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Neue Nationalzeitung · 1911-11-03 · Heft 22 (3.11.1911) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 22 (3.11.1911)
Date
1911-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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NSÜ5 SKiONftb-ZETCUNG XIII. JAHRGANG. WIEN, 3. NOVEMBER 1911. Nr. 22. Dr. Moriz Friedländer. (Zum siebzigsten Geburtstag.) Von Dr. S. R. Landau. Als ich vor einigen Tagen Herrn Dr. F r i e d 1 ä nd e r in seinem traulichen Heime auf der Hohen Warte besuchte, um ihm meine Glückwünsche darzubringen, da äußerte der verehrte Jubilar einen sonderbaren Wunsch. In unserem Zeitalter der Reklame, der Titelsucht und des Jubiläumsfiebers bat er mich, sein Jubiläum zu verschweigen. Er sei so froh, nur der Wissenschaft zu leben und dem Parteigetriebe fernzustehen; er habe seine eigene Welt, die ihm genüge ... Ich mußte mit Bedauern die Erfüllung dieses Wunsches ablehnen. Männer wie Doktor Friedländer haben das Recht, von und in der großen Oeffentlichkeit gekannt, genannt und gefeiert zu werden. Nicht nur um ihrer selbst willen. Wir haben nicht bloß die Pflicht, ihnen damit für ihre Mühe im Dienste der Oeffentlichkeit den gebührenden Dank abzustatten, wir müssen ihnen einen Platz in der jüdischen Geschichte sichern, um sie den kommenden Generationen als leuchtendes Muster vorzuführen. Wie oft klagen wir, daß sich im jüdischen öffentlichen Leben hohles Protzentum und ignorantes Strebertum an die Oberfläche drängen;, während Männer von anerkanntem Gemeinsinn, bewahrter Dr. Moriz Friedländer. Opferwilligkeit und hervorragender Befähigung brüsk bei Seite geschoben werden, weil sie weder über einen klangvollen Namen, noch über ein großes Vermögen verfügen. Und wenn wir dagegen ankämpfen, dann müssen wir die Verdienste jener Männer ins helle Licht rücken, die ungekannt und unbeachtet, bescheiden und oft in abhängiger Stellung durch ihre geniale Initiative, ihren rastlosen Eifer, ihre eiserne Willenskraft und ihr seltenes Organisationstalent dauernde Werke von kultureller oder politischer Bedeutung schaffen. Ich bin nicht Fachmann genug, um die wissenschaftliche Bedeutung Dr. Friedländers, der auf dem Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie bahnbrechende Studien veröffentlicht hat, vollauf würdigen zu können. Ich will mich daher lediglich mit seiner Wirksamkeit als Sekretär der Israelitischen Allianz und der Baron Hirsch'schen Schulstiftung beschäftigen. Was ist heutzutage der Sekretär einer jüdischen Wohltätigkeitsstiftung? Ein zumeist schlecht bezahlter Beamter mit mehrfachen Nebenämtern, der von der Gnade des Präsidenten abhängig und daher dessen willenloses Werkzeug ist. Da der Präsident gewöhnlich weder Zeit noch Interesse für die Aufgaben

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