Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 12 (14.6.1912)
- Date
- 1912-06-14
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425679-2425857-2425870--2405-2428834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12 „Neue National-Zeitung' Not liitc es bei diesem Thema noch zu verweilen, aber — der Sprung von den lichten Höhen auf die platte Niederung ist mir zu peinlich ... und dann müßte ich zu den Müttern sprechen dürfen, welche die Töchter von klein an erziehen . . . was man so „Erziehung" nennt . . ," Von der jiddischen Publizistik. Wahrend das „konstitutionelle" Oesterreich dafür straft, wenn ein jüdischer Staatsbürger das Jiddisch als seine Muttersprache angibt, wiewohl er gar keine andere Sprache versteht, während anderseits das Moszko-Judentum in Oesterreich, speziell in Galizien, dieser Sprache der Volksmassen mit Abneigung gegenübersteht, vertieft und erweitert sich die jiddische Publizistik immer mehr: als wahrer Kultur- und Biidungsf a k t o r. Wir sehen dies am besten an der immer größeren Anzahl der jiddischen Zeitungen und ihrem hohen journalistischen und erzieherischen Niveau. Die neueste Zeitung auf diesem Gebiete ist „Die jiddische Welt", eine literarisch-gesellschaftliche Monatsschrift in Petersburg, von der bereits zwei Nummern vorliegen. In dem Programmartikel „Unser Weg" lesen wir folgendes: „In einem schwierigen und traurigen Moment treten wir vor die jüdische Oeffenlichkeit. Allerdings hat der nationale Gedanke in den drei letzten Jahren große Fortschritte gemacht, allein noch gähnt ein tiefer Abgrund zwischen dem Volke und der Intelligenz. Ein großer Teil des Volkes ist der modernen Kultur entfremdet; die Intelligenz aber ist wieder entfremdet der Volksseele, dieser tiefsten und reinsten Quelle aller Kultur. Verdorben ist die Luft in dem modernen jüdischen Haus trocken, nüchtern, frei von jeder Tradition, und in dieser Athmosphäre werden jene geistig und moralisch zusammengeschrumpften, nationalmorschen Juden erzogen, welche jedes wahren Idealismus bar sind, der das jüdische Volk auf seinen geschichtlichen Lebensweg begleitet hat. Sie entäußern sich ihrer geistgen Erbschaft und Sinken herab zu alltäglichen Strebern und Nachäffern fremde Kulturen. Diese Demoralisation unserer höheren Kreise wird leider auch auf die mittleren und weiteren Volksschichten übertragen. Dagegen wollen wir rücksichtslos ankämpfen. In den erschienenen beiden Nummern finden wir unter anderem nachstehende Artikel: Dubnow: „Nach dem 30jahr. Krieg"; Schalom Asch: „Der Bund für die Schwachen" (ein Drama in zwei Akten); Dr. N. Birnbaum: „Die absolute Idee vom Judentum und die jiddische Sprache"; J. E f r o n: „Kahal, Volk und Intelligenz." Eine ständige Rubrik („In der jiddischen Welt" von H. T. Hurwitz) beschäftigt sich mit den wichtigsten politischen uno gesellschaftlichen Ereignissen innerhalb der Judenschaft. Die in New-York erscheinende Monatsschrift „Der jüdische Farmer**, Organ der Gesellschaft „The Jewish Agricultural and Industrial Aid Society" (Jüdischer Verein zur Unterstützung der Landwirtschaft und Industrie veröffentlicht in seiner Juni-Nummer eine Reihe von praktischen Artikeln und wichtigen Ratschlägen für die jüdischen Grundbesitzer. Der leitende Artikel trägt die Aufschrift „Kukuruz" und bringt den Nachweis, wie wichtig die Kukuruz Pflanzungen für die Milchwirtschaft sind. Andere Artikel beschäftigen sich mit der Pferde- und Kälberzucht. Auch die Frage der Gründung einer Agrar-Bank, der Emigration, der Erziehung, werden eingehend erörtertert. Für die nächste Zeit wird eine besondere Rubrik für die jüdischen Hausfrauen in Aussicht genommen. Im Annoncenteile finden wir Anzeigen über den An- und Verkauf von jüdischen Landwirtschaften. Zwei wissenschaftliche Zeitschriften erscheinen in New-York. Die wissenschaftliche sozialistische Monatsschrift „Die Zukunft**, die anläßlich ihres 20jährigen Jubiläums im letzten Jänner eine Nummer im Umfang von 160 Seiten herausgegeben hat. In dieser Zeitschrift finden wir sowohl Artikel von allgemein sozialistischer Tendenz als auch speziell jüdischen Inhaltes Zu den letzteren gehören folgende Artikel: A. Kri tschmar: „Der Sozialismus in der Türkei und seine jüdischen Vo.kämpfer." Sch. Epstein: „Die Aufgaben der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika." Li Ii put: „Der Zustand der jüdischen Trade- Unions in Amerika." Die" Monatsschrift „Das Naye Leben**, herausgegeben von Dr. H. Schitlowsky, hat eine mehr radikal-nationale Richtung. In den letzten Nummern finden wir eine Artikelserie des Herausgebers über „Moses Hess, der Sozialist, der Philosoph und Seite 9 der Jude." Die letzte Nummer enthält einen Aufruf des Doktor Schitlowsk y-J ubiläumskomitees, welches aus Anlaß seines 25jährigen Schriftsteller-Jubiläums dessen Werke in vier Bänden herauszugeben beabsichtigt. In diesem Aufrufe wird Dr. Schitlowsky als „einer der hervorragendsten jüdischen Männer des heutigen Geschlechtes, als ein Repräsentant des radikalen jüdisch-nationalen Gedankens, als Denker und Lehrer des Sozialismus, als einer der Führer der freiheitlichen Bewegung in Rußland" bezeichnet. Die in Kiew erscheinende Monatsschrift für jüdische Emigration „Wohin" bespricht in der Mai-Nummer an leitender Stelle die inzwischen verschobene Emigrationskonferenz in Wilna. Besonderes Interesse gebührt dem Artikel über den Anteil der jüdischen Einwanderer an der Verbrecherstatistik in Nordamerika. Japaner und Juden. Der Haß, den die öffentliche Meinung in Japan gegen die Nordamerikanische Regierung hegt, wird von derselben auch allmählich auf die Juden übertragen. Das kommt am besten zum Ausdrucke in einem Artikel, den die offizielle japanische Zeitung in Tokio „Dzidzi" unter dem Titel „Rußland und die amerikanischen Juden* jüngst veröffentlicht hat. In dem Artikel heißt es: „Die ganze Welt weiß, daß wir Japaner keineswegs eine Vorliebe für die Russen haben und unsere Leser werden sich wohl zu erinnern wissen, welche Stellung wir anläßlich der Judenpogromme eingenommen haben. Allein, was die Stellung Rußlands gegenüber den amerikanischen Juden betrifft, so sagen wir offen, daß wie das Opfer so der Altar und wie die Ware so der Händler. Das Vorgehen Rußlands ist gewiß nicht einwandfrei. Allein nur, soweit die Juden, nicht aber soweit Amerika selbst in Betracht kommt. Amerika selbst handelt nicht besser gegenüber unseren Landsleuten, den Japanern; auch diese werden nach Amerika nicht hineingelassen und sofern sie darin sind, werden sie vom Bürgerrechte ausgeschlossen. Rußland behandelt die Juden schlecht, das ist wahr. Allein die Juden sind eine kleine Nation, ein Volk ohne Land und ohne Macht. Sie haben Niemanden, der sich ihrer annimmt. Wir aber, die Japaner sind groß und mächtig, wie der letzte russisch-japanische Krieg bewiesen hat. Wir verfügen über die drittgrößte Flotte und zweitmächtigste Armee in der ganzen Welt. Völker beugen sich vor uns, Mächtige suchen unsere Freundschaft, wir werden von allen Nationen respektiert und doch werden unsere Brüder und Schwestern in Amerika gerade so behandelt wie die Juden." Wir bitten unsere Freunde, die „Neue National-Zeitung" uberall in Lokalen und auf den Bahnhöfen, in Lesehallen, Cafes, Hotels, Restaurants und Vereinen zu verlangen. Liste der Ausgetretenen. Vom 29. Mai bis 10. Juni 1912. (Nr. 245-266.) Bersutzky David, Photograph, geb. 16. Dezember 1866, Odessa, VII., Neubaugasse 46. Bersutzky Henriette, geb. 26. März 1876, Odessa, VII., Neubaugasse 46. Damask Dr. Moriz, Assistent, k. k Rudolfsspital, IV., Prinz Eugengasse 52. Epstein Karoline, Private, geb. Großwotzdorf, XX., Denisgasse 6. Felscharek Rudolf, geb. 21. Juli 1845, Wien, I., Weihburggasse 18. Groß Moritz, Meerschaumpfeifenschneider, geb. 7. August 1859, Wien, V., Embelgasse 45. Holiczer Anna, Kontoristin, geb. 22. Oktober 1886, Warschau, IX., Bindergasse 8.