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Neue Nationalzeitung · 1912-03-22 · Heft 6 (22.3.1912) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 6 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N5Ü5 N0DONÄL-ZHDÜNG XIV. JAHRGANG. WIEN, 22. MARZ 1912. Nr. 6. Die Behandlung der ausländischen Juden in Russland, Vom Z. P. Rastorgueff (Petersburg). Anmerkung der Redaktion. Während in Oesterreich in Sachen der russischen Paßschikanen jüdischer Kaufleute absolut nichts geschieht, und der Herausgeber dieses Blattes sich demnächst sogar vor den Wiener Geschworenen wird zu verteidigen haben, weil er die Kühnheit hatte, dem jüdischen Abgeordneten eines jüdischen Wahlbezirkes, Herrn Hofrat Kuranda, die Außerachtlassung seiner kardinalsten Pflichten gegenüber seinen hauptsächlich dem Handelsstande angehörenden jüdischen Wählern zum Vorwurfe zu machen, finden wir zu unserer Genugtuung, daß nach dem Vorbilde Nordamerikas auch in England und Deutschland jüdische und auch nichtjüdische Organisationen einen energischen Kampf gegen die russischen Schikanen aufnehmen. So haben jüngst die „Anglo-Jewish Association" und der „Jewish Board of Deputies", erstere eine der Pariser Alliance nachgebildete Organisation, der zweite als Kultusgememde-Organisation von England, durch ihre Präsidenten in der „Times" gegen das Vorgehen Rußlands in der Paßfrage protestiert und eine Intervention der englischen Regierung gefordert. Auch die Londoner Handelskammer hat unter dem Vorsitze des Lord Desborough beschlossen, beim Minister des Aeußeren Vorstellungen zu erheben und ein Zusammengehen aller m der Paßfrage interessierten Staaten herbeizuführen. In Deutschland wieder haben die Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin, unter Vorsitz des Präsidenten Kämpf, der auch Präsident des Reichstages ist, beschlossen, bei der Deutschen Regierung vorstellig zu werden und überdies eine gemeinschaftliche Aktion der Regierungen bei Rußland anzuregen. Es rührt sich also überall, und zwar nicht nur wo jüdisches Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern wo wahrer Liberalismus vorhanden ist. Ein herzerquickender Gegensatz zu jenen traurigen Gestalten in Oesterreich, die ihren Liberalismus im Stiche lassen, wenn es gilt, ihn im Kampfe für jüdische Bürger zu beweisen. Wo bleiben unser Gremium der Kaufmannschaft, unsere Handelskammer, unsere Allianz, unser Kultusvorstand? Für den tiefen Widerhall, den der nordamerikanisch-russische Paßkoaiflikt in der englischen Presse gefunden hat, spricht der Artikel, den die angesehenste englische volkswirtschaftliche Zeitschrift „The Economist" zu diesem Thema respektive als außerordentlich lehrreichen Kommentar hiezu veröffentlicht. Wir geben diesen Artikel in deutscher Uebersetzung hier wieder, weil hier zum erstenmal ,.Die Behandlung ausländischer Juden in Rußland" in erschöpfender Weise dargestellt wird und er deshalb für die gesamte jüdische Kaufmannschaft sehr lehrreich ist: Die Frage, ob ausländische Juden russischen Boden betreten dürfen, begegnet seit langem sowohl in russischen, als auch in ausländischen kommerziellen Kreisen großem Interesse und ist nunmehr aktuell geworden. Da die bezüglichen Gesetzesbestimmungen nicht deutlich genug abgefaßt sind, so wurde es in der Praxis dem freien Ermessen der russischen Konsuln im Auslände überlassen, von den Bestimmungen, welchen ausländischen Juden das Betreten des russischen Bodens ganz oder teilweise verweigerten, Gebrauch zu machen oder nicht Es hat sich daher in der Praxis eine verschiedenartige Handhabung dieser einschränkenden Bestimmungen ergeben, was natürlich auf die fortschreitende Entwick-

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