Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1912-01-12 · Heft 1 (12.1.1912) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIV (1912)
Issue
Heft 1 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425679-2425857-2425859--2265-2428683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 12___..Neue National-Zeitung" Nr. 1 winkenden Bischofsitz zu verzichten. Doch das mache Roseggeir mit sich selbst aus. Er hat seine Figuren in der StudieTstube wohl ausgetüftelt. Aber, wogegen wir protestierein, ist: daß uns der steirische Dichter noch immer hinstellt als die) feigen Juden und die erbarmungslosen Geldwucherer. Auch wir verlangen heute mehr „Güte", und wird uns die'se nicht zuteil, wenigstens — mehr „Wahrheit". LITER/miR UNb THEATER Das jüdische Gross-Kapital in Preussen. Das jüngst erschienene konfisziert gewesene und jetzt freigegebene , J a h r b u e Ii des V e r m ö g o n s und Einkommens (I e r M i 11 i u ii ä r e in Preuße nJ von Rudolf Martin enthält sehr interessante Daten, wodurch das antisemitische Dogma von der weltbehorrschendnn Macht des jüdischen Kapitals stark erschüttert wird. Die Methode, die Martin seinen Untersuchungen zugrunde legt, ist folgende. Er fängt mit der höchstbesteuerten Person im Königreiche Preußen an, die, wie die Statistik der preußischen Einkommensteuerveranlagung, die im Verlage des königlich Statistischen Landesamtes erscheint, ergibt, Frau Krupp von Bohlen und Halb ach ist. An zweiter Stelle mit einem Vermögen von 177 Millionen Mark und einem Einkommen von 12 Millionen Mark nennt Martin den Fürsten Guido II o n c k e I v. Donnersmarc k. Martin gibt eine Tabelle über die Entwicklung des flenekelschen Vermögens seit Beginn der Vermögenstatistik im Vergleich zu den beiden anderen größten Vermögen, die in Preußen versteuert wurden, denen der Frankfurter Rothschilds und der Krupps Aus dieser Tabelle ist genau zu ersehen, wann das Rothschildsche und das Kruppsche Vermögen durch den Tod der Inhaber und die darauffolgende Erbteilung zersplittert, während das Henckelsche Vermögen während der ganzen Zeit in einer Hand bleibt. Da der letzte Frankfurter Rothschild 1901 starb, fällt der Erbe des Rothschildschen Vermögens, das noch im Jahre 1899 mit Millionen Mark durch Willy v. Rothschild deklariert wurde, von der ersten Stelle zurück, denn Freiherr Max v. Golds chmid t-R o t h s c h i 1 d versteuert nur 107 Millionen Mark mit einem Einkommen von 3 bis 4 Millionen Mark. An dritter Stelle ist jetzt Christian Kraft, Fürst zu H o h e n 1 o h e-0 e h r i n g e n, Herzog von Ujest, getreten. An fünfter Stelle — die vierte nimmt, wie wir bereits gesehen habe i, Max von Goldschmidt-Rothschild ein — steht Hans Heinrich XV. Fürst P 1 e ß, der 8 t Millionen Mark mit 1*9 Mill. Mark Einkommen sein Eigen nennt. Die sechsreichste Person Preußens ist Martin zufolge Hans Ulrich Graf v. Schaffg o t s c h. Ein zweites Mitglied der Familie Rothschild, Freifrau Mathilde *v. Rothschild, die beinahe 80jährige älteste Tochter des Wiener Rothschild, steht an siebenter Stelle mit einem Vermögen von 7fi Millionen Mark und einem Einkommen von 2 bis 3 Millionen Mark. Auf gleicher Stufe steht Kommerzienrat Eduard Beit von Speyer, der Mitinhaber des Weltbankhauses Lazare Speyer-Ellisen. Uebrigens spukt die Theorie von der Uei ermacht des jüdischen Groß-Kapitals nur noch in den Köpfen der antisemitischen Agitatoren herum. * Scholem Aleichems Werke in englischer Sprache. In letzter Zeit hat der bekannte Jargon-Humorist Scholem AJeichem ein*1 Aktion eingeleitet, die darauf abzielt, die Fehersetzungsfrage betreffend die Arbeiten jüdischer Schriftsteller einer Regelung zuzuführen. In humoristischer Weise schilderte er, wie ein jüdischer Schriftsteller zu Hause in Rußland schlecht bezahlt, dafür aber dann in alle möglichen Sprachen übersetzt und dafür gar nicht bezahlt werde. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ent chlotl sich .-u-holem Aleieheni, für jede Sprache einer einzigen Persönlichkeit gcge-i ein bestimmtes Abkommen das Recht der Uebersetzung seiner Werke in die betreffende Sprache zu überlassen. Auf Grund eines solchen Abkommens hat die l»ekannte jüdische Schriftstellerin Hanna Berman in Dublin (Irland) das Recht der Fe icrsetzung sämtlicher Werke Scholem Aleichems ins Englische erworben. Miß Berman hat sich auch bereits an die Arbeit gemacht und wird schon in nächster Zeit den ersten Band dieser Werke veröffentlichen. Eine Lehrkanzel für hebräische Sprache in Südafrika. Der Senat der Universität auf dem C a p der guten Hoffnung beschloß, vom laufenden Semester angefangen, die hebräische Sprache und Literatur unter diejenigen Gegenstände aufzunehmen, für welche der Hörer bei der vorgeschriebenen Immatrikul itionspriifung optieren kann. Ueberdies wurde eine Preisstiftung für die hebräische Sprache und Literatur errichtet. * * * Ein Lektorat für talmudische Wissenschaft an der Leipziger Universität. Das sächsische Kultusministerium hat beschlossen, an der U n i v e r s i t ä t L e i p z i <r e i n e L e k t o r s t e 1 1 e für s p ä thebräische, j ii d i s c b-a r a m a i s c Ii c und talmudische Wissenschaften zu errichten. Sie wird vom 1. April ab dem Privatgelehrten Israel Issar K a h a n in München übertragen mit der Maßgabe, daß dessen Unterricht mit dem alttestamentlichexegetischen Seminar in Verbindung steht und gleich diesem der Oberleitung des Professors Dr. Kittel unterstellt ist. Die Leipziger Universität ist die erste, die endlich die Bedeutung der talmudischen Wissenschaft durch die Schaffung dieses Lektorats anerkennt. * * * Ein neues Theaterstück von Schalom Asch. Wie aus Warschau berichtet wird, wurde Schalom Asch's neuester Zweiakter „Die Schwachen" vom Direktor Reinhardt zur Aufführung im Berliner Deutschen Theater angenommen. Das Stück ist noch nirgends zur Aufführung gelangt. * * Ein jüdisches Drama im Verdi-Theater in Mailand. Im Verdi-Theater von Mailand wurde vorige Woche, wie der „Seccolo" berichtet, ein neues Drama von Vittorio del Mare unter dem Titel „I muovi E b r e i" zum erstenmal aufgeführt. Das Drama in drei Akten hat eine sehr kühle Aufnahme gefunden. Der Grund dafür ist die etwas gezwungene Handlung und die Tendenz, die Mischehen zwischen Juden und Christen zu propagieren und als einigendes Band zwischen den Ehegatten verschiedenen Glaubens den gemeinsamen Patriotismus hinzustellen. Es ist die alte Geschichte, daß ein jüdisches Mädchen sich in einen strenggläubigen Christen verliebt und Gegenliebe findet. Keiner der Liebenden will seinen Glauben wechseln. Auch die beiderseitigen Eltern sind gegen den unnatürlichen Bund. Aber die Ehe findet doch statt. Bald treten die bekannten Gegensätze auf, die auf Seite des Mannes noch durch seine fortwährende Verbindung mit den Klerikalen eine Verschärfung erfahren. Der junge christliche Ehemann entschließt sich, seine angeblich von ihm geliebte Frau im Namen seines Glaubens zu verlassen und in dem kritischen Moment hält die jüdische Frau eine lange Erinnerungsrede an ihre Vorfahren, deren patriotische Heldentaten im Vereine mit Garibaldi sie ihrem wankelmütigen Gatten ins Gedächtnis ruft. Das patriotische I;eal hat nun das vermocht, was der Frau bisher nicht gelang: den Mann zum Bleiben zu veranlassen und die Versöhnung herbeizuführen. Wie erwähnt, hat dieses blutleere Stück keinen Beifall finden können. * ... * Ein Rothschild-Lustspiel. In Berlin wurde dieser Tage ein Lustspiel von Karl Rö|31er aufgeführt, welches den Titel „Die fünf Frankfurter" führt. Das Lustspiel behandelt das Haus Rothschild. Im Hause der alten Gudula in Frankfurt a. M. treffen sich an einem Tage des Jahres 1822 die fünf Söhne Mayer Rothschilds, ^alomon, der mit seiner Tochter Charlotte aus Wien kam, hat sie dorthin bestellt, ohne ihnen den Zweck der Zusammenkunft mitzuteilen. Als alle Brüder versammelt sind, verliest >alomon ihne l das Handschreiben des österreichischen Kaisers, das die Familie in den Freihcrmstand erhebt. Aber noch aus einem anderen Grunde hat Salomon seine Brüder aus London, Paris und Neapel nach der Vaterstadt kommen lassen. Der Herzog von Taunus braucht. Gold, um sein Ländehen vor dem Staatsbankerott zu retten Die Bruder sollen ihm helfen. Salomon will dem Herzoge den Gefallen tun, wenn er Charlotte die Herzogskrone aufs Haupt setzt Der Herzog erklärt sich hiezu bereit, Charlotte schlägt ihn aber aus, da sie an dem j mgsten Bruder ihres Vaters, dem kunstliebenden Jakob, der aus Paris gekommen war, mehr Gefallen findet. Ein Machwerk. firieurs n« m*m m zeitgemäss WkäM ■ W Möbelfabrik und und M|f|||llDI,f vornehm Iii DY Ulli1 Architektur« VI Bezirk, lüros IHUmiCI H preiswert ■■IU6I Hill Mariahilferstrasse Nr. 3t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.