Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XIII (1911)
- Issue
- Heft 26 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 „Neue National-Zeitung" Seite 7 für ein weiteres Jahr zu prolongieren, mißjungen ist. Auf Wiedersehen bei Philippi! * # * Die Zionisten nehmen von Dr. Stern Subventionen! Das letzte Budget weist unter den „Subventionen" einige neue Posten auf. Znm ersten Mal erhält jetzt „Der ZionistischeZentralverein" (9. Bezirk, Türkenstraße Nr. 9) eine Subvention von K 200. der zionistische Sportverein „Hakoach" eine Subvention von K 50. Es haben sich viele Leute in der letzten Zeit nicht erklären können, warum das Wiener zionistische Organ plötzlich für Leraberger und böhmische Verhältnisse mehr Interesse bekundet als für die Seitenstettengasse. Die Subvention des Dr. Stern an den Zionistischen Zentralverein erklärt manches. Vielleicht werden wir bei den nächsten Wahlen noch mehr erfahren. * * * Die Statuten-Revision. Bei dpn nächsten Wahlen muß Dr. Stern selbst um sein mit 59 Stimmen Majorität vor 5 Jahren erkämpftes Mandat ringen und da ist für ihn die so mutwillig verschleppte Statuten-Revision plötzlich aktuell geworden. Er hat daher die Revisionskommission einberufen und ihr den Antrag unterbreitet, daß die Wahlen nunmehr nicht mehr alle zwei, sondern alle drei Jahre stattzufinden hätten. Die nächsten Wahlen wären daher erst im November 1913 statt im November 1912 auszusehreiben; sein Mandat wäre um ein Jahr prolongiert, ohne daß die Wähler befragt wären. Um der Kommission nicht bloß diesen einzigen Antrag vorlegen zu müssen — das wäre zu auffällig — wurde gleichzeitig auch die Frage der Erhöhung des Steuermaximums von K 12.000 aut K 20.000 zur Diskussion gestellt. Andere ebenso wichtige Aenderungsanträge wie: Herabsetzung des Steuerzens us,'tEr Weiterung des Wirkungskreises der Bezirks-Kommissionen wollte Dr. Stern absolut zur Debatte nicht zulassen. Nichtsdestoweniger wurde auch darüber debattiert. Leider ging der Herzenswunsch des Präsidenten nicht in Erfüllung. Die Kommission hat sich mit 5 gegen 3 Stimmen für die Beibehaltung des jetzigen Steuerzensus von K 20 ausgesprochen und sohin beschlossen, das Steuermaximum auf K 20.000 zu erhöhen, dagegen die Wahltermine nicht abzuändern, weil man den Wählern für diese Rechtsentziehung kein Aequivalent bieten kann. Die Flucht Dr. Sterns vor den Wählern ist also mißlungen. Seine Intriguen gegen die Demokratisierung des Wahlrechtes dauern aber fort. Das Faktotum Dr. Sterns als Experte. In aller Stille hat Dr. Stern den Kanzleibeamten Engel, den wir unseren Lesern bereits als den Pawelka aus der Seitenstettengasse bezeichnet haben, nach Berlin behufs „Studium" der Steuer-Repartierung, insbesondere der Minimalsteuer von 6 Mark bei der dortigen Kultusgemeinde abgeschickt. Ist es nicht an und für sich bezeichnend, daß eine Kultusgemeinde Wien, die im Sekretariate vier Jurist en beschäftigt, keinen derselben, sondern einen jungen Kanzleibeamten als Experten an eine andere Großgemeinde entsendet? Fürwahr, dieser Mandatskleber hat in seinem senilen Starrsinn bereits jede Empfindung für die Würde der Gemeinde verloren. Er schickt nicht einen Mann, der begutachtet, sondern sein Werkzeug, welches pariert. Herr Engel wird uns recht bald belehren, welche bösen Erfahrungen die Berliner Kultusgemeinde mit ihrer 6 Mark Minimalsteuer gemacht hat . . . Dr. Moses Ahronsohn: t)er j4ebräisch-LInterpicht an den Mittelschulen*) Unterrichtsfragen sind heute an der Tagesordnung. Berufene und noch mehr Unberufene wünschen Reformen, die ihnen meistens gleichbedeutend sind mit Erleichterungen des Unterrichtes. Wer wird es leugnen, daß wir an unseren Mittelschulen viel Ballast mitschleppen! Eine Gleichstellung unserer Zeit mit vergangenen Jahren wäre1 sehr übel angebracht. Denn der Bildungsdrang in unseren Tagen äußert sich in anderer Weise als ehemals. Es wird von dem Gebildeten jetzt so viel an Wissen verlangt auf Gebieten, die unsere Vorfahren kaum kannten, daß, sollen unsere Kinder nicht überbürdet werden, manches ausgeschaltet werden muß, was als eine überflüssige Last von veraltetem Wissenskram, Hausrat aus Urväter Zeiten bezeichnet werden kann. Es müßte uns wundern, wenn der Ruf nach Reform nicht auch für den jüdischen Religionsunterricht betroffen hätte. Kann man doch diesen als das wahre Schmerzenskind der Unterrichtsordnung bezeichnen. Jedermann glaubt, auf diesem Gebiete mitsprechen zu können. Von der radikalsten Forderung, diesen Unterricht ganz abzuschaffen, bis zu der, in zwei Stunden wöchentlich, alles zu lehren, was ehemals das ganze Leben unserer Vorfahren ausfüllte, wird eine Stufenleiter von Ansichten, Anschauungen, Bemerkungen, Beur- und Verurteilungen durchlaufen, die sich der jüdische Religionsunterricht gefallen lassen muß. Wenn ein Kranker an seinen Aerzten und Medikamenten zugrunde geht, und man den jüdischen Religionsunterricht als einen Patienten bezeichnet, er hätte schon längst eines seligen Todes entschlafen müssen. Das schwere Geschütz aber richtet sich gegen den Unterricht im Hebräischen. Soll dieses überhaupt gelehrt werden? Haben unsere Kinder nicht genug an Latein und Griechisch zu tragen? Müssen sie nicht auf moderne Sprachen und, — welch ein horror — in vielen Provinzen die zweite Landessprache lernen? Wie man sieht, sind wir nun mitten in der Frage der Ueberbürdung, förmlich drin. Die zweite Frage: Wie soll das Hebräische unterrichtet werden? Ist es möglich in kaum einer Stunde wöchentlich, die übrige Zeit ist ja für andere Disziplinen, die vom Religionsunterricht gefordert werden, notwendig, eine so schwierige Sprache, philologisch zu lehren? Wie schon jeder Laie sieht, ist das Problem des Unterrichtes im Hebräischen ein schwieriges, kaum zu lösendes. *) Im Anschluß an die in drei früheren Nummern unseres Blattes veröffentlichte Artikelserie über die Reform des Religionsunterrichtes eröffnen wir nunmehr darüber eine Diskussion, an der wir alle Fachmänner teilzunehmen bitten. Obiger Artikel entstammt der Feder eines im Dienste des jüdischen Religionsunterrichtes ergrauten, hervorragenden Fachmannes und beschäftigt sich speziell mit der Frage des hebräischen Unterrichtes, welcher als ein obligatorischer Bestandteil des Religionsunterrichtes Von sehr vielen Eltern — nieht von den Kindern in W i e n verpönt ist. Die Redakti on.