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Neue Nationalzeitung · 1912-01-26 · Heft 2 (26.1.1912) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 2 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NKie WCIOttöL-ZBCÜNG XIV. JAHRGANG. WIEN, 26. JANNER 1912. Nr. 2. Senile Gemeindewirtschaft. Als vor 4;niger Zeit ein Wiener Schriftsteller und Freund unseres Blattes e'inen der ersten Führsir der Präger Judengemeinde besuchte, da war dessen erste Frage an den Gast: „Warum läßt denn die „National-Zeitung" dem Dr. Stern keiine Ruhe?" Der Befragte, der den Wiener Gemeindeverhältnissen etwas f?;rne steht, war nicht in der Lage, darauf eine prägnante Antwort zu geben. Wir wollen hier d>ie Antwort nachholen: Dr. Alfred Stern ist nach unserer Ueberzeugung ein Krebsschaden für die Wiener Judengemeinde. Er steht den Wünschen und den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung ohne Verständnis und ohne Interesse, ja feindlich gegenüber. Sein einziges Streben geht dahin, sein Mandat und seinen Einfluß zu erhalten; seine einzigen Mittel sind: Absolutismus und Korruption. Und die Beweise für diese Charakteristik? Wir haben sie wiederholt erbracht. Die schroff ablehnende Haltung des Dr. Stern gegenüber der von der öffentlichen Meinung und zahlreichen Mitgliedern des Kultusvorstandes gewünschten Herabsetzung des Steuerminimums von 20 K auf 10 K, wodurch breitere Schichten zum Wahlrechte und damit zur Teilnahme an dem jüdischen Gemeindeleben herangezogen werden könnten, verleiht der Gemeinde im Zeitalter des allgemeinen Wahlrechtes ein reaktionäres Stigma, Die Entziehung des Wahlrechtes Tausenden von Steuerzahlern, weil sie in den ersten neun Monaten des Wahljahres die Steuer für dieses laufende Jahr noch nicht bezahlt haben, ist eine brutale Vergewaltigung und empfindliche öffentliche Demütigung für viele opferwillige Gemeindemitglieder, die oft Jahrzehnte ihre Pflichten sorgfältig erfüllt haben. Und wenn dies auch durch die Statuten zugelassen wird — kein Präsident vor Dr. Stern hat davon Gebrauch gemacht. Die Bevorzugung einzelner Beamter, nicht wegen ihrer Verdienste, sondern wegen ihrer Verwendbarkeit für Wahlzwecke — ganz nach christlichsozialem Muster — die Anstellung von Beamten auf Kosten der Gemeinde z u m Zwecke der persönlichen Reklame: auch das sind die Früchte des Systems Stern. Damit ist die verhängnisvolle Tätigkeit des Dr. Stern noch nicht erschöpft: Die Nachrichten, die uns aus Kreisen von Gemeindefunktionären und von beteiligten Gemeindemitgliedern konstant zukommen, bringen uns fortwährend neues Material, neue Striche zum Porträt eines senilen, von Eitelkeit und Starrsinn beherrschten Mannes, der sich gegen den Willen der Bevölkerung an den Präsid^ntenstuhl klammert, unbekümmert um die Würc!Mi und das Wohl der Gemeinde. Ein Gewaltakt e;o«:en die Bezirkskomniissionen. Im diesem Jahre (1912) beginnt wieder eine dreijährige Steuerperiode (1912—1914). Die Steuerveranlagung wird von den Bezirkskommissionen, resp. aus denselben gebildeten Kultussteuer-Bezirkskollegien revidiert und nach Maßgabe der Verhältnisse geändert. Für diese Steuerperiodei wurden die gesamten Kultussteuern um zirka 300.000 Kronen erhöht. Während sie für die Periode 1909—1911 mit K 1,380.000.— bestimmt wurden, erfolgte diesmal die Einschätzung mit K 1,680.000—. Dabei ergab sich einai Divergenz zwischen den Bezirks-Kommis- Dieser Nummer liegt das Inhaltsverzeichnis des Jährganges 1911 bei.

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