Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 4 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 ,Neue National-Zeitung' Seite 5 Mit dem Momente, wo es sich darum handelt, an die Tat zu schreiten, wird überhaupt über die geistigen und kulturellen Bedürfnisse der galizischen Bevölkerung zur Tagesordnung übergegangen — mit Zustimmung der Zionisten, denen man in der Person des Krakauer Predigers Dr. Thon einen Vizepräsidenten entnommen 'hat, um sie mundtot zu machen. Der große Plan einer Hilfsaktion für das jüdische Massenproletariat in Galizien ist zu einem kleinen Selbsthilfeverein zusammengeschrumpft, welcher in allen Städten Filialen errichten und den armen Leuten Darlehen gewähren wird: rein philanthropische Maßregeln, die ja bisher in den Bereich der Vorschußkassen der JCA gehörten. Also nicht einmal in rein wirtschaftlicher Beziehung, worauf sich die Selbsthilfeaktion beschränken soll, sieht man einen großen Zug oder ist bisher irgend ein bestimmter Arbeitsplan zustandegekommen. Die Koalition HorowitzLövvenstein, welcher Diamant, Groß und Thon freiwillig Helferdienste leisten, ist es auch nicht um positive Arbeit zu tun; die Herren wollen sich bloß auf billige und bequeme Art die Lorbeeren der jüdischen Volksretter erwerben. Die Sitzung vom 28. v. M. kam über die Konstituierung auch gar nicht hinaus. Es fehlte an jedem Substrat zur Debatte und Beschlußfassung. Doktor Groß hat einfach unterlassen, einen Arbeitsplan auszuarbeiten. Es fehlt eben allen diesen Leuten, mögen sie Horowitz oder Löwenstein, Diamant oder Groß oder Thon heißen, jene Opferwilligkeit und jene Fähigkeit, sich mit ihrer ganzen Person einzusetzen, wie dies bei jeder großen Aktion unerläßlich ist. Ich will nicht behaupten, daß die genannten Herren Komödie spielen oder direkt die Hilfsaktion verhindern möchten. Allein es macht den Eindruck, daß dieselben nur unwillig dabei sind, und höchstens in ihren Mußestunden W o h 11 ä t i g k e i t s s p o r t treiben. Wie wäre es denn sonst möglich, daß die konstituierende Sitzung ohne jedes positive Resultat auseinanderging und wiederum Monate verstreichen müssen, bis irgend ein Arbeitsplan auch nur zur Debatte kommt — während das Volk hungert und darbt, und Rettung erwartet! Horowitz und Löwenstein lassen ausposaunen, daß sie alle Parteien herangezogen haben. Wie aber, wenn in Galizien die politische Charlatanerie alle jüdische Parteien so korrumpiert hat, daß sie zu einer selbstlosen wirtschaftlichen Arbeil unfähig und unwillig sind! L. „Ist die Reform des l^eligions- LoehrplaneS notwendig?vt Vom Verfasser des in unserer letzten Nummer fmfer obigem Titel veröffentlichten Leitartikels erhalten wir folgende Zuschrift: Der jüngst im Plenum des Kultusvorstandes genehmigte „Reform-Lehrplan" für die obersten Klassen der Mittelschulen ist angeblich aus der bekannten famosen Vorlage des Herrn Vertreters Dr. Steiner hervorgegangen. Wer diese in einer weitverbreiteten Druckschrift niedergelegte Vorlage kennt, wird einsehen, daß der genehmigte Plan nicht das geringste damit zu tun hat. Er ist so leer und nichtssagend, was angebliche Reform betrifft, daß es gar nicht zu begreifen ist, wie eine ernste Körperschaft so viel Zeit und Mühe damit vergeuden konnte. Die Fachmänner waren eben nicht in der Lage, den phantastischen Irrgängen Steiners zu folgen und haben sich offenbar bemüht, aus den wenigen brauch baren Körnlein eine halbverdauliehe Nahrung zu bereiten, nicht m i t, sondern trotz Steiner. Aber auch diese Vorlage der Fachmänner wurde von einem gemischten Komitee durch weitere Umgestaltung bis zur Unkenntlichkeit verändert. $. S. Probepredigt durch Phonographen-Platten. (Der neugewählte Rabbiner von Chicago.) hie Fhicngoer jüdische (iemeinde (< )ostorrojohischungnrisehe Kolonie) schrie!) einen Konkurs auf den zu besetzenden Pabhinerposten nns. Die Knnkursbedingnngen sagton unter anderem, daß die Petloktamen zu einem Probevortrag' auf eigene Spesen erscheinen mü^eh und dül) mir dem Akzeptierten die Spesen vergütet w-rdrn. Julius Fisher, ein in gutem Puf stellender Ihmhur der Preliburger Pabhinersehule. hatte diesen Konkurs in den jüdischen Zeitungen ebenfalls gelesen. Fisher hätte auch sehr gerne auf den „feinen" Tosten kandidiert. d-»eh ist er arm wie eine Kirehenmaus. Avas bei einem P:eubtirgvr liaehur .sehr natürlich ist. Fr konnte kaum sein räglichos Auskommen besorgen, nicht dal! er noeh die gewaltigen Kosten für eine pei-v nach «"'hb-ago aufzutreiben imstande gewesen wäre. Die Armut aber war bei unserem heben Fiseher kein Hindernis-. Fr wellte unter jeder Bedingung eine Piohe- |>redigt in Chicago halten. Und es gelang ihm. Wenn auoh nicht ..pursünlich" , doch ..phonographiseh" , Fischer ging nämlich nach Wien, \ve, er sein T.eid und seinen Wunsch einem ihm bekannten Fhonographenfni'Vikanten imU>-iUe und dcn-cih.m h;it. ihm. Fischer, behilflich zu sein. ..Schi1 gerne will ich Ihnen helfen.' sprach zu ihm der Fabrikant. ..doch hin ich nicht in der Lage, Ihnen eine solch grolle Summe zur Verfügung zu stellen, wie "s die Reise verlangt. Aber jedenfalls will h-h gerne mithelfen." Fischer erwiderte, dal) er ihn schlecht verstanden habe. Fr wünschte von ihm keine (iobluuterstiUzuug, sondern er mischte seine Prob,redigt phoimgrnj.hi.-, h;luf- ]>chme)i las.-en und der Fa'-rikant iiii-cht,- -hm einige solche Platten, die seine Pede enthalten, schenken, damit er dieselben an den betreuenden Vorstand nach «'liieage einsenden kenne. (Jesngt, getan, her Fabrikant lieti die fi'jj- ' 'hb-ageer Synagoge bestimmte Predigt in den (fm-fnebter des Phonographen spre.-}i< n. Pie Platten wurden angefef ihr Fischer erhielt zwei Putzend derselben und die Frob..- p red igt Fiseliers gingan die amerikanischen ImaPmfi'm in l'cgleiiung <-\\h-< sehr sehmi stilisierten «b-r-uehes-. aus wclclu'in das b deutende Wissen Fischers ebenfalls herverging, alt. Im (besuche motivierte Fischer d.-n «uamd sein.-- origin.dlen Vorgehen-: damit. dat> er sehr arm -ei. und ersuchte den Verstand, die eirgosehiekten Flutten an seh-in- (jenieindeniitglieiler /.u verteilen, die berufen sind, über seine Kenntnisse ein fachmännisches Urteil abzugeben. per (Treuieindevnrstelier erhielt unter den vielen »b--