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Neue Nationalzeitung · 1912-01-26 · Heft 2 (26.1.1912) · p. Seite 11

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 2 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr.. 2 FEUILLETON. Die drei Renegaten von Petersburg. Zu den interessantesten Persönlichkeiten Rußlands gehören die drei Täuflinge von Petersburg. Es sind dies: Professor Cliwolson, der lierühnite Gelehrte, der in der jüdiselien Wissenschaft eine Autorität kt, Konstantin S ch a pi r a. der berühmte hebräische Dichter, und 1 s r;i e l Lamlau, der Petersburger Zensor für jüdische Bücher und Zeitungen, lieber diese drei Männer veröffentlicht im hebräischen ,,Hed Hasinan' B. <'h. sehr sensationelle Knfhüllungen. die auf das moderne Mnrnnnc.ntum in dem Spanien der Neuzeit ein grelles Licht werfen. I]. ('Ii. hatte oft Gelegenheit, diese drei Herren in Petersburg zu treffen, allerdings liegt dies l i-reite Itj Jahre zurück. Damals hatten gerade die Uesrhrünkuiiireii gegen die Zulassung der .luden zum l'ni\ejsitätsstudium begonnen und mit diesem eine richtige Ta-uf-Kpidemio. Seitdem hat aber eine starke nationale Uewegung im Judentum eingesetzt und die l'otev^huviTör jüdische Intelligenz sah auf die Täuflinge mit Veraehtung herab . . . Professor (' Ii \v o Iso 11 war eigentümlicherweise gerade bei den Orthodoxen, ja selbst in rabbiuiseheii Kreisen sehr geachtet. Ks hatte sich so.irnr heim Austritt dieses Mannes die Legende gebildet, dal» er sieh taufen Hell, um die russischen Juden gegen die verschiedenen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, zu verteidigen. Dafür war man ihm auch sehr, dankbar. Manche wollen diesen altruistischen ('rund als für seine Taufe ausschlaggebend ansehen. Andere urteilten über ihn aber anders. So Professor Unkst, ein berühmter Physiologe, der seine Lehrkanzel aufgeben inulHe, weil er'sieh nicht taufen lassen wollte. So auch Jakob Maliern, ein hochgestellter Beamter, der es bis zum (ieneialsrang brachte, -höhere Aemter aber nicht erreichen konnte, "weil er ebenfalls die Taufe nicht annehmen wollte. Diese Männer kannten Chwolson gut und sie verehrten ihn durch aus nicht, B. < h. erzählt von einem interessanten Gespräch, das er über Chwolson mit Professor Hakst hatte. Dieser sprach folgende denkwürdige Worte, die auch für die Wiener -luden besonders tiefer zu hängen wären: ,.Bei <|er Taufe ''hwalsons können die Rabbiner ganz ruhig und kaltblütig bleiben. Für sie hat es da gar keine Gefahr. Alter solche Juden wie Hnlpern und ich, können da nicht kaltblütig zuschauen. Wie kann man denn in Seinem Herzen ein guter Jude bleiben und gleichzeitig aus der Taufe, aus dem Christentume Vorteile ziehen? Dann "wäre ich ja heute noch Professor und könnte für Juden sehi" viel Gutes tun und Holpern wäre schon sicher Minister und könnte dann bedeutend mehr für das Judentum leisten als ChWalsoii. Wir wollen aber nicht allein für Juden etwas tun. sondern wir wollen selbst Juden' sein und bleiben. Dabei halten wir das Festhalten am Judentum für kein 'Opfer und deshalb verachten wir die T üu f 1 i n g e a 11 s t i e f's tem H e r z e n. Wir halten sie für unwürdige, niedrige Manschen, die keine Beziehungen zum Judentum mehr haben können . . ." Interessant, war das Verhältnis dieser drei Renegaten zueinander. So wurde einmal Konstantin Sehapira gefragt, was er von. Chwolson -danke. Du gab .Siek (kr JJerr , Sehapira einen energischen Ruck und; wie angeekelt rief er aus : „Ein Getaufter!'1 Als B. «.'h. von dieser eigentümlichen - Charakteristik erfuhr, war er natürlich sehr erstauntv da doch schließlich sein Gegenüber auch nichts Anderes als ein Apostat war. Erst später, äks ejr .8ehnj^q'ii/4f£Itf|r &e^u.efc. lernte, konnte 1». Ch. erst' den Sinn. /lieber, WorJiv.-.Jviü; Getaufter!" uiid Jen Gnuid;)Xdr .V|,ijMd^Uii.gi ,welche Sehapira für Ohw.alsön hqf'te, J;egr«:iiVij. : '.,*.. ,4. ' Eigentlich \ya-r. Sehapira. nur. «in gevyv^iwr Täubling1 und ein Mann, der zii seinem GlniibL'U. vollkommen /üiifu^r gideehrt ist. Kr. hat'einmal: in eiijpr unglüeklbdien Stutzeeinen Fehltritt begangen* den. er «Ni., -§ei# .giWWyl&ltßii lang nicht mehr, verzeihen kannte. Jlrm.. Kinn, es sn>s - dejjfc («runde seines Herzens, wenn, er sagk-, f.Q£. Ah<- -ihm .Jn-^n Seele weh, dal» er ein Abtrünnige;:vg»\\v^u.-d.eUi.;»ieier. ein hebräischer, nationaler Dichter. JJas hat, ihm fiue?b ui'/ht; zu martern und .zu <|iiäle.i.i aufgehört und.wr; blieb.tiin^ulr. richtiger Jude, der fihty: die jüdischen Leiden■ <weinb^..ilft-i an die Renaissance des Judentums ehrlich gUuJitiQ -,f. -f .,r Aber Chwolson war da etwas. gauz..4iudOVji^, I^r»W';rt't; sozusagen, ein zufriedener.. glücklichi;r(.lYiuf;ling;..- -, 1.-.; ■< :>, *?-"j •Sehftjiini tnigt^rti die ifiTT.ffste Tfiit 'der- "AbFiiellt.; aus Rutiland auszuwandern und öffentlich Keine W)Adefto?-! kehrung bekanntzugeben; Ks blieb abbiü \ii>\ -Aw AfttsieJrP'-^-' ein süller Traum. Zwei Wochen vor *ejjr<MU plafailftfreni T<'>de Itcsuohte ihn II. <'Ii.--BeL fli*t?eiW''-JI<-.*JM'h'v'' l*i-hwMi: <•>•-'«4ttft'* der Dichter zu, dal! er innerhalb eines Mon'ats5 mich :Jeru-,: salem reisen und dort seine Rückohr zum Judentum erklären wollte. I) am als 'zeigte et^al^l^lf^Äßi lll^l^* <2| groU angelegten Gedickt-g^gen ^%hfi'.4t#it#in '^4iM Mt' v!g-6g^h* »l^^,ei^i^^^jM|Kläi^iW 11: ffi'^'A^^ft'1 ianfiiu'1^frti«ii'^\t>Ä ^leTi llauiiuenden Prote: welche die Juden- Christen zu erdulden halten. Und mit.einem glütjkstStenden Gesicht sngt•'er' zu H. (.'h. rl/nddic-ses iiedit-Ult :wewU-i^b im Auslande drucken Is^sen: [eh Avilt dbxs> abb>r ei«;* Stlihi:Mii?; w enn ich aus Rutirand mTsge^ahdeVt'bin -_ "und \\\_%]\\£Ui,'l Monat bin ich sicher iiicht mehr hier!. .. .;.:.,v . .. ..ir ,.0 Aus einem gänz anderen ITolz:\vur vfreder der-'D^tt^ in diesem Bunde geschnitzt : Israel L ri Ti d.a'ii^ df)-, Itters-" hurgei- 'Ai>niun: Das war ein ganz ejnfatduy-, muH i"k.«ywi wßiir A sagen, f r 0 in m e r J ir d e; In .^einejtL Alter 'von ~>w■ Jalnv»- hat er sich, durch bittere Not gezwungen; taiife'fi ■ tk-s*en m ii ssen. Xachdeni er yitde Wlnte'rnZiehte die Petcrsl/urger, »StraUen durchirrt, JtattB, .••ut^.'bjo^.. -.er..^]»;!!,, .J.u'jly r i f c-li.. zu u ertleii. Die.se Tauft» vorgi.'^t« ihm., jnitto'srLQfceii« >• Ks gibt in Petei^iturg vi^l« '/^rrt'liii^e,; .fixc^'eüien / s t r e n g k 0 sehe r e u IlausluWt ,i"üfu;cn.. 4 Lud zu.Vdie.^t. gehörte auch I.audau. •..-•;. ,.■ - Wie oft konnte jnan "ihn •lnVoril'"^''' ' ' ^, ,\.y . t „Wenn ich ('Jiwiüs(m*i G«-W..-hä'fet»?i wäre iah snlam •' längst in Jerusalem Was für: eiir; N'arr' r:do?»h dlPs^r' ChTs-olsvn iUverhaupt i*t\ _ Kr; ^11 '* 'eh»% '/'gnÜ'/M .MHÜfih ■ haben und deshalb w ill ax ]^^mmii^:ßy^i'»}f\\r'g. itit'fet ,.1 verlassen.. Zniiv Sehluli .wi*«l . oc , nocli .-»tl»M!L^ci««lii9ek-@!rtlio>» dox^r sterben ..." l'ml, kritisch }U'kaeh^lf^:^w|d||i%eiAe großes 0)tfer Aiuhirofnsfaxito&tä Allerdings hatte ihm die griechisch-orthodoxe Kirche wenig Fuiffct m^a^0m ixmn<t^£. dvnH ^be.hpM^ÜVQlAi ^tthü Kr war einer der Wenigou, ■ w^^h« ä'w * h»jJH,«,iiseh»> LltorrfWr'^ genaji kunatmii Atidt-rcr^its . verstaut? -: v/>migltebVi vH^ - Kunst, sieh beim; Klerus-• dsuhirch beliebt;zn mat'hen/ d-aK er die iRolle. eines treuen Citri «fem.' spielte,' fnit'/A»vii «»r- VK'e- '. Juden rn :Sehnt» nah}». Obwohl .er 'doeh^ wnv **in -I^hrf4' 1 im .priester-SeiiiHiar war, wurdes eV dur^h ^ineih 'Ruf' nln PluloHemit ei^t -e-iu ■ bi>icHiiiitpr Manu.. 'Dufür j'^iiytikn"h'ncTi :' zum. Teil Kciche pe^'rsJml-g*:!* Snden, 'hiiii/i-lswehlieh: )^\rO)i' ■'•

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