artikel von den meisten Blättern abgeschrieben. Natürlich, ohne die Quelle zu zitieren. Dann kamen die Kommentare. Durchwegs - tendenziöser Natur, je nach der Parteistellung des Blattes. Im großen und ganzen aber feindlich. Denn ich habe den Artikel über die Unterbringung der Arbeiter in derselben Nummer veröffentlicht, in der an leitender Stelle ein Artikel über die Konferenz der „Agudath Israel" enthalten war. Die Herren, die eben die ganze jüdische Welt vom grünen Tische sehen, entdeckten sofort in dieser jüdischen Arbeiterfrage den Programmpunkt der „Agudath", also eine orthodoxe Gefahr, wiewohl beide nichts miteinander zu tun haben, als daß die Berichte über sie in einer und derselben Nummer der „Neuen National-Zeitung" enthalten waren, und Herr Kommerzialrat Feist, der Komitee - Obmann der „Agudath", mit seltenem Edelmut auch für die Arbeiter einen namhaften Betrag spendete. Das gedruckte Memorandum des Arbeitsamtes, datiert vom 20. Mai 1912, enthält nicht ein Wort, welches auf die orthodoxe Tendenz des Komitees oder auf den Zusammenhang mit einer solchen Organisation irgendwie Bezug hätte. Und da zeigt sich der geistige Tiefstand gewisser jüdischer Zeitungen. Weil sie wegen ihrer zionistischen oder reformatorischen Tendenz die orthodoxe Weltorganisation bekämpfen wollten, deswegen mußte auch ein den jüdischen Volksmassen soviel verheißender Schritt jüdischer Selbsthilfe verdammt und in den Grund gebohrt werden. Den Reigen der Angriffe gegen die Tätigkeit des jüdischen Arbeitsamtes in Kattowitz hat die „Oesterreichische Wochenschrift", das Organ des Wiener israelitischen Kultusvorstandes und der Wiener „Israelitischen Allianz" eröffnet. Nachdem sie den Bericht der „Neuen National- Zeitung" abgeschrieben, respektive als eine der Redaktion zugekommene „Mitteilung" veröffentlicht hatte, knüpfte sie daran eine „Nachschrift der Redaktion". Darin wird erklärt, die jüdischen Arbeiter dürfen nicht nach Schlesien, weil man sie dort als „Streikbrecherbenützen werde. Dann würde dieser Schritt „für die Gesamtheit des Judentums nicht ohne böse Folgen sein". Oder aber die jüdischen Arbeiter würden ebenfalls mitstreiken und dann würde sie die Regierung ausweisen. Daß ein solcher Streik seit 23 Jahren in Preußisch-Schlesien gar nicht stattgefunden hat und auch für die nächste Zeit unwahrscheinlich ist, daß die jüdischen Arbeiter nur Aushilfsdienste als Schlepper leisten und gar nicht arbeiten können, wenn die gelernten Arbeiter, die Häuer, streiken — darum kümmert sich diese Sorte von Schreibern gar nicht. SP Die nächste Nummer erscheint am 16. August 1912.

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