Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 8 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Ni. 8 Tischler, Pantoifelinacher, kleine Kaufleute, mit einem starken Prozentsatz lebhaft angezogener Frauen. Die Kleidung ist überall europäisch, den langen Kaftan, den auf der Szene die Männer tragen, sieht man im Saale nirgends, obwohl er im Londoner Ostend nicht fehlt; aber die ganz Frommen, die die polnische Tracht beibehalten, gehen nicht ins Theater, denn das Institut selbst ist eine Verletzung der Tradition. Eben weil die Besucher schon eine gewisse Stufe moderner Anschauungen erreicht haben, hört man viel englisch sprechen, auch gutes Deutsch. Das Publikum scheint sehr intelligent zu sein; aber es ist kulturlos, ohne die Erziehung zum öffentlichen Leben, die eine freie Gemeinschaft ihren Mitgliedern gibt. Der englische Arbeiter benimmt sieh in der Menge wie Gentleman; abgesehen von den Betrunkenen oder besonders verwahrlosten, wird die Disziplin überall gehalten, auch wo Massen beieinander sind. Dagegen zeigt sich an diesen jiddischen Proletariern, daß sie der russischen Zwangsanstalt erst entronnen sind; das Gehetzte bleibt immer, auch der Erholung fehlt Ruhe, die der Freie sich und den anderen gönnt. In keinem Augenblick der Vorstellung wird es ganz still. Manche lehnen sich, den Hut auf dem Kopfe, nach hinten und diskutieren mit dem Xachbar, auch bedient man sich der gebotenen Gelegenheit, beim Sehen zu essen und zu trinken, reichlich. Im Stücke kommen jüdische Gebete und Melodien vor. Das erweckt in vielen Heimatserinnerungen, wehmütig bewegen sie die Köpfe. Andere reitzt aber das Religiöse, das doch mit dem Ghettoleben eng verwoben ist, zum Protest. Dies ist ein interessanter Zug. In der zivilisierten Welt, namentlich in der protestantischen, wird die Ablehnung der Religion heute nicht mit aktivem Auftreten verbunden; wer nicht mehr glaubt, hält sieh doch in der Regel schweigend zurück. Unter den Ostjuden aber führt der Bruch mit den alten Lebensformen nicht selten zu heftiger Feindschaft gegen den Glauben der Väter. Solche Leute gehören dann nicht bloß politisch zu einer revolutionären Gruppe, sondern sie kämpfen gegen die Religion. Die jüdischen Feiertage benutzen sie zu Kundgebungen gegen den mosaischen Glauben, am Versöhnungstage steilen sie sich vor den Türen der Synagogen auf und kränken die Gemeinde durch demonstratives Essen; und die Wurst, die sie essen, ist noch nicht einmal koscher. Diese Atheisten und Sozialisten also machen sich über die fromme Sentimentalität im Stücke hörbar lustig. Das reizt die konservative Partei, man bittet erregt um Ruhe, nicht ohne Komentare über gute Lebensart zu geben. WTenn die Unterhaltung einen gewissen Wärmegrad erreicht hat, tritt der Saaldiener, offensichtlich kein Yiddisher, sondern ein Goi, in die Mitte und ruft mit Donnerstimme: „Quiet!" Und so geht es weiter. biste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 15. April 1912. CNr. 132-166.) Altmann Jallana geb. Porina, Buchbindergehilfensgattin, geb. 28. Juli 1874, Wien, IV., Technikerstrasse 9. Berger Engen, Installateur, geb. 1. Juni 1873 in Losonz, VI., Korneliusgasse 3. Cech Rosalia, Private, VI., Mollardgasse 26. Falnda EUa, geb. 4. November 1881, Wien, XIX., Döblinger Hauptstrasse 88. Friedmann Natalie, geb. 18. September 1885, Wien, IX., Servü>ngasse 6. S*ncha Rosa, geb. 29. Jänner 1870, Wien, VI., Louisengasse 24. Hollmann ffllohael. Realschüler, geb. 30. März 1898 in Bukarest, II., Czerninplatz 4. Jerusalem Georg, Dr., Chemiker, geb. 12. März 1886, Wien, IX.. Ganjisongasse 7. Kern Johann. Martin, Waltor, Dr., Prakt. Arzt, geb. 10. März 188t. Wien, f., Universitätsstras*e 11. Knranda Otto, g*b. 13. August 1896 in Marburg (Steiermark), IV., Karlsgasse Jl. Leder er Berthold, Chanffeur, geb. 9. Februar 1879, Wien, XVHI., Staudgasse 25. Mandel Cornelias, Techniker, geb. 3. Oktober 1888, Wien, II., Wittelöbachstrasse 2. Margultee Max, Sekretär i. P., geb. 23. April 1856 in Brody, XVIII.. Rieglergasse 14 Maisana Helnrlob, geb. 27. Jänner 1861 in Belgrad, XIX., Döttling r Haupt-slrasse 58. Plok Alfred, Kaufmann, geb. 12. April 1870 in Tursko, VIII., Josefstädterstrasse 9. Singer Anna, geb. 6. Juni 1890, Wien, VI., Mariahilferstrasse 156. Zelenka Anna, Schuhstepperin, II., Wolfgang Schmälzigasse 16. Füohsel Panllne, ledig, Kontoristen, geb. 15. Oktober 1891, IX., Giessergasse 4. Frledl Sionard, ledig, Hilfsarbeiter, geb. 9. Jänner 1889, IX., Clusiusgasse 12. Wolf Therese geb. BLoref. gericht-getrennt, Krankenpflegerin, geb. 30. November 1871, IX., Berggasse 7. Fischer Wladimir, ledig, Privatbeamter, geb. 20. März 1884, IX., Harmoniegasse 9. Stilnaberg Wltolda. ledig, Kontoristin, geh. 15. Jänner 1884 in Oströg (Rußland), IX., Löblichgasse 8. Ehrensteln Gnetav Adolf, ledig, Bankbeamter, gpb. 21. November 1878, VII., Zeismansbrunngasse 1. SChwarz Philipp, ledig. Kaufmann, geb. 13. Jänner 1884, VII., Schotlenteldgasse 53. Herllczka Albert, ledig, geb. 24. März 1888, III., Thongasse 11. Tauber Siegfried, Dr., Arzt, geb. 28. März 1881, XX., Klosterneuburgerstraase 1. Salier Sigmund, ledg, Privatbeamter, geh. 14. Oktober l87r>, IX., Hahngasse 6. Hradecky Bertha, ledig. Postbeamtin, geb. 24. Juni 1889, XVI., Ottaknngerstrasse 189. Krämer Lottl, ledig, Private, geb. 10. August 1858, XVIII., Paulingasse 7. Jüdische Sozialdemokraten gegen das Renegatentum Es ist bekannt, daß in der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs das Renegatentum der jüdischen Parteigenossen zu einer Seuche geworden ist. Nach dem Muster der Parteiführer (Austerlitz, Dr. Ellenbogen, Dr. A d«e r usw.) kehren auch jüngere Leute, speziell die Advokaten und Journalisten, die sich führer- oder mandaW'ähig machen möchten, dem Judentum den Kücken, ohne für die Charakterlosigkeit dieses Schrittes die richtige Empfindung zu haben. Wie aber ein solcher Schritt zu beurteilen ist, das beweist das Verhalten der jüdischen Sozialdemokraten im Deutschen Reichstag. Paul Singer ist Jude geblieben und als solcher gestorben. Zwei andere, die Reichstags' mitglieder Georg Davidsohn und Emanuel Wurm, legen in der „Allg. Zeitung des Judentums" folgende Bekenntnisse ab. Davidsohn schreibt: ,Von den Riten, Dosrmen und allen AeußerJichkeiten des Judentums habe ich mich längst losgelöst. Den Austritt vollziehe ich nicht, angesichts des wüsten und des -verkappten Antisemitismus, der mir die Solidarität mit den zu Reichs- und Staatsbürgern zweiter Klasse gemachten Juden zur Pflicht macht. Ienerlich bin ich konfessionslos." W u r m schreibt: -Obwohl ich als Anhänger der Entwicklungslehre mich nicht mehr zur mosaischen Religion bekennen kann, bin ich Mitglied der jüdischen Gemeinde geblieben, um nicht den Anschein za erwecken, daß ich mich von ihren Mitgliedern loäsage, weil diese — außerhalb meiner Partei — ihrer Abstammung wegen zurückgesetzt werden und minderen Rechtes sind." erieura ■*fj mm m zeitgemlss fflheV W mm Üܧ Möbelfabrik und und nAhllDN vornehm ■WlOYeWIll' Architektur« VI. Bezirk, Miros UIUHIIBI 1 preiswert mAUm« Illil Mariahilferstrasse Nr. 31.