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Neue Nationalzeitung · 1911-10-20 · Heft 21 (20.10.1911) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XIII (1911)
Issue
Heft 21 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 21 Die Notwendigkeit einer jüdischen Emigrantenbank. Zu den Aufgaben des jüdischen Emigrationskongresses gehört auch die Schaffung einer Emigrantenbank. Der Mangel einer solchen Bank hat zur Folge, daß die Emigranten, in erster Linie die jüdischen, von gewissenlosen Bankiers ausgebeutet werden. So wurden in letzter Zeit die Emigranten um zirka 10 Millionen Kronen betrogen. Im Jahre 1911 haben nachstehende Bankhäuser in New-York bankerottiert: 1. P. V. Eovianek & Co, . . . . 4 Millionen Kronen 2. Arpad Göezel&Co...... 230.000 3. M. Harbula........ 200.000 4. M. Korlath......... 300.000 5. Andreas Zemany.......27» Millionen 6. Jakob Klein........llU ., ., 7. Isidor Klein......... 425.000 S. Johann Beda........ 225.000 Gegen diese falliten Geldmakler, welche die Gelder von Immigranten behalten haben und dann durchgegangen sind, ist das Konkursverfahren eingeleitet worden. Es besteht jedoch wenig Hoffnung, daß die geschädigten Parteien etwas bekämen, weil die A k t i v e n minimal sind. Möglich ist derartiger Schwindel nur dadurch, daß man in Amerika die Geldwechsler und Bankiers last gar nicht kontrolliert und dieselben demzufolge eigentlich tun und lassen können, was ihnen beliebt. fRORIttSPONDeNZCN Frankreich. Die Juden in Paris. Paris. Der Geschäftsbericht der hiesigen jüdischen Gemeinde pro 1910 setzt mich in die Lage, Ihnen nähere Angaben über die Zahl der Juden und ihre Gemeindeverhältnisse anzuführen. Die jüdische Gemeinde in Paris hatte 1910 bei 979.723 Francs Einnahmen und 1,035.§08 Francs Ausgaben ein Defizit von 55.585 Francs. Es mußten daher fast sämtliche aus dem Jahre 1905 noch vorhandenen Reservefonds aufgebraucht werden. Die Zahl der Gemeindemitglieder betrug Ende Dezember 3993 (gegen 2854 im Vorjahre). Ein Mitglied bezahlt einen Jahresbeitrag von 30.000 Francs (Baron Rothschild), drei einen solchen von 5000 Francs, vier von 3000 Francs, drei von 2500 Francs, eines von 2000 Francs usw. Dabei sind noch 1668 Steuerzahler, die jährlich nur 10 Frcs, entrichten. (Die jüdische Gemeinde in Paris geht also nicht zugrunde, wenn sie auch ein Steuerminimum von 10 Francs hat. Sie hat aber auch keinen Streber an der Spitze. Anm. der Redaktion.) Außer den Steuern gingen ein an freiwilligen Spenden 193.560 Francs, die Totenbestattung brachte 46.778 Francs ein, das Koscherfleisch 45.585 Francs. Ferner figurierten unter den Einnahmen die Spende der Baronin Rothschild von 30.000 Francs für die Religionsschulen und 20.000 Francs von Baron Rothschild für das Rabbinerseminar. Das Kultuspersonal besteht aus 11 Rabbinern, 16 Kantoren, 18 Sekretariatsbeamten, 4 Chordirigenten, 127 Chorsängern, 17 Schächtern, 43 Synagogendienern. 2928 Kinder erhielten in 73 Schulen Religionsunterricht (1457 Knaben und 1471 Mädchen), 355 wurden konfirmiert und 256 Knaben feierten ihre Barmizwahs. Es fanden 353 Trauungen und 972 Beerdigungen statt (darunter 451 Arme, die kostenlos beerdigt wurden). Bei den angegebenen Zahlen ist zunächst zu bemerken, daß nicht alle Juden, die in Paris wohnen, Mitglieder der Großgemeinde sind. Es gibt noch ganz liberale Gemeinden, die Deutsche Or':hü&oxe Gemeinde, verschiedene russische, polnische und türkische Minjonim. Ebenso gibt es noch viele Juden, die sich überhaupt am religiösen Leben nicht mehr beteiligen. Immerhin ist die Tatsache feststehend, daß die Zahl der Juden in der französischen Hauptstadt von Jahr zu Jahr zunimmt, und ist wohl die Anzahl gegenwärtig auf über 50.000 Seelen zu schätzen. Wir wollen noch zum Schluß einige Zahlen anführen, die Aufschluß geben über die großen Ausgaben und Einnahmen der Gemeinde. Für die Bedürfnisse der Synagogen wurden ausgegeben 327.000 Frcs., doch wurden für Platzmieten und Spenden in den Synagogen 330.000 Frcs. eingenommen. Für die Religionsschulen wurden 70.000 Frcs. verwendet, für die Rabbiner 103,256 Frcs., für das Sekretariat 97.000 Frcs. Außerdem wurden 62.000 Frcs. als Zuschuß bewilligt für das Konsistorium, damit dasselbe arme Gemeinden in Frankreich unterstütze zwecks Erhaltung der religiösen Institutionen, 95.000 Frcs. für Neubauten, 42.000 Frcs. für Ritualzwecke, 25.000 Frcs. für Totenbestattung, 38.000 Frcs. für das Rabbinerseminar. Es sind Riesensummen, die in der großen Gemeinde Paris vereinnamt und verausgabt werden, und zeigen sie noch, daß das Judentum in Paris tätig ist, um die religiösen Bedürfnisse ihrer Angehörigen zu befriedigen. Palästina. Neues aus Palästina. Militärische Vorkehrungen Im Interesse der Kolonien. — Wasserleitungen in Hebron und Safed. — Die Katastrophe am Lag-Baomer. — Gäste in Safed. — Preise für die jeschtbah in Jerusalem. — Ein Generalinspektor für die Schulen der JCA. — Der Winterfahrplan der Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn. Jerusalem. Auf die wiederholten Schritte, die infolge dringender Vorstellungen von palästinischer Seite der Ohachambaschi der Türkei hei der ottonianisehen Regierung getan hat, ist ihm nun der offizielle Antworts-Takrir vom Großvezierate zugegangen. Die Antwort der Eegierung ist von lebhaftem Wohlwollen für die Juden Palästinas und von Fürsorglichkeit um ihre Sicherheit getragen. Der Antrag, an verschiedenen Punkten des Landes Militärposten zur Aufr echterhaltung der Buhe und Ordnung anzulegen, ist akzeptiert und die Bereitwilligkeit der jüdischen Kolonien und Gemeinden Palästinas, die hierzu nötigen Bauten auf eigene Bechnung zu übernehmen, mit gebührender Anerkennung zur Kenntnis genommen worden. Jedoch lehnt die ottomanisehe Eegierung diese pekuniäre Mithilfe ab, da es ihre eigene Pflicht sei, für die öffentliche Sicherheit alles Nötige aufzuwenden. Zum Zwecke der Ausführung ihrer Intentionen fragt schließlich die Regierung den Ohachambaschi an, an welchen Punkten der Provinz den Juden die Anlage der Militärstationen erwünscht sei. Der Ohachambaschi hat diese Anfrage dringlieh an die jüdischen Instanzen in Palästina weitergegeben und wird ihre Antwort ehestens an die Regierung übermitteln. Die Anlage der Wasserleitung in Hebron, die durch den früheren Pascha von Jerusalem Osmi-Bey in Angriff genommen wurde, geht ihrer Vollendung entgegen. Die

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