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Neue Nationalzeitung · 1912-01-26 · Heft 2 (26.1.1912) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 2 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Nene National-Zeitung" Nr. 2 DIE JÜDISCHE Dr. Nössige Wanderungen Wien. Dr. Alfred'Noss ig, der in Berlin vor einiger Zeit eijfte A. J. ('. 0., soll beißen: „Allgemeine Jüdische I^cäönisations-Organisation" gegründet hat, hat jüngst Wien aufgesucht, um für sein kolonisatorisches Unternehmen Propaganda zu machen. Er wandte sich an die offiziellen Persönlichkeiten, die vom Dr. Alfred Stern in den Sitzungssaal- 4«r Knltusgemeinde für den lö. d. M. einberufen pufften, um «ein Referat anzuhören. Wiewohl es doch auch $fiige'-laute in Wien gibt, die kein offizielles Mandat be- Meiden,, Äufür aber von Kolonisation und Emigration etwas r<9rstaken, wurden dieselben nicht geladen. Man wollte eben 'iiper sich sein, wie immer. Die Herren waren von den Ausführungen Dr. Nossdgs, die im Wesentlichen darauf lrinausgeheny eine Orientkolonisationsbewegung . iü schaffe», begeistert.; In Berlin würde von den offiziellen Herren hei dieser <3elegenh«it gleich ein namhafter Betrag gezeichnet werden; lltej? erfoigte aber, wie es im Kommunique heißt, ..sofort f" föe'. Verständigung zwischen den betreffenden Personen, ie die weitere Aktion übernommen haben!" Die Diskussion ergab gnr keine neuen Gosichispunkte. Der Generalkonsul von Bolivia J. Weiß, kaiseil. Rat Ä n n i ng er, Kommerzialrat Heinrich Mend 1, deren nächste Verwandte ausgetauft sind, weiters Abg. Dr. Ofner, Vizepräsident der Produktenbörse J. Weil haben sieh nie mit dem Schicksale der jüdischen Emigranten beschäftigt. Dagegen muß man sich wundern, daß Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, der doch Vorsitzender des Komitees zur Einberufung einesEmigrationskongresses ist, so schlechte "JhTörmationen besitzt Dr. Kohn meinte, daß Jacob Schiff in New-York die Ablenkung der Auswanderung 'von'Nordamerika für eine dringende Notwendigkeit hält. Das ist nicht richtig. Schiff und die Führer der jüdischen Tmmigrationsorganisarionen in New-York haben bloß die Ablenkung der Einwanderung von New-York für notwendig erklärt ,und zu diesem, Zwecke in New-York ein besonderes Bureau „Reinoval Office" geschnffen, welches ein Einvernehmen mit der Emigrations-Gesellschaft in Kiew i die russisch-judischen Emigranten nach Galveston in Texas, also Nordamerika, befördert. EniQRdTION. Jüdische Euugrationskonferenz in Petersburg. (Die Entsendung einer Deputation nach Nordamerika.) Petersburg, den 21. Jänner. Die auf die Einberufung eines Emigrationskongresses abzielende Bewegung ist bei einem toten Punkte eingelangt. Sie rührt sieh nicht von der Stelle. Die Idee des Kongresses findet in Wien und in Berlin gar keine Unterstützung, die dortigen Kreise, mit denen man sieh in Verbindung gesetzt hat, hatten für das jüdische Emigrationsproblem nie das richtige Interesse; seitdem sich aber Jacob Schiff ohne Angabe von Gründen gegen den Kongreß erklärt und anläßlich seines Besuches in Frankfurt es abgelehnt hat, eine Deputation aus Rußland zu empfangen, wurde in Berlin und Wien jede weitere Tätigkeit eingestellt. Es ist daher die Idee aufgetaucht, eine Deputation nach Nordamerika zu schicken, um dort an Ort und Stelle mit Jacob Schiff und den jüdischen Einwanderer-Schutzorganisationen betreffs Einberufung eines Kongresses ein Einvernehmen zu erzielen. Zum Zwecke der Beschlußfassung über diesen Plan wurde von der hiesigen „Gesellschaft zur Regelung der jüdischen Einwanderung'' eine Konferenz einberufen, welche hier am 1(.>. d. M. in Anwesenheit von Delegierten zahlreicher Städte, wie Korno, Minsk, Riga, Witebsk, Kiew, Hornel, Warschau usw. stattfand. Nach eingehender Diskussion wurde mit 19 gegen 10 Stimmen beschlossen, eine Deputation in obigem Sinne nach Nord-Amerika demnächst zu entsenden. Die Majorität ging von der Ansicht aus, daß es bisher falsch war, sich um die Zustimmung der großen Hilfsorganisationen (K'A, Alliance und Hilfsverein) zu bemühen: diese werden nie dafür zu haben sein, die Macht aus ihren Händen an einen Emigrationskongreß zu übertragen. Deshalb müssen sich die Emigrationsvereine resp. Komitees organisieren, um sohin als Volksrepräsentanz gleich auf gleich mit den Hilfsorganisationen zu verhandeln. Zu diesem Zwecke müssen die jüdischen Volksmassen Rußlands mit ihren Brüdern in Amerika, da sie beide an der Lüsung des Emigrationsproblems das größte Interesse haben, in Verbindung treten. Diese Verbindung soll die Delegation anbahnen. * * * Das literarische Informationsbüro au des Norddeutschen Lloyd's. Das seit 19CG bestandene Nordeutsche Telographen- und Correspondenz-Burenu für Schiffahrt und Kolonisation in Berlin führt seit dem 1. Januar 1912 die Bezeichnung ,.No r de ut sehe r Lloyd, Literarisches Inf or niati o n sb u r e a u." Aufragen betreffend Emigration oder Kolonisation können an das Btrreu, Berlin W. 30 in allen Sprachen, auch in Russisch, Polnisch, Hebräisch und Jargon gerichtet werden. An der Spitze des Bureaus steht ein vorzüglicher Kenner der Emigrationsverhältnisse, Herr Arthur Meyerowitz.

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