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Neue Nationalzeitung · 1911-11-17 · Heft 23 (17.11.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 23 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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N2US NflöONMr XIII. JAHRGANG. WIEN;, 17. NOVEMBER 1911. Nr. 23. Der deutsche Judentag. (Vierte Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden in Berlin.) Berlin, Mitte November. Zu den besten politischen Organisationen der Juden Deutschlands gehört zweifellos der „Verband der Deutschen Juden". In seinem kaum m-cIis jährigen Bestände hat er eine führende Stelle innerhalb der deutschen Judenschaft erlangt und es gibt wohl keine wichtige Frage, die seiner Aufmerksamkeit entgangen wäre. Die hervorragendsten Juden Deutschlands aus allen Kreisen der Gesellschaft gehören seinem Ausschusse an: Justizräte, Kommerzienräte, Sanitätsräte, Landesgerichtsräte, Universitätsprofessoren, Rabbiner usw. Diese Unsumme von Wissen und Gelehrsamkeit, sozialem und finanziellem Einfluß macht es dem Verbände möglich, gegen Zurücksetzung und Intoleranz auf allen Gebieten energisch aufzutreten. So hat denn der Verband in Bezug auf Apologetik des Judentums, Einschränkung der Sonntagsruhe, Maßnahmen zum Schutze des Schächtens, Kampf gegen Zurücksetzung im Heeresdienst und Aemtern wiederholt Abwehraktionen mit Erfolg unternommen. In 137 Bezirken des Deutschen Reiches ist der Verband durch Korrespondenten vertreten; ein eigenes „Korrespondenz-Blatt" dient dazu, den Kontakt mit den Mitgliedern und der Oeffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Der Kassenabschluß vom 1. April d. J. weist einen Ausgabenetat von 30.644.68 Mark auf, welcher zumeist von den Mitgliederbeiträgen bestritten wird. Der für den 5. d. M. angesetzte und auch stattgehabte Vierte Verbandstag bildete eine imposante Manifestation jüdischer Solidarität. Die Hauptversammlung. Kurz vor 12 Uhr nahm im großen Theatersaal des Neuen Königlichen Operntheaters die eigentliche Hauptversammlung ihren Anfang. Die Generalintendantur der Königl. Schauspiele hatte in entgegenkommendster Weise das Theater dem Verbände zur Benützung überlassen. Ein illustrer Kreis unserer Glaubensgenossen füllte die Räume. Ueber 500 Delegierte und über 1000 Zuhörer hatten sich eingefunden. Man bemerkte unter anderen die Herren Geh. Kommerzienrat Aronsohn -Bromberg, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Barth, Prof. Dr. Blaschke, Justizrat Blau- Frankfurt a. M., Geh. Sanitätsrat Dr. Boas, Justizrat Dr. Eugen Fuchs, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Geiger, Geh. Kommerzienrat Herz- Posen, Rektor des Rabbiner- Seminars Dr. H o f f m a n n, Geh. Baurat Prof. Dr. Landsberg, Prof. Dr. M a ybau m, Rudolf M o s s e, _ Geh. Justizrat Prof. Dr, Albert M o s s e, Landtagsabgeordneten Landesgerichtsrat P e 11 a - söhn, Rabbiner Dr. R o s e nt h a 1 - Breslau, Geh. Justizrat Timenborfer, Stadtverordneten Louis Sachs, Dr. hon. c. James Simon. Justizrat Horwitz eröffnete als erster Vorsitzender die Hauptversammlung und begrüßte neben den Delegierten die Vertreter der städtischen Behörden von Berlin, die sich in den Personen der Herren Bürgermeister Dr. R e i c k e, Stadtverordnetenvorsteher M i c h e 1 e t und Cassel und Stadtverordneten G e r i c k e eingefunden hatten, sowie den Vertreter der Gemeinde Wilmersdorf, Herrn Stadtrat Brem, und die Vertretung der jüdischen Ge meinde Berlin. Der Vorsitzende konstatierte auch das Nichterscheinen der staatlichen Behörden mit der Ueberzeugung, daß ihr Fortbleiben den Erfolg der Tagung nicht tangieren werde. Darauf wurde zur Wahl des Bureaus geschritten und gemäß einem Vorschlag der Vollver-

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