Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 5 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 5 wahr ist vielmehr, daß dieser ^leJirbetrnpr, insoweit derselbe meht für-di£: Auswanderer y.uy Verwendung gelangt, ihnen Villau .auf:d*m Heller lie.uen Erin]'fnngH)>pstfttiguiige» ausgegabjt wird. , O. fJs; ist flieht,-Avahr, daß unser- Sekretär,. . Herr Kguninka, dem Beamten eines Bei$el>ureans ans dem Grunde, verboten habe, unser Lokal?.\\ betreten, weil . er sieh für die Auszidihing eine* Rttiiiir*.« an einem Landsmann verwendet habe; wahr ist.vielmehr, daß wir grund* sftizJieh die lütervoution von .\g»mton bei unserer Hilfsaktion perjiorreszieren. 7. Es i^f nieht wahr, daß der Rubel in unserem Bttreau den Emigranten' rund mit £ 2.Ö0 berechnet wird und daß die Allianz für die Reise Wi^n—Rasel K 20.-— berechnet, •während sie'Selbst K 10.— bezahlt: wahr ist vindmehi-;' (Srtll wir die von den' fonigranten bei den russischen Komitees eingezahlten Tief ragefastausnahmslos in Schecks, die auf Kronen läuten, überwiesen erhalten und daß, insoweit von Emigranten unmittelbar Zahlungen bei der Allianz ia Rubeln geleistet werden, ihnen der Tages-1 knrs ungerechnet wird : wahr ist ferner, daß bei der Beförderung nach Hasel kein runder Metrag von K 20.— per Person, sondern genau auf den Heller der von uns bezahlte Preisgerechnet wird. 8. Es ist nicht 'wahr,-daß ein k. k. Sieherheitswachmarai di's Bureau des Herrn Vorstehers sorgfältig bewacht und die-abgefertigten Emigranten übernimmt: wahr ist vielmehr, daß an den Tagen eines besonders starken Parteienruidranges, an welchen nicht nur Auswanderer, sondern aürri allerlei zweifelhafte Individuen im Bureau erscheinen, im Vorzimmer zur Anfreehterhaltiing der Ordnung ein Wa.chm.ann anwesend Ist, daß aber derselbe mit den Emigranten nichts zu tun hat. 1>; Es' ist nicht wahr, daß einem alten Manne, welcher be.liuf-s Heilung seiner Augen eine Woche in Wien bleiben mußte, jede Unterstützung verweigert und er nach erfolgter Arretierung nach Rußland abgeschoben wurde: wahr ist vielmehr, daß derselbe, nicht ein alter, sondern ein etwa oOjähriger Mann, der später wegen renitenten Verhaltens gegenüber einem Sicherheitswachmanne arretiert wurde, Monate hindurch samt seiner Familie von uns unterstützt worden war: wahr ist ferner, daß er nicht nach Rußland abgesch oben w urde. E ii r den V o r s t a n d d e r ,. 1 .« r a e 1 i t i s <• h e n A 1- 1 i a n z /. u W i e rr : Dr. Kuraiela. w. Pupponheim. * * Anmerkung der Redaktion. Wie unseren Lesern bekannt, haben die Herren von der „Allianz" mit ihrer Berichtignngsklage Pech gehabt. Der Strafrichter hat die unserer Zeitung zugesandte „Berichtigung" in fünf Punkten als unzulässig bezeichnet und daher die Klage abgewiesen. Die „Allianz" hat gegen das Urteil die Berufung angemeldet, aber dieselbe zurückgezogen und sich entschlossen, uns den vom Strafrichter nicht beanständeten Torso neuerlich zuzuschicken. Die Herren Kuranda und Pappenheim wollen durchaus in der „Neuen National-Zeitung" abgedruckt erscheinen und wir wollen ihnen auch einmal dieses Vergnügen gönnen. Selbstverständlich wird ihren Ausführungen kein Mensch glauben. Die Indolenz und die Unfähigkeit des Allianzv o r s t a n d es auf dem Gebiete der j ü d isehen Emigration ist in weitesten Kreisen so genau bekannt, daß das zum Himmel hinaufst— eigende Eigenlob niemanden überzeugen wird. In Sachen der jüdischen Emigration ist die Wiener „Allianz" das letzte Rad am Wagen — trotz aller Wichtigtuerei und ellenlangen Selbstberäucherungen auf geduldigem Papier. Wir sagen dies offen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Herren Kuranda und Pappenheim wieder mit Preßgesetz und Strafrichter eine neuerliche Berichtigung werden erzwingen wollen. Morfz Friedländer und Moriz Güdemann als wissenschaftliche Vertreter des österreichischen Judentums. Wer lacht da nicht über diese groteske Zusammenstellung: Friedländer und Güdemann! Auch ich lachte auf den ersten Blick und stellte mir die Mienen vor^ welche die beiden so nachbarlich gebrachten Persönlichkeiten beim Anblick dieser Gegenüberstellung machten! Ich wurde jedoch immer ernster ünd ernster, als idh bei eingehender Lektüre die Motive kennen zu lernen anfing, auf welchen diese Gegenüberstellung aufgebaut ist. Ich empfand tiefe Beschämung über die Unkenntnis der religionswissenschaftiiehen Leistungen unserer jüdischen Gelehrten unmittelbarster. Nähe, ihres Wesens und Diehtens, welchen Mangel an Vertrautheit mit mir leider das gesamte gebildete österreichische Judentum teilt und der uns untüchtig macht, ihr geistiges Wirken zu beurteilen, zu kontrollieren, zu korrigieren und unsrerseits zu befruchten. Während in früheren Jahron jeder zweite Mann aus dem „Volk der Schrift" in religionswissenschaftlicheiv Dingen mitsprechen konnte, und Irank und Ivel auch mitsprach, sind djese für uns heute ein Buch mit sieben Siegeln und die bezahlten Theologen denken und herrschen hier souverän. Wer aber diese, zu vielem Nachdenken anregende Zusammenstellung so grundverschiedener Wortführer der jüdischen Wissenschaft erfunden, war kein Geringerer als der hervorragende Jenenser Kirchenhistoriker Prof. Dr. Friedrich N i p p o 1 d in seinem vor einigen Monaten erschienenen Buche: „Führende Persönlichkeiten zur Zeit der Gründung des Deutschen Reiche s".*) Was die geistige Erhebung des Deutschen Reiches betrifft, so zählt N i p p o 1 d zu deren freisinnigsten Theologen. Er 'hat sich daran tatkräftig beteiligt, indem er überdies mitten in der altkatholischen Bewegung stand, freisinnige Fürsten und Bischöfe beratend. Was er nun im allgemeinen über die führenden Persönlichkeiten zur Zeit der Gründung des Deutschen Reiches als hervorragender Mitkämpfer zu berichten weiß, ist außerordentlich lehrreich. Uns jedoch interessiert in erster Linie, was er über die jüdische Beteiligung an den Kämpfen auf religionswissenschaftliejbem Gebiete, als lebendiger *) Berlin 191.1, Verlas von Ka-rl Sipprisimind, Königl. säfHs isch or Hofbuc hhä»dier.