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Neue Nationalzeitung · 1912-05-31 · Heft 11 (31.5.1912) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 11 (31.5.1912)
Date
1912-05-31
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 11 dem um die wahrhaft dichterische Schilderung, die Strindbe r g durch die Person Eleazars von Sevilla über die Zustände der Juden in Spanien gibt. Eine der prächtigsten seelischen Analysen bietet die Miniature „Das tausendjährige Reich" dar. Von der Apokalypse war verkündet worden: „Und, wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der Satanas los werden aus seinem Gefängnis. Und wird ausgehen, zu verführen die Heiden an den vier Enden der Erde, die Gog und Magog ..." Nun erwartete man, es war zur Zeit des Kaiser Ottos III., den Weltuntergang, im Jahre 999. Es gehört zu den gewaltigsten psychologischen Schilderungen, was Strindberg in dieser Novelle über den Seelenzustand der Menschheit sagt, die den Weltuntergang erwartete. Aber das alte Reich endete, ein neues begann. Das Jahrhundert der Kr e u z z ü g e. Wir sehen Peter, den Eremiten, wie er, abgemagert wie ein Skelett, die Christenheit zur Vertreibung der Heiden aufmuntert, zur Befreiung des heiligen Grabes und nebenbei Juden verbrennen läßt, die beim Sedermahle sitzen, und dadurch, nach der Anschauung des Eremiten von Amiens, das Abendmahl des Herrn schänden. Welch' eine Groteske! Würdig der Zeit, die sie schildert, würdig ihrem Blutdurste, der das Leben Unschuldiger fordert. Wieder nach Rom. Es ist nicht das der Kaiserzeit, nicht das des servus servorum, aber das der Renaissance. Ein neuheidnisches, ein babylonisches Rom ist's, da der Papst Tausende Dukaten für ein aufgefundenes Bildnis einer Venus zahlt. Das Rom von 1506, in welchem Jahre die „Laokoon"-Gruppe gefunden wurde, in dem Martinus Luther, der Mönch von Wittenberg, seine Anklage gegen die heidnischen Päpste erhebt, gegen Leo X., den Medici. Lange hielt sich der Augustinermönch in Rom nicht auf, aber „er benutzte die Zeit, um hebräisch zu lernen und besuchte die Vorlesungen des Juden Elia Levi Ben Ascher, genannt Bachur oder Elia Levita. Und Luther genoß die Freundschaft des alten Juden, denn Elias war der einzige „C h r i s ten m en sch", den er in Rom fand." Nun noch einen kurzen Blick auf „Old merry England", in dem Heinrich VIII. herrscht, gegen den der deutsche Mönch Martinus seine sackgroben Traktate erläßt. Heinrich möchte sich von Katharina von Arragonien scheiden lassen, um Anna Bullen das schöne Hoffräulein, zu ehelichen, und legt sich zu diesem Zwecke das alte Testament mit seinen Ehegesetzen in echt talmudischer Weise aus. Ein prächtiges Stück, diese Miniature vom „Old merry England", eine beißende Satyre, ein Hohn auf alle sogenannte Religion, wie man sich sie damals an den Hofen aus- und zurechtlegte. Die „Historischen Miniaturen" Strindbergs tragen ganz den Stempel dieses granitenen Menschenverächters. Viele seiner Werke werden dem Zahne der Zeit verfallen, im Strome des Vergessens untergehen; nicht so die geschichtlichen Novellen. „Anders als sonst in Menschenköpfen, malt sich in diesem Kopfe die Welt". Mag man über den jetzt Heimgegangenen, diesen Antifeministen, denken, wie man will, die Geschichte hat er von einem hohen Piedestal aus betrachtet und eine Fülle von Betrachtungen geliefert über die große Komödie, die man Menschheitsgeschichte nennt, und die doch eine Tragödie ist, im Sinne Schopenhauers, und noch mehr Nietzsches, der mit dem Hammer philosophierte. Ehe Strindberg sein Leben aushauchte, legte er die Bibel sich auf's Herz und sprach: „Jetzt sei alles Persönliche ausgelöscht." Er mag freilich viel gefehlt haben, denn er hatte stark gehaßt. Auch in den „Historischen Miniaturen" ist wenig von Liebe die Rede. Ist aber daran der Dichter, Denker, der Historiker und Psychologe schuld? In der Miniature „Der weiße Berg" wird geschildert, wie die Juden sich bei der Verteidigung der Altstadt Prags gegen die Schweden 1648 auszeichneten. Was wurde ihnen dafür zuteil? Eine Fahne wurde ihnen verliehen — aber der Haß wütete weiter gegen sie. Ein Symbol für uns, ein Sinnbild für das Leben Strindbergs. Liste der Ausgetretenen. Vom 15. bis 28. Mai 1912. (Nr. 215 -244.) Bodo Ilona-Jelka, geb. Taussig, geb. 6. Mai 1880, Rovnagora, Bez. Dolntce, IX., Sensengasse 8. Bock geb. Hirschl Marie, geb. 8. Mai 1879, Wien, 11., Hillerstc. 8. Fanta Grete, geb. 7. Juni 1882, Wien, XVIII., Wahringerstraße 138. Forell Julius, geb. 26. Februar 1888, Britsau, Mahren, I., Am Hof. Guttmann Cäcilie, Handarbeiterin, geb. 20. April 1877, Schaffa. Jaff Peter Fritz, Privatbeamter, geb. 1. September 1891, Wien, VII. , Stiftgasse 5. Krassny Marie Edle v. Krassin, Private, geb. 27. Jänner 1893, Wien, IX., Türkenstraße 15. Kulka Adele, Private, geb. 15. Juni 1890, Prerau, II., Kaiser Josefstraße 30. Meissl Robert, MascliinbauschüJer, geb. 12. Janner 1897, Wien, IX., Liechtcnsteinstraße 157, Schnabel Marianne, geb. 26. Juni 1886, Wrien, I., Hegelgassc 17. Valpi Felix, geb. 13 Jänner 1885, Wien, Budapest. Weiss Josef, Bankbeamter, 9. August 1882, Wien, II, Komödiengasse 3. Popper Silvia, ledig, geb. 16. Sept. 1884, IV., Gußhausstraße 23. Rosenzweig Friedrich, ledig, Kontorist, geb. 22. Dezember 1889, VI., Gfrornergasse 8. Wagner Armin, geb. 16. Juni 1881, X., Leibnitzgasse 21. Laub Bertold, Dr., ledig, geb. 5. Mai 1887, VII, N'eustiftg. 55. Jellinek Roza, ledig, geb. 4. Dezember 1885, III., Radetzkystr. 17. Weiss Rudolf, ledig, Absolv. der Hochschule für Bodenkultur, geb. 2. Mai 1888, IV., Hauptstraße 39. Bondi Margarethe, ledig, Private, geb. 12. Dezember 1890, IX., Wiederhofergasse 7. Kardos Otto, geb. 7. Februar 1907, VI., Mariahilferstr. 19. Kardos Alice, geb. 5. August 1909, VI., Mariahilferstr. 19. Freund Adele, geb. Loeno, verheiratet, geb. 10. November 1875, Olmütz, VI., Getreidemarkt 7. Müller Sofie, lcdig, Kontoristin, geb. 2. Mai 1881, Wadowice, VI., Magdalenenstraße 26. Goldmann Frieda, ledig, Private, geb. 1. August 1893, Hungerleiden, VI., Stumpergasse 9. Lukan Marta, geb. Wolfner, ger. getrennt, geb. 18. Februar 1883. Marienbad, L, Petersplatz 9. Günszberger Heinrich, ledig, Handelsang., geb. 20. April 1888, VIII. , Lercherifciderstraße 94. Breiner Marie, geb. Schall, verh., Private, geb. 2. April 1879, VIII., Pfeilgasse 34. Popper Ida, geb. Haymann, getrennt, Private, geb. 10. Mai 1876, XVIII., Schafberg 5. Reich Bernhard, ledig, Zuschneider, geb. 9. Mai 1871, Klo.sterneuburg, IX., Pluggasse 6. Weiß Ignaz, verh., Zeichner, geb. 30. März 1884, Fehergyarmat, IV., Mittersteig 15.

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