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Neue Nationalzeitung · 1912-05-17 · Heft 10 (17.5.1912) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 10 (17.5.1912)
Date
1912-05-17
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 11 FEU LLETON. Am Sinai. (Zwei Szenen). Personen: Moses, Zippora, dessen Weib, Jethro, deren Vater, Josua, Korah, Volk. t. Szene. Schauplatz: Die Wüste. Vor Mosis Zelte, unter einem Palmenbaume. In der Ferne: Die zahllosen Zelte des Lagers; im Hintergrunde: Der Berg Sinai, umwölkt. Abenddämmerung, noch ist es helle. Man hört ein fernes Donnern. Jethro, Zippora, dann Moses. Zippora: „Wo er wieder bleibt, der Unermüdliche. Gönnt sich keine Ruhe. Hört immerwährend die Klagen und das Murren dieses hartnäckigen, streitsüchtigen Volkes an. Welch' ein schweres Amt, Richter zu sein den Hebräern." Jethro: „O, daß er doch mit mir, mit Weib und Kind, zurückkehrte zu den heimischen Triften. Dort ist Friede. Wie schön war die Zeit, da er meine Herden weidete. Aus diesem Frieden zog er in den Kampf. Der Schafhirte trat vor Pharao hin, befreite sein Volk. Der Herdenhirte ist Volkshirte geworden. Ist er nun glücklicher? Muß er nicht ermüden in all' dem Wirrsal? Nicht ermatten bei soviel Zank und Zwist? Welch' ein Volk, diese Hebräer! Soviel Köpfe, soviel Sinne! Täglich sehen sie die Wunder ihres Gottes, und doch, nichts als Widerspenstigkeit und Auflehnung. Lohnt es, Führer zu sein, eines Volkes, das sich nach den Fleischtöpfen des Sklavenlandes zurücksehnt? — Moses, kehr' zurück zum Frieden meines Zeltes ..." (Man hört aus der Ferne dumpferes Grollen des Donners, die Erde bebt, Blitze zucken, erschreckt fahren Jethro und Zippora vop ihren Sitzen auf.) Jethro: „Was geschieht nun wieder? Will der zürnende Gott Israels seine Welt vernichten?" Moses tritt auf. (Sein hehres Antlitz strahlt in überirdischem Glänze. Die scheidende Sonne verklärt es.) Moses: „Der große Tag kommt. Der Größte, den Menschen je erlebten. Ich will mein Werk krönen. Die Erlösung aus Aegypten soll durch die Erlösung der Herzen vom Wahne des Aberglaubens beschlossen werden. Mein Volk, das ich aus Sklavenfesseln befreite, soll nun neu erstehen aus dem Dunkel schmachvollen Götzendienstes, von dem sein Auge getrübt, sein Geist geblendet, sein Herz eingeengt wurde. Es soll eine Lehre empfangen, die siegen wird durch die Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, die sie verkündet. Du nahst, großer Tag der Offenbarung. Sei mir gegrüßt!" (Man hört fernes, starkes Donnergetöse.) Moses (sich zu Jethro und Zippora wendend, liebevoll): „Ihr seid da, meine teueren Lieben, Ihr, die Ihr so Gutes und Liebevolles mir getan, als ich aus Mizraim vor dem Schwerte Pharaos fliehen mußte. Seid mir herzlichst gegrüßt." Jethro: „Teuerster Sohn! Gönn' Ruhe Dir. Du ermattest. An nichts denkst Du, als an Dein Volk. Nicht auf Weib und Kind sind Deine Gedanken gerichtet, nur auf diese Undankbaren, die mit schnödem Hohne Deine großen Taten Dir lohnen. Laß' doch dieses Volk, das der Freiheit, die Du ihm schenktest, so wenig würdig sich zeigte, dem das Gräberland Mizraim teuerer zu sein scheint, als das hohe Gut der Freiheit. Denk' an Dich. Kehre mit uns zurück in unser friedliches Heim. Kannst Du dort nicht auch glücklich sein? Verbringe Dein Alter in Ruhe und Frieden. Wie vielen Kämpfen gehst Du entgegen! Sie wühlen gegen Dich. Dein eigener Vetter, Korah ist sein Name, regt das wetterwendische Volk auf. Es hört auf die Stimme des Spötters, Korah ist ihm mehr als Moses. Was wirst und willst Du noch alles erleben? Undank wird Dein Lohn sein." Zippora: „Hör' auf des Vaters Stimme, mein Moses!" Moses (milde): „Liebe, Ihr sprechet, wie Ihr es begreifet. Ein anderer Vater hat zu mir gesprochen aus dem brennenden Dornbusch: Führe dieses Volk an diesen heiligen Berg, daß es mir diene. Wie könnt' ich mich Seinem Befehle widersetzen. Mein Los ist nicht, an friedlichen Triften zu weilen, Heerden zu weiden, der sanften Ruhe zu pflegen. Mein Los heißt Kampf. Nur im Kampfe erstand und ersteht wahrhaft Großes. Zu großen Zielen will ich das Volk führen, und wenn es dies nicht begreift, dann mag es seinen Korahs folgen. Eine Lehre will ich diesem Volke geben, so erhaben, rein, wahr, gerecht und liebevoll, daß es sich der ganzen Menschheit unterwerfen soll. Ein Baum soll an diesem Sinai erblühen, unter dessen Schatten sich die ganze Menschheit bergen wird." Jethro: „Eine solche Lehre willst Du diesem Volke spenden? Diesen widerspenstigen Menschen, welche die Größe der Gottheit nicht erkennen wollen? Sie werden sie verunehren, entheiligen, entweihen. Glaub' mir, mein Moses, ich, der schlichte Hirte und Priester kenne die Menschen. Laß' ab von ihnen. Sie erfassen ja doch Deine Größe nimmer." Moses (nachdenklich): „Du magst Recht haben, teurer Vater, aber, bedürfen die Gesunden des Arztes? Bedürfen die reinen, heiligen Engelscharen der göttlichen Lehre? Nicht für die seligen Geister wurde sie gegeben, für die Menschen vielmehr, damit sie durch sie beglückt werden." Zippora (zärtlich): „Denk' an Deine Kinder, Deine Söhne, die unter Schmerzen ich gebar." Moses (innig): „Meine Söhne sind meine lieben Kinder. Aber, besitze ich nicht eine größere Familie? Ist nicht meine Mutter Jochebed die Ahne eines größeren Geschlechtes? Mein Volk ist meine Familie. Ihm will ich mich weihen. Wie ich es den Tücken Pharaos entrissen habe, so will ich es jetzt wahrhaft erlösen. Ich sehe es wandern durch die Wüste, sehe es geknechtet von den Tyrannen der Erde. Das Land der Väter will ich ihm erobern. Gewiß, nicht lange wird es dort weilen. Wandern ist sein Geschick. Aber Throne werden bersten, Despoten gestürzt werden, mein Volk aber wird fortleben, denn der Herr verleiht ihm „Sieg". Das ist seine Lehre, durch sie wird es gesegnet mit seinem Frieden ..." (Fernes, immer stärkeres Donnern. Es ist dunkel geworden, nur hie und da zuckt ein Blitz auf. Wieder erbebt die Erde. Man hört aus dem Lager dumpfes Lärmen. Die Finsternis hat sich über die Wüste gebreitet.) Josua (atemlos): „Herr und Meister, sie empören sich, sie wollen Dich steinigen, zurückkehren wollen sie nach Mizraim. Korah haben sie sich zum Oberhaupte erwählt. Eile, eile, sonst ist alles verloren.

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