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Neue Nationalzeitung · 1912-03-22 · Heft 6 (22.3.1912) · p. Seite 12

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 6 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite!2 Nr 0 rEU LLETON. Salomon Dembitzer: Mein Städtchen.*) Ein StimmungsbVd. Kennt ihr mein Städtchen? — Jahre sind in die Ewigkeit hinübergegangen und meine Jugend habe ich an imbestimmten Orlen verbracht, In jenen Tagen, die man die schönsten des Lebens nennt, bin ich in f rem Jen Gassen, bei fremden Menschen, auf harten kalten Steineil suchend herumgeirrt. Auch damals, wenn der Freist meine Glieder durchdrang, als das Schicksal mich von Ort zu Ort warf; wenn in kalten Winternächten der Sturm wütete, der Himmel schwarz und die leeren Gassen wie von Schreck erfüllt waren; wenn die Furcht mich zwang, unter einem Baume mein Nachtlager aufzuschlagen — auch damals habe ich mein Städtchen nicht vergessen . . . Menschen, sagt, wo ist mein Heim? Reihenweise ziehen sich hohe Bäume, Felder, Wälder, Berge und Täler hin; nach langen und krummen Wegen kommen hohe, furchtbare Gebirge; sie schwinden und es folgt ein langer, an beiden Seiten bepflanzter Weg. Es sind das große, doch gebeugte Bäume — Träumer Lebensträumer . . . Mit ihren dürren ausgestreckten Zweigen weisen sie: Dort ist der Weg! Dort liegt das Städtchen! Viereckig ist der Markt. Müd' und verlassen stehen kleine, einstöckige Häuschen herum. Sie sehen in den Sommerhimniel, welcher immer dunkler und trüber wird, und erwarten die stille Nacht, die bald kommen muß. Die Einwohner des Städtchens, stille und zufriedene Menschen, sitzen auf den Türschwellen, schauen zum Himmel und schweigen. In den engen Gäßchen spielen kleine Kinder. Wie sie den Laternenanzünder mit der langen Stange sehen, der sich müd' und faul dahinschleppt, denn seine alten Füße folgen ihm kaum, laufen sie demselben nach. Und während er eine Laterne anzündet, tönt bewundernd ein „Bravo!" Der Markt wird immer dunkler. Der matte Schein der Stadtlampen atmet Traurigkeit und stumme Bangnis. Die Gaßchen werden leerer und bald ist alles Leben verschwunden. Die alten Leute erheben sich von den Schwellen, und indem sie in die Häuserchen treten, entschlüpft ihrer Brust ein zufriedenes Ah! . . . Das milde Sommerlüftchen trägt es weiter. Stumm, leer und verlassen ist die Welt. Die Stallt, der Markt und die Gassen sind verödet. Der Mond steigt am bestirnten Himmel auf; ernst und verträumt schwebt er in der einsamen Höhe . . . Hinter der Stadt läuft mit stillen raschen Schritten ein junges Mädchen dem herrschaftlichen Schlosse zu. Das Scmmerlüftchen spielt neckisch mit ihrem *) Sailiuiiuvii Dembitzer. ein jnnjrer Krakauer Autodidakt, ist eine neue Kim Ih iiv.uiir amf de>m jüdtischen Parnaß. Wir haben bereits eine seiner zablrein :ien Saniinvluiiiron von (io'lichtou l)p:s[ini;'!nMi en.l darauf vorwiesen, rkd.5 oir uns Jor'-'irlie:}! ei-;) X.icbr.i;dii.'d< r vom Morris ltcseilfeld zu sein scheint. Seit'!;»))) i>r Fon-bitzor je lenfu'fl'ls nri.irineillor ire- Avonl ,n. Er hat sich aui-h in Pv.isn versucht", eine solche Probe bildet ebizes Fe-niM. ton. Anm. d, Red. schönen Haar; ihre Augen leuchten mit süßem Glanz durch die Nacht. Riwkele! Ich hab' sie erkannt. Klopft mein Herz? Ach, nein — es schweigt. Ganz still ist mein Herz. Mein Herz ist müd, wie die tiefe Nacht; müd', wie ein alter Mann nach dem Lebenskampfe. Gerade so ist mein Herz. Ich hab' sie erkannt! Die hohen rauschenden Schloßbäume werden Zeugen heiliger Lebensgeheimnisse sein; sie werden ihre Kronen schütteln und auch der sehende Mond wird fröhlich werden . . . Riwkele wird an einen Baum gelehnt stehen und neben ihr ein wunderbarer Jüngling mit gekräuseltem Haar und nachtschwarzen Augen. Er wird ihre feine Hand in seiner halten und mit ihrem Haar spielen . . . Nur der Mond sieht ihnen zu. Ich hab' sie erkannt! — Die göttliche Stunde soll nicht zerstört werden. Denn still und selig ist die Nacht,' voll von Weihe, und solche Augenblicke sind selten und kostbar im traurigen Menschenleben . . . (Aus dem Jüdischen von J. Fgm.) Loisfe der Ausgetretenen. Vom 6. bis 18. Marz 1912. <s>: m—ivi) Adler Emil, Kaufmann, .y ib. 11. September 1**9, Wien. WII., y 1 ni.» )Ii Ii :]orjna ssc 2. WtzUy Josef, noh. 17. September 1878. W:;wi. 11.. Fnuvristralie 5. Koppel Richard. Kaufmann, ueh. 14 Mai bSH'i. Wien. II., I ntere Aucarte-nst:■!'<.■ 1a. Morgenstern Olga, Privrto. ,ui>!i. 24. Juli 1**7, W'äeii. VIII.. Tr.wT-ifasvso 38. Steiner Rosa, -reb. 24. .htm 1867. Pwßiiitz. 11., "Woitomir Scliinälzlirasse 16. Sternberger Hermann, (/Itaniffeuv, sreb. 8. Juli 1869, Wien. Xll.. Dra.scho.ea.sse 8. Suschitzky Anna, Private, sroh. 18. Juni 1868, Piwisrbam. Böhmen. Vll., .Uariahilferstraßo 72. Wilczek Anna. Drochsleru-ehiHin. ireb. 3. Dezeimboiv 18.r)b. Brünn, NHL. (J-cW^^Mair-strußo 1H1. Klebinder Martha, lediir. ireb. 10. Xovcmtber 1887, IL, Kaiser Jusefshaüe 9. Silberstein Irma, Jediir. ireb. 28. Fehmmr 1882 in Znaim. II.. Tabnr&traßo 22. Grünfeld Elsa, lerfe. Private, ireb. 15. Mai 1889 in Prag, VI., T'h'PiobuW^asso 15. Weihs Richard, Dr., ven'.i., Gyni,na,sialloüiTOT. sreb. 31. Maii 1884. Will.. Oentziiasse 130. Hausner Elsa, l,.-<di-ü;, York uniform, geb. 12. Dezember 1883 in Iviojctein. Y.. Kbiberiras'S,e 7. Schönfeld Therese, ireb. Schrey, voirw.. Private, .ireb. 6. Fobtnvi'i1 1*51 in Fi schämend1, IX.. Beririrasso 17. Traubner Simon, lediir. k. k. Postassiistenf. ireb. 13. Mai 1872 in Trzo/ine-iiK). Galizien. IX.. Berum 22. Stern Alfred, ledk, ireb 24. Februar 1879. III., Deumarkt 3. Hirschler Franziska, lediir. Verkäuferin, gvib. 7. M.ci 18*6. XIV.. Griminv.ira.tsse 33. Geiringer Giannina, lediu-, »ob. 17. Fetbraatr 1888. III.. Pietrichrr.i sso 5. Hirsch Valerie, lediir. Kontoristin, srab. 30. Juni 1879 in Budanost. Ii., Kaiser Josef stnaiße 7. Weinfeld Margarethe, ireb. Mamroth, ireb. 5. Xaveniber 1864, VI.. Knsernenirasso 13. Ehrmann Max, Lediir, Kaufmann, -reb. 19. Oktober 1890, VII.. lvTisorstraße 76. feVieurs___mm ■ m zeitgemäss WmmW M 99 '=s=' Möbelfabrik und und IIIAnllOVf vornehm DVU 11V Architektur« VI Bezirk, Büros lllMllllvl 1 preiswert ■■llld lllil Mariahilferstrasse Nr. 31.

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