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Neue Nationalzeitung · 1911-12-29 · Heft 26 (29.12.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 26 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WOONÄL-ZHCÜNG RERflUSGgBER: OrS.R.LNNÖNU XIII. JAHRGANG. WIEN, 29. DEZEMBER 1911. Nr. 26. Der nordamerikanisch-russische Handelsvertrag — gekündigt. Der jüdische Diplomat Oskar Strauss, der jüdische Bankier Jacob Schiff und der christliche Politiker William S u 1 z e r haben endlich die Kündigung des Handelsvertrages durchgesetzt. Präsident Taft hat dies scheinbar spontan veranlaßt. In Wirklichkeit entschloß er sich nach langem Zögern dazu erst dann, als das Repräsentantenhaus mit 300 gegen 1 Stimme, mit Rücksicht auf die Verletzung des Handelsvertrages durch Rußland dessen Aufhebung verlangte und als die Zusagen und Erklärungen der Senatoren eine ähnliche Entscheidung im Senate erwarten ließen. Er wollte der Regierung des Zaren eine neuerliche moralische Züchtigung ersparen, wie sie ihr durch das Repräsentantenhaus bereits zuteil wurde. Deshalb kündigte er. Taft wurde von der öffentlichen Meinung an die Wand gedrückt. Noch vor wenigen Monaten konnte der nordamerikanische Botschafter in Petersburg erklären, daß es seiner Regierung gar nicht damit ernst sei, die Pässe der Juden anerkannt zu sehen, daß seine Intervention nur ein Manöver sei, um die amerikanischen Juden irre zu führen, daß die Hauptsorge Tafts dahin gehe, nordamerikanisches Großkapital in Rußland zu placieren. Und am 15. Dezember mußte der Botschafter sich selbst und seine Regierung Lügen strafen, er mußte dem russischen Minister des Aeußern die Kündigung überreichen und ihm erklären, daß in der Paßfrage das ganze Volk der Vereinigten Staaten hinter den Juden stehe- Daß Rußland an seiner empfindlichsten Stelle, wo der Cäsarenwahn am grimmigsten tobt, im „Judenpunkt", so einschneidend getroffen werden konnte, ist in allererster Linie das historische, unvergessliche Verdienst der Eingangs genannten drei Männer. Mit unermüdlichem Eifer beteiligten sie sich an den großen Volksversammlungen, wo sie selbst als Redner auftraten, sie führten Deputationen zu den maßgebendsten Senatsmitgliedern, sie nahmen ihren dauernden Aufenthalt in Washington, als die gesetzgebenden Körperschaften und ihre Ausschüsse zum entscheidenden Schlage ausholen sollten. Vereinzelt in der Geschichte steht da jene Massenversammlung von 400 christlichen Geistlichen oder das Meeting von 5000 Personen aller Klassen und Konfessionen in der Carnegie-Hall, die rücksichtslos die russische Barbarei brandmarkten. Das war auch nur dadurch möglich, daß sich christliche Männer fanden, wie S u l z e r, M c A d o o, Speaker Clark, Governor Wilson, die in ihrem Freiheitadrange das Recht des amerikanischen und nicht bloß des jüdischen Mitbürgers verteidigen wollten. Ist schon die Existenz solcher xVtänner in unserer von konfessionellen und nationalen Hetzereien zersetzten Hemisphäre eine Seltenheit, so muß es uns geradezu unglaublich erscheinen, daß Speaker Clark dem jüdischen Abgeordneten Goldfogle für die Dauer der Beratung und Beschlußfassung über die Resolution Sulzer den Vorsitz abgetreten hat, um den Gegensatz zwischen Nordamerika und Rußland umso krasser erscheinen zu lassen. Die Führer der amerikanischen Judenschaft haben sich mit eiserner Konsequenz den Weg gebahnt. Und doch sind sie noch weit vom Ziele. Der Vertrag ist gekündigt, er geht am 19. Jänner 1912 zu Ende. Aber ein neuer ist noch nicht fertig. Taft hat durch seinen Botschafter in Petersburg die Geneigtheit aussprechen lassen, in Unterhandlungen wegen eines neuen Vertrages einzutreten. Wie wird er aber über den Judenpunkt hinwegkommen? In welcher Weise kann Rußland vertragsmäßig gebunden werden, allen jüdisch-amerikanischen Bürgern die Pässe zu vidieren und den freien Eintritt

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