Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 9 (3.5.1912)
- Date
- 1912-05-03
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr 9 sieht —): „Was machst du?" Und er antwortete: „Was machst du?" Fragt sie: „Warum so spät?' sagt er: .,Ein Wunder des Himmels. Für die Errettung muß man beten" . . Sonst kein Wort . . Weiter konnte er nients erzählen. Denn es war keine Zeit mehr. Nicht einmal Frauke konnte er überhören, wie weit er im Talmud war . . Er gab Höseln das Geschenk, Baszschewa den seidenen Umhang. Die sonstigen Begrüßungszeremonien verlegte er auf später. Noch mußte er ins Bad. Kaum, daß er's schaffte. Vac\ im Badhaus erzählte er nichts. Absolut nichts. Alles für später. Nur eines sagle er wieder und wieder: ,,Ein Wunder des Himmels . . für Errettung; beten . . Gott hilft den Menschen . . Ein Wunder des Himmels . . Gelobt sei der 'heilige Name." Und er nahm Frauke an der Hand und eilte ins Bethaus. - LITERATUR UND THEATER Doktor Bernhard Wachstein: Katalog der Salo Crohnschen Schenkungen. T. Bücher aus der SattuubniLr des Rabbiner Narhum Beer Friedniaun-Sadagora. Wien, 1011. Verlag von C«i?|iof<M' A' Ranschburg. Herr Saln Co Ii n. in gebildeten jüdischen Kreisen als Alaun bekannt, web-hor mit Begeisterung und Liehe dar-; jüdische Sri-:i iftturu pl'leirt und materiell fördert, hat die üM»(.'arti<rp Bindiorsammlung des Rabbi Naohum Beer Friodmann aus Sada'.-ora für die jüdische Gemeindebibliothek in Wien gekauft. Das lipißt: er liat die Bücher gekauft und sip der jüdischen (ieinoindehihüothok geschenkt. Ein Verdienst, das ilnii nicht ireuug hoch angerechnet worden kann. Damit aber auch auswärtige Literaten, welche sich mit dor jüdischen Wissenschaft und Literatur beschäftigen, diinh diese miinifizonte Schenkung des Herrn Colin geistig profitieren können, vernnhißto pr dpi) Kustos dpr Wiener jüdischen fJo?np'indebibliothek. Herrn Dr. Bernhard Wachsfein, dem dir Ruf eines guten Bibliographen vorausgeht, einen Katalog der genannten Pikhersi henkung zu veröffentlichen. Kinp Aufgabe, deren sieh Herr Dr. Wachstpin in ausgozoirhneter Weise entledigt hat. Der Katalog zählt 923 Bände auf. Daß unter dieser Büohoisanimluug Biiclipr von großem Worte und seltene Bücher vorlianden sind, braucht liier nicht hervorgehoben werden. Auch findet man unter der in "Rode stphenden Biichorsamndung J e 1 1 i n c k s „Beth-hamidras( h" und J o s e \> h i s „Jüdische Altertümer" und ..Der jüdische Krieg" ins Hebräische übersetzt von Kaiman S c Ii u Ii m a n n: eine Tatsache, die bpwpist. daß die Wunderrabbis Sadagoras doch nicht so reaktionär sind, wie sip ausgegebon werden. In einer Fußnote zum Vorworte skizziert der Verfasser die Abstammung des Rabbi X. B. Friedmann, die er genealogisch bis auf den Verfasser des „Chossod TAbi-aham" zurückführt, wobei er sich bei Antrabe der Zeit spiner Veröffentlichung um zwei Jahre irrt. Dr. Wachstein sagt: ..Zuerst gedruckt C'zernowifz 1K53". was nicht zutrifft, denn das Werk Abrahams, des Malaoh„Chossod TAbi-aham" wurde zum erstenmale 5(ill gedruckt, nach der bürgerlichen Zeitrechnung also 1851. Manchmal führt uns der Verfasser — was wahrscheinlich eine Nachlässigkeit der Korrektur ist — ohne es zu wdlen, irre. So verweist auf Reite 2 Nr. 5 der Verfasser auf Bibel Nr. 147, während der Psalmonkommontar „Erez ha-chajim" auf Nr. 14b" vermerkt ist. Noch auf viele Irrtümer stieß ich bei Durchsicht des Katalogos, von denen ich hier im Inte'-esse der guten Sache, der Herr Salo Cohn und Herr Dr. Wachstein mit der Herausgabe des Kataloges dienen «ollen, nicht Notiz nehme. Keineswegs jedoch hat Herr Dr. Z. Seh. das Lob verdient, das ihm der Verfasser als aufmerksamen Korrektor (S. XVIII) zollt, verdient, denn wenn man einen Bürstenabzug durchsieht, „aufmerksam" durchsieht, so dürfen Fntorlassungen, wie die bezeichneten, nicht unterlaufen. Im großen und ganzen jedoch ist der in Rede stehende Katalog eine Bereicherung der jüdischen Bibliographie. Virovitica (Slavoiiicn). Wnhbiner Dr. II E. Kaufmann. ♦ Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums faßte vor vier Jahren den Beschluß, unter dem Tibd ..('nrnus T a n n a i t i o u m" eine kritische Sammlung sämtlicher aus der Zeit der Mischnalohrer stammenden literarischen Erzeugnisse herauszugeben. Sie bewilligte erhebliche (Jehlniittel für die erforderlichen Vorarbeiten, insbesondere für eine möglichst sorgfältige Vorgleichung aller erreichbaren Handschriften und ernannte eine Kommission von Fachgelehrten, an deren Spitze Herr Rabbiner Prof. Dr. Duttmunn-Breslau trat, um die (.irnndzügo für diese wissenschaftliche Edition festzustellen. Man kam überein, folgende Werke in die Sammlung aufzunehmen: 1. die Mischna, 2. die Tosefta. 3. die ha lach ischon Midraschim (Mechilta. Sifra, Sifrol. 4. die in beiden Talmudeu enthaltene halachisehe und auadische Baraita. Für die Edition dor einzelnen Teile wurden geeignete Kräfte gewonnen. Mit der Herausgabe der Mischna ist Herr Dr. E. Baneth. Dozent an der Lohranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, betraut, dem sachkundige Mitarbeiter zur Seite gestellt wurden, damit die Vergleichuiiüder zahlreichen Handschriften um so rascher von statten ginge. Die Vorgloiohung der in der rabbinischen Literatur des Mittelalters /frstronton Zitate aus der Mischna hat Herr Dr. Horovitz. Dozent am jiid.-theol. Seminar in Breslau, freundlichst übernommen. — Die Vorarbeiten sind jetzt schon so weit gediehen, daß im Mai des nächsten Jahres der r>)-ste Band der Mischna (Söder Z e r a i m) zu erwarten ist. t Ein Sammelwerk über die Juden in .Bulgarien Mau berichtet aus Sofia: Aus Anlaß dos 25jährigen K'rnieruimsjubiläums Ferdinand I., das im Oktober d. J. fe>tlich begangen worden soll, plant die Judenheit Bulgariens die Herausgabe eines großangelegten Werkes in bulgarischer Sprache, das in Monographien die Gos e h i e h t o u n d d :is L e b e n de r J u d e n i n Bulgarien behandeln wird. Mitarbeiter dieser Sammelschrift sind Oroßrabltiner Dr. Ehrenpreis. Rabbiner Dr. Rosenwasser. Dl", med. Nfivon (Sofia). der Historiker Salomen Rosanis (Rustschuk). der Nationalökonom Feter Gabbc (Baltsehik), Professor E. Koheu (Philippopel) und viele andere. * Der Verfasser des „König Achas". Wie unsere Loser aus dem Feuilleton der vorigen Nummer über die Eröffnung dos Tempel-Theaters in London entnommen haben, wird in diesem Kunstinstitut für die jüdischen Volksmassen des londoner East-End eine iublisoho Oper „König Achas" von S. A 1 in a n aufgeführt. Schon der Komponist selbst verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. Er ist v o m K i s c h i n e w o r Blutbad entronnen und kam wie ein Schiffbrüchiger mittellos und der englischen Sprache unkundig in England an. Obgleich dor Lebenskampf ein harter war. hat er sich in England bald sehr wohl gefühlt. Sein musikalisches Talent gestattete ihm durch Erteilung von Musikunterricht bei Eingewanderten ein kärgliches Brot zu verdienen. Doch Alman ließ den Mut nicht fallen, im Gegenteil, in seiner erbärmlichen Lage war es so hoffnnngsfroh. daß er bald seine Frau nachkommen Heß, an dor er in den schworen Stunden seiner ersten Zeit eine Stütze fand. Bald erlangte er als Chordirigent an der Synagoge Anstellung und benützte die wenigen Mittel, die er seinem Lebensunterhalt abkargen konnte, zur musikalischen Ausbildung auf dem Konservatorium. Schon in Rußland hatte er, unter dem Eindruck der Greuel von Kischinew. eine Symphonie verfaßt, der er den Titel „1903" gab. Alman hält darauf, wie er einem Korrespondenten des „Jewish Chronicle" mitteilte, die in den überlieferten religiösen jüdischen Gesängen niedergelegten Molodien in seinen musikalischen Schöpfungen zu verwenden: schon in seinem „König Achas" hat er die Betonung des ..Tuchenen" zum Ausgangspunkt der musikalischen Darstellung dor letzten Szene genommen. Er verspricht sich von dieser Methode viel, da nach seiner Meinung aus den alten jüdischen Synagogalgesängen wunderbare Schätze von Melodie und Harmonik zu heben sind. Am liebsten würde er eine hebräische Oper schreiben, wenn er einen Autor fände, der ihm das Libretto verfaßte. Alman ist erst 34 Jahre alt. In einem Dorfe bei Odessa als Sohn eines Geschäftsmannes geboren, wurde er o'ehon von seinem Vater zu des Großvaters Beruf bestimmt, der Rabbiner und Chassan war. In der frühesten Jugend lernte er bereits das Chassonus und offenbarte seine musikalische Begabung. Mit 14 Jahren sehrieb er bereits synagogale Kompositionen, die in verschiedenen Synagogen zum Vortrage gelangten.