Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIV (1912)
- Issue
- Heft 3 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 befand sich aber in einer schrecklichen Zwangslage und vor die Alternative gestellt: sich taufen lassen und den Vater ihres Kindes heiraten, oder für die Zeit ihres Lebens ihren Leichtsinn büßen und ihr Judentum bewahren. Naeh langen inneren Kämpfen entschloß sie sich, ihre Ehre zu retten und sieh taufen zu lassen, um ihren Bräutigam heiraten zu können. Die arme Mutter, welche von alledem wußte, schwieg. Ihr mütterlicher Stolz erlaubte ihr nicht, ihre Tochter zurückzuhalten und sie zu zwingen, ein Mädchen zu bleiben, das sich mit einem unehelichen Kinde durch die Welt schleppen muß und seinen Namen verloren hat . . . Aber das konnte sie nicht mit aneohen, daß ihre Tochter sich taufen ließ. Sie reiste zwei Tage nach der Hochzeit, von Warschau ab und drei Tage später erhielt die Tochter die traurige Nachricht, daß sich ihre Mutter vergiftet habe . . . Damit hat aber die Tragödie noch nicht ihr Ende erreicht. Bei der Durchführung aller Formalitäten, die vor der Hochzeit notwendig waren, kam der Vater des Studenten auch zur Kenntnis des Geheimnisses seines Sohnes. Die Nachricht brachte ihn zur Verzweiflung, er wurde schwer krank vor Kummer. Das Ingeniourdiplom, welches der junge Student in einigen Jahren bekommen wird, kostet also nicht nur einige Jahre Arbeit und Oeld, sondern auch zwei Menschenleben ... als Folgen der Taufe. Wiener Taufseuche. Der Frankfurter „Israelit" veröffentlicht in feiner letzten Nummer ein „W icncr Stimmungsbild", grau in grau. Noch düsterere Perspektive als in unserem Blatte. Die Herren von der Soitenstettengasse können wenigstens sehen, was man im Auslande von ihnen hält: „Man kann in Wien die Häuser rasch z ä h l e n, in welchen wirkliches, e h r 1 i c h e s, echtes jüdisches L e h o, n pulsiert. Thr Zusammenschluß zu einem festen Ganzen könnte vielleicht noch rettend wirken. Die strenggläubigen Häuser sind vereinzelt kulturell und ökonomisch noch zu schwach, um einen aufbauenden Faktor zu bilden. So entsteht allenthalben nur Halbheit und Wesonlosigkeit, Halb- und Viertel-Judentum. Abfall und Taufe zersetzen und zerfetzen das ganze Wiener Judentum. Und da sucht man nach Mittelchen in der lächerlichen Form von Lehrplan- Sülbadereien phantastischer Dilettanten, die das Hohngelächter ernster Männer erregen, in schwungvollen Tiraden über jüdische Ethik und jüdisches1 Heldentum. Und trotz aller Beratungen, Vorträge, Vorlesungen ächzt und kracht das Gebälk in allen Fugen des Baues."" Der l^ultusvorstand und die Taufseuche. G c e Ii v t e Ii e d a k t i o n! Ich lese allwöchentlich von verschiedenen Vorträgen iiim>[• jüdische Goschiehto. Philosophie und andere hneh- ■ iahende Themen, die der Vorstand der israelitischen Kultusvemeinde im Ingenieur- und Architektenverein veranstaltet. Wenn man .hingeht, trifft man immer dasselbe Publikum: K>iii.LTO Vorsteher und Beamte des Kiiltu-Vorstandes und recht viele ältere Herren, die 4111 anderen Tatzen das Beth-Hamidrasch frequentieren. Pas breite Publikum, insbesondere die Jugend, auf welche die Vorträge wirken sollen, fehlt. Diese Verträge überragen auch gewöhnlich das geistige Niveau iles Ihirchschuittspiiblikiuns. Die Herren Vortragenden geben da gewöhnlich ihre ..Spezialitäten" zum Besten und diese Vorträge kosten doch ziemlich viel Geld. Wem soll also damit geholfen werdenV Fällt denn dem Kultusvorstand gar nichts Vernünftiges ein. uiii die Taufseuche zu bekämpfen? Empfinden denn die Herren gar nicht die L.ist der Verantwortung, die auf ihnen ruht und die Schände, die jede neue Liste auf die Gemeinde häuft? Allerdings müßte der Kultusvoi>tand. in dessen Mitte, v i e r V ä t e r g e t a u t t e r Kinder sitzen. unter sich zuerst Ordnung machen. Dann müßte auch der Herr Oberrabbiner einmal von seinem Piedestal steigen und sich im Interesse der Sache gegenüber der Taufseuche mehr exponieren. Dann würden auch die anderen Rabbiner diesem Beispiel folgen. Öffentliche Vorträge, Protestversammlungen im großen Maße. Boykotterklärungen der Getauften — das würe da« einzige Mittel, um das Uebel bei der Wurzel zu fassen. Dazu abeir. fürchte ich. sind Oberrabbiner und Kultus vorstand zu-----'konservativ . . . Ein G-Gineindemitglied. Liste der Ausgetretenen. Vom 23. Jänner bis 5. Februar 1912. (Xr. 31—58.) Altmann Karoline. geb. Löwy, geb. 11. Mai 1885. Wien, XVIII., Colloredogasso 38. Alt mann Samuel, Geiieralrepräsentant. geb. 1. Jänner 1874 in Doghe (Ungarn), XVIII., Colloredo.gasso 38. Babkoff Samson, geb. 28. November 1884 in Timank (Eußlaard). IV., Favoritenstraße 11. Bassel Mathilde, Pfaidlerin, geb. 20. .länner 18(11 in Berlin, IV.. Miittersteig 7. Epstein Berthold, Fabrikant, geh. 10. Dezember .1*70. Wien, VI., Fillgradergasse 12. Erdcly Anna, geb. 28. Dezember 1870 in Steinainanger. III., Kudolfsgasse 12. HiU Max, Privatier, -eh. 24. März 1889. Wien. IL, Stuwor- -traße 0. Katscher Olga. Privatboamtin. geb. 10. Okt!u>r 1893, Wi#n, VIII. Wiekenburggasse -4. Kraus Henriette, Private, geb. PJ. .Juni 18*5 in Ksse^-g, VI., Fill.iradergasse 12. Pribram Maxim., rrivatbeamter. geh. 25. April 185:; in London. XVIII.. Wäl.rin-erstraße 123. _ Rafalo witsch Joina, Priv;tMelirer. ireb. 17. Oktober b*81 in Krenienz (Pußland). XVI.. Wurlitzengasse NO. Reizes Max. Bankbeamter, geb. 17. September 1**2. Wien. XVIII.. Staudgasse 3. Schwarz Sofie, Verkäuferin, geb. 13. August 1**7 i:i Heilbrunn (Böhmen). V.. Dieblirasse 45. Szaniek Alexander, H;iii<lolsange>tolltoi'. geb. 31. März 1804, Wien. XII- Boiiyir;isse 19. Thalberg Theresia, igeb. Fanto. Private, geb. 3. August 1878 in Abon.v-Szanto, VIII . ALorstraße 21. Weiß Leopold. Mechaniker, geb. 27. Jänner 1889 in Ijvidek, X.. Sonnwendgasse 20. Wollner Siegfried, Juwelier, geb. 27. Jänner 1892. Wien, XII.. Hauptstraße 32. Schreier Leo, SpenglergeShilfe. geh. 15. Februar 1891. Wien, XX.. Mortaraplatz. Kastner Laura, ledig. Xäherin, geb. 2. September 1888, Wien, IL. Große Stadtgutgasse 22. Krohn Stephanie, ledig. Private, geb. 12. X'ovember 1880, Wien. L. Krugerstraße 13. Fröhlich Anna, ledig. Private, geb. 12. Juli 1892. Wien. XIX., Dit.tusjra.ssp 58. Subak Mariane, geb. Stein, vorw.. geb. 20. Juli 18S5 in Lundenbiirg. III.. Engelsburggasse 4. Kordos Gottfried (früher Kohn). ledig. Prokurist, geb. 23. Februar 1880, Wien, IX.. Porzellangasse 7. Ebner Felix, Feibel. ledig. Architekt, geb. 30. August 1879 in Biala. IX.. Elisabeth promenado 23. Richter Gabriele, geb. Kohn, verh. Bäckergehilfensigattin, geb. 13. Juni 1889 in Stecken. IL. Kleine Pfarrg. 28. Ortlieb Richard, ledig. Kaufmann, geb. 4. Juni 1880 in München. IV., Brucknerstraße 8. Mensch Margarethe, gerichtlich getrennt. Private, geb. 21. April 1882, XIX., Goltzgasse 9. Geiger Alois aus Knezic, Bezirk Caslau-.