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Neue Nationalzeitung · 1912-01-26 · Heft 2 (26.1.1912) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 2 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 „Neue National-Zeitttng" Nr. 2 großen jüdischen Kultusgemeinden Galiziens, des Hofrates Dr. German als Delegierten des Polenklubs, der jüdischen Abgeordneten Dr. Kolischer, Dr. von Löwenstein und Rauch eine Konferenz betreffend den jüdischen Religionsunterricht und die jüdischen Religionslehrer an den Mittelschulen stattgefunden. Das Referat erstattete Univ.-Dozent und Professor für jüdischen Religionsunterricht Dr. Moses Schorr. Derselbe besprach eingehend alle Postulate der jüdischen Religionslehrer, die in erster Linie ihre Stabilisierung wünschen. In ganz Galizien gebe es kaum 4—5 stabilisierte Religionslehrer (Staatsbeamte), während die zahlreichen anderen im Widerspruch mit dem Gesetze nur provisorisch angestellt sind. In Ansehung des Religionsunterrichtes wünschen u. a. die Lehrer, daß die jüdischen Schüler den Religionsunterricht gleichzöifi^mit ihren christlichen Kollegen erhalten, da sie sonst während dieser Znit müßig herumlaufen. An der Diskussion nahmen teil Hofrat German, Professor Sternbach, jüdischer Repräsentant im Landesschulrate, welche sich erboten, für die vorgetragenen Postulate einzutreten. Dann sprachen noch Dr. Rafael Landau (Krakau), Dr. Fiscbler (Stanislau), Dr. Löwenstein (Lemberg) usw. Es wurde beschlossen, ein Memorandum auszuarbeiten und dasselbe dem Landesschulrate zu unterbreiten. SEMSiNDg» un» tf5R5iNWÄUiRiU«W Wien. (VortragausjiidischerGeschichte, Literaturund Kultur). Donnerstag, den 1. Februar 1912, präzise halb acht Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieuru. Architekten-Vereines, I Esehenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Professor Dr. M. B a 1 a b a n aus Lemberg statt. Thema : „Der letzte jüdische Messias Jacob Frank" (Zur Geschichte der Juden in Polen im XVIII. Jahrhundert). Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, uhne Karten. Cxemowftx. (Der Repräsentationsballder Buko-win er Juden achaft.i Montag, den 8. d. M. hat zum ersten Male der Repräsentationsball der Bukowfner Judenschaft stattgefunden. Dieses Ballfest, das an Glanz und Herrlichkeit eines der schönsten der bisherigen nationalen Repräsentationsfeste des Landes erscheint, wird nun alljährlich in jeder Ballsaison sich den Veranstaltungen der anderen Volksgruppen des Landes würdig anreihen können. Der Festsaal des „Jüdischen Hauses" war wundervoll mit Blattpflanzen und Blumenschmuck dekoriert und feenhaft beleuchtet. Um sämtliche erschienen Ballgäste vollzählig aufzählen zu können, müßte nahezu der ganze Schematismus der Landeshauptstadt verzeichnet werden; die höchsten Beamten des Landes, Vertreter sämtlicher Zivil- und Militärbehörden, die Repräsentanten aller autonomen Körperschaften, viele nationale Vereine und die Gesellschaftskreise sämtlicher Nationen des Landes hatten sich eingefunden. Es war ein glücklicher Gedanke unserer ältesten jüd. nat. Verbindung „Hasmonaea", durch die Veranstaltung des Repräsentationsballes der Bukowiner Judenschaft das jüdische Volkstum auch auf gesellschaftlichem Gebiete zur Geltung gebracht zu haben. $US GLIEN WeLttCiLCN Eine Huldigungsadresse auf reinem Weizenkorn. In den nächsten Tagen wird der neue Generalgouverneur von Kanada, Herzog von Oonnaught, seinen neuen Posten beziehen. Aus diesem Grunde werden auch die jüdischen Kolonisten in Kanada eine Deputation zum Empfange des Vizekönigs entsenden und ihm eine Huldigungsadiesse tiberreichen. . Diese Adresse, die in hebräischer Sprache abgefaßt ist, wird nicht auf Pergament, sondern auf einem Weizenkorn geschrieben werden. Das soll gleichzeitig der Ausdruck der Freude der jüdischen Kolonisten darüber sein, daß sie sich wieder dem Ackerbau widmen können. Diese eigenartige Adresse enthält dreihundert hebräische Buchslaben und kann durch ein Mikroskop leicht gelesen werden. Der Schreiber der Adresse ist der jüdische Kolonist Abraham Schächter, der vor wenigen Jahren aus Rußland eingewandert ist und in der Provinz Alberta eine Farm besitzt. Eine ähnliche Adresse wurde seinerzeit Sir Moses Montefioro überreicht. Amerika importiert Hebraica ans Rnssland. Aus Anlaß des Handelskönfliktes mit der Union bringen die Petersburger Zeitungen lange Artikel über den russischen Warenaustausch mit Amerika. Nach einer Zusammenstellung des amerikanischen Konsuls in Moskau sind 1910 hebräische Bücher, E i t u a 1 i e n und dergleichen aus Eußland nach Amerika im Gesamtbetrage von 5 Millionen Dollar ausgeführt worden. Das bedeutet im Verhältnis zu dem Vorjahre einen Eüekgang um etwa 3 Millionen, das entweder auf die verschlechterte Lage in Amerika oder auf das in der neuen Welt immer mehr abnehmende religiöse Bedürfnis zurückzuführen ist. Die Zerstörung des alten Judenfriedhofes in Wilna. Am rechten Ufer des Wilnaer Flusses liegt der alte jüdische Friedhof, der vor 80 Jahren geschlossen wurde. Er umfaßt die Grabstätten von Hunderten berühmter jüdischer Männer, deren Namen in der Geschichte der Juden unsterblich bleiben wird. Dort liegen der W i 1 n a e r G a o n, der „Ger Zedek", und viele andere begraben. In den letzten Jahrzehnten wurde dieser heilige Ort leider so vernachlässigt, daß die hölzerne Umzäunung allmählich abgetragen, und dadurch die Grenzlinien des Friedhofes verwischt wurden. Dokumente, welche beweisen würden, daß dieser Friedhof Eigentum der Judengemeinde von Wilna bildet, sind auch keine mehr vorhanden. Die meisten Grabsteine sind versunken oder sonstwie zerfallen. Aber immerhin blieb noch ein ziemlich groser Teil intakt, und zwar gerade jener Teil, auf welchem das Grab des Gaon und eines der letzten großen Wilnaer Eabbiner stehen. Nun droht diesem Friedhof die vollständige Zerstörung. Trotzdem die genannten Grabsteine doch einen sicheren Beweis dafür bieten, daß das Grundstück einst ein jüdischer Friedhof war und demnach Eigentum der Gemeinde bildet, hat der Gouverneur von Wilna in einer Zirkularnote das Eigentumsrecht der Judengemeinde auf diesen Grund einfach in Abrede ge teilt und verlugt, den ganzen Friedhof zu nivellieren und im Anschlüsse an andere angrenzende Grundstücke in einen Wettrennplatz umzuändern. Die (ienerulversamniluDg der rassischen Chowewe-Zion. Die 8. Generalversammlung des Odessaer Palästinakomitees findet, wie bereits gemeldet, vom 14. bis 18. Februar statt. Zur Beratung stehen die verschiedensten wirtschaftlichen und kulturellen Fragen der Palästinaarbeit. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: Eröffnungsrede des Vorsitzenden M. Ussisehkin. — Debatte über den Tätigkeitsbericht des Komitees. — Institut für Agrarkredit in Palästina. Eeferent: Dr. J. B u c h m i 1. — Gesellschaften und Institute für Bodenkauf in Palästina. Eeferent: B. Goldberg. — Gartenstädte. Eeferent: Agronom A. Sussmann. — Grundzüge der Kultur- und Erziehungsarbeit in Palästina. Referenten: Dr. Josef Klausner und M. S c h e i n k i n. — Organisation des Informationsdienstes. Eeferent: Dr. M. Glücksohn. — Organisation der. Propagandatätigkeit. Referent Ch. Grünberg. — Diskussion über die Referate. •Die Kolonisationstätigkeit in der Türkei, in Syrien und Palästina und die politischen und bürgerlichen Rechte der Ansiedler. Eeferent vorbehalten. — Beschlußfassung über die vorgeschlagenen Resolutionen und Neuwahl des Komitees.

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